Sylvia Sibilak und Andrea Salerno-Schwarz

Zwei Frauen für alle Fälle

Sylvia Sibilak und Andrea Salerno-Schwarz betreuen das „Welcome & Family Office“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC). Ihr Job: Vor allem neuen Mitarbeiter*innen aus dem Ausland den Start am MDC und im neuen Land zu erleichtern. Eine neue Folge unserer Serie „Wir am MDC“.

Die einen kommen alleine, andere bringen Frau oder Mann oder gleich eine ganze Familie mit. Eines haben alle internationalen Neuankömmlinge gemeinsam, ob Forschungsgruppenleiter*in oder Nachwuchswissenschaftler*in: Sie verstehen kein Verwaltungsdeutsch – und es gibt vieles zu regeln, bevor man sich der Arbeit widmen kann. 

Deshalb setzen Sylvia Sibilak und Andrea Salerno-Schwarz früh an. „Wir kümmern uns schon um die Leute, bevor sie hier sind, und helfen beispielsweise beim Visum“, berichtet Sylvia Sibilak. Manchmal dauert es länger, bis die Botschaften das Einreisevisum erteilen, etwa im Iran. Viele Dinge sind zu klären: Kann der Partner oder die Partnerin, können die Kinder mitkommen? Wie sieht es aus mit Dual Career-Optionen? Wie findet man eine Kinderbetreuung und eine Wohnung?

Sylvia Sibilak 

Sylvia Sibilak ist der „alte Hase“ im Team: Vor gut 20 Jahren startete das Welcome Office mit ihrer halben Stelle. Auch zuvor hatte es schon eine gewisse Infrastruktur für neue Mitarbeitende aus dem Ausland gegeben. Aber ihre Zahl war gestiegen und die Arbeit nicht mehr nebenbei zu bewältigen. Heute sind rund 550 internationale Mitarbeitende und Gäste am MDC, sagt Sylvia Sibilak. Und neue Aufgaben kamen hinzu, etwa ein breiteres Unterstützungsangebot für Familien, weswegen seit 2018 Andrea Salerno-Schwarz mit an Bord ist. Die gebürtige Argentinierin kümmert sich vor allem um Neuzugänge aus der EU und um Familien, Sylvia Sibilak um Gäste und Forschende, die aus Drittländern kommen. „Wir wollen, dass sie sich wohlfühlen. In Deutschland ist der Alltag oft kompliziert“, sagt sie. Auch, wenn sich der Service des Welcome & Family Office hauptsächlich an ausländische Beschäftigte richtet, steht es allen Neuen offen. Es kümmert sich zum Beispiel auch darum, dass der Arbeitsbeginn aller neuen Mitarbeiter*innen und Gäste am MDC reibungslos abläuft. Damit wollen Sylvia Sibilak und Andrea Salerno-Schwarz dazu beitragen, dass sie sich willkommen fühlen und rasch mit dem MDC identifizieren.

Sich unter die Berliner*innen mischen

Um den Start zu erleichtern, geben die beiden Frauen Tipps für die Anmeldung bei der Krankenkasse und beim Landesamt für Einwanderung, sie beraten bei der Wohnungssuche und helfen, einen Kitaplatz oder eine geeignete Schule zu finden falls gewünscht. Auch bei der Vertragsunterzeichnung am MDC sitzen sie mit dabei, um Fragen zu klären. Sie machen Termine mit Ämtern aus und geben Hinweise. Etwa, dass man in Deutschland eine Steuererklärung machen muss. „Viele machen sich vorher große Sorgen um diese Dinge und sind dankbar für die Unterstützung“, erzählt Sylvