TA Representatives

„Wir waren unsichtbar“

Im Hintergrund bleiben, nichts an die große Glocke hängen – lange war das für Technischen Assistent*innen am MDC Alltag. Im April 2019 haben sie eine Interessenvertretung gegründet. Was sie vorhaben und schon erreichen konnten, berichten drei der „TA Representatives“ im Interview für „Wir am MDC“.

Im Treppenhaus des Forschungsgebäudes 31.1 ist im ersten Stock ein kleiner Besprechungsraum versteckt. Den Tisch bedecken viele Papiere, einziger Farbtupfer ist eine mit blauen Körnchen gefüllte Sanduhr. Drumherum sitzen Lisa Spatt, Markus Hensel und Jana Richter. Die drei sind Technische Assistent*innen – kurz: TAs – am MDC.  Sie engagieren sich als TA Representatives in der gemeinsam mit weiteren Kolleg*innen gegründeten Interessenvertretung dieser Gruppe.

v.l.n.r.: Lisa Spatt, Markus Hensel, Jana Richter

Am MDC gibt es schon länger Vertretungen der PhD-Studierenden und der Postdocs, nun auch bei den TAs. Was steckt dahinter?

Markus Hensel: Ende 2018 nahm die Anti-Harassment-Taskforce am MDC ihre Arbeit auf, daran waren auch mehrere TAs beteiligt. Dabei fiel ihnen auf, dass eigentlich niemand speziell die Interessen der Technischen Assistent*innen am MDC vertritt, ähnlich wie es bereits bei den PhD-Student*innen durch  Repräsentanten geschieht. Parallel und unabhängig davon wurde in Zusammenarbeit mit Personalentwicklung, Mitarbeiterförderung, Personalrat und Vorstand eine Umfrage unter den TAs zum Thema Weiterbildung und Zufriedenheit angestoßen.

Lisa Spatt: Als die Ergebnisse dieser Umfrage im April 2019 vorlagen, entstand die Idee, eine eigene Interessenvertretung ins Leben zu rufen. An dem Tag meldeten sich dann auch gleich viele, die mitmachen wollten. Inzwischen sind wir meist zehn bis zwölf Leute. Wir sind allerdings nicht von den TAs gewählt, sondern wir haben uns aus Interesse zusammengefunden, um das Sprachrohr der TAs zu sein und sie so gut zu unterstützen, wie es geht.

Wie sieht diese Unterstützung aus? Welche Ziele verfolgen Sie?

Markus Hensel: Wir wollen uns stärker untereinander austauschen, etwa wenn TA-Stellen wegfallen, weil Arbeitsgruppenleiterinnen und Arbeitsgruppenleiter in den Ruhestand gehen. Wir wollen die „frei werdenden“ Kolleginnen und Kollegen in Zusammenarbeit mit der Personalabteilung unterstützen, eine neue, möglichst passende Arbeitsgruppe zu finden und uns an der Gestaltung von Weiterbildungen beteiligen.

Jana Richter: Wir wollen die Stellung der TAs am MDC stärken…

Lisa Spatt: …denn wir waren bislang unsichtbar. Obwohl wir so viele sind. Wir hatten das Gefühl, dass sich niemand intensiv genug für unsere Belange einsetzt. Das wollen wir ändern, wir wollen nicht mehr nur einfach Beschlossenes hinnehmen, sondern selbst mitgestalten. Zum Beispiel wollen wir erreichen, dass TAs normal leistungsstarke PCs an ihrem Arbeitsplatz nutzen können. Es ist in einigen Gruppen so, dass im Labor ein zehn Jahre alter Rechner steht, den sich mehrere TAs und Studierende teilen müssen. Da kann man nicht in Ruhe Informationen im Intranet suchen oder ungestört Arbeitszeiten in die Zeiterfassung eintragen.

Was sind weitere Bedürfnisse der Technischen Assistent*innen am MDC?

Jana Richter: Die TAs sind überwiegend weiblich, und viele haben Kinder. Da ist eine Arbeitszeit zwischen halb neun und fünf Uhr schwierig. Viele wünschen sich mehr Möglichkeiten, in Teilzeit oder mit flexibleren Arbeitszeiten zu arbeiten.

Markus Hensel: Oder sich weiterzubilden: Wer in Teilzeit arbeitet, kann es nur schwer einrichten, an Weiterbildungen teilzunehmen, die normalerweise ganztags angeboten werden. Das war eines der ersten Anliegen, die wir uns vorgenommen haben. Das Gläserne Labor, mit dem das MDC dabei sehr eng zusammenarbeitet, haben wir auf diesen Umstand hingewiesen und daraus resultierend wird geplant in Zukunft die ersten Halbtagesfortbildungen für TAs anzubieten.

Frau Richter, Sie sind die Stimme der Älteren bei den TA Representatives. Für welche Themen setzen Sie sich ein?

Jana Richter: Ich finde, dass ältere TAs oft mit Vorurteilen konfrontiert werden: Sie seien zum Beispiel nicht „motiviert genug“, sich neue Methoden anzueignen. Gelegentlich erschweren auch Sprachbarrieren die Kommunikation.

Mir und uns allen ist außerdem wichtig, dass das MDC stärker gegen Mobbing und Diskriminierung vorgeht. Am MDC werden jetzt Vertrauenspersonen eingesetzt, die als Erstanlaufstelle dienen sollen, wenn so etwas vorkommt.

Markus Hensel: Eigens dafür werden am MDC nun über ein Dutzend Mitarbeiter*innen als First-Contact-Points geschult, einige von Ihnen können zusätzlich ein Zertifikat für Konfliktberatung abschließen.

Jana Richter: … und dabei sind leider die TAs hinten heruntergefallen. Die zertifizierte Schulung ist eine kostspielige Angelegenheit, deswegen wurden nur drei Personen insgesamt dafür ausgewählt. Leider ist keine Technische Assistentin dabei – obwohl die TAs als Gruppe eigentlich besonders betroffen sind und sich in der Taskforce mit dafür eingesetzt haben, dass es diese First-Contact-Points oder Vertrauenspersonen überhaupt gibt. Da war unsere Enttäuschung groß, auch wenn wir bei den First-Contact-Points vertreten sind und eine Light-Version der Schulung als Konflikberater*in  erhalten.

Die Repräsentanten*innen wollen die Stellung der TA's am MDC stärken.

Mit welchen Fragen oder Problemen kommen die TAs zu Ihnen?

Lisa Spatt: Ein großes Thema ist aktuell das Matching-System: Wir haben viele Arbeitsgruppenleiter*innen, die demnächst etwa zur gleichen Zeit in Rente gehen werden. Das heißt, ungewöhnlich viele TAs werden frei. Nun muss geschaut werden, wie sie vermittelt werden, wie sie sich vorbereiten oder weiterbilden können. Die Mitarbeiterförderung des MDC hat ein System entwickelt und auf SharePoint bereitgestellt, wo Arbeitsgruppenleiter*innen auf einem „Kompetenzgesuchbogen“ angeben können, welche Methodenkenntnis sie von TAs erwarten. Die TAs können auf einem „Kompetenzerfassungsbogen“ angeben, über welche Methodenkenntnis sie verfügen. Dazu bekommen wir immer wieder Nachfragen.

Markus Hensel: Wir haben uns diese Bögen gemeinsam im TA-Netzwerk angeschaut  und einige Verbesserungsvorschläge sowie Ergänzungen erarbeitet, denn in vielen Dingen waren sie nicht detailliert genug, um Fähigkeiten der TAs ausreichend zu erfassen. Im Moment wollen wir erreichen, dass der Prozess des Matchings transparenter gestaltet wird und man sehen kann, wie die Weitervermittlung in beide Richtungen geschieht.

Lisa Spatt: Dafür sind wir da – immer wieder nett nachfragen, eine wiederkehrende Erinnerung sein.

Wie ist das Feedback der TAs auf Ihre Arbeit?

Lisa Spatt: Im Oktober haben wir uns offiziell vorgestellt. Wir wussten vorher nicht, was uns erwartet. Die Befürchtung, dass keiner kommt, hat sich nicht bewahrheitet. Wir waren positiv überrascht: Der Saal war voll, und am MDC Berlin-Mitte (BIMSB) haben sie per Videostream auch zugeschaut. Da wurde uns klar, dass unsere Arbeit willkommen und wichtig ist. Die TAs blieben bislang im Hintergrund und waren daran gewöhnt, nichts an die große Glocke zu hängen. Wir wollen sie nun ermutigen, mehr Mitspracherecht einzufordern, ihnen klarmachen, dass ihre Meinung wichtig ist. Das ist nicht mit der einen Versammlung getan. Wenn wir aktiv und präsent bleiben, wird sich das sicher noch entwickeln.

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Das Interview fand vor dem Beginn des Minimalbetriebes am MDC und vor den Kontaktbeschränkungen aufgrund der Corona-Krise statt. Inzwischen haben sich fast 40 TAs freiwillig zur Unterstützung der Charité – Universitätsmedizin Berlin bzw. des Labors Berlin gemeldet, die bei Bedarf vom MDC entsendet werden. Viele engagieren sich darüber hinaus ehrenamtlich.

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Am MDC arbeiten zurzeit 190 Technische Assistent*innen, etwa 80 Prozent haben eine unbefristete Anstellung. 162 TAs sind Frauen. Bei den TA Representatives engagieren sich zurzeit etwa zehn Personen.

Lisa Spatt hat ihre Ausbildung als Biolaborantin und danach eine Weiterbildung zur Biologisch-Technischen Assistentin (BTA) am MDC gemacht. Seit Mitte 2018 arbeitet sie in der Arbeitsgruppe von Kathrin de la Rosa und kümmert sich dort um Labororganisation, Management und Experimente und verfolgt auch eigene Projekte. „Es macht Spaß, besonders gefällt mir die vielseitige Forschung am MDC – man kann in ganz verschiedene Themen reinschauen und viel lernen.“

Markus Hensel ist seit 14 Jahren am MDC beschäftigt, seine BTA-Ausbildung hat er am Lise-Meitner-Oberstufenzentrum absolviert. Das Besondere für ihn am MDC  sind die vielen unterschiedlichen wissenschaftlichen Fachrichtungen, an denen geforscht wird: „Hier kann man sich als TA über die Jahre ein sehr breites Spektrum an Wissen und Fähigkeiten aufbauen“.

Jana Richter wurde am Robert-Rössle-Institut, einem der DDR-Akademieinstitute, aus denen das MDC hervorgegangen ist, zur Medizintechnischen Laborassistentin ausgebildet. Anschließend arbeitete sie 20 Jahre in der Krebsforschung und danach viele Jahre in der Herz-Kreislauf-Forschung. Seit 2015 kümmert sie sich ums Labormanagement und die Zebrafischexperimente in der Arbeitsgruppe von Jan Phillip Junker am BIMSB des MDC in Mitte. „Den Campus Berlin-Buch habe ich nach 39 Jahren mit einem weinenden Auge verlassen. Die Arbeit in der jungen Gruppe macht aber viel Spaß. Mit meiner Erfahrung bin ich dort der ruhende Pol.“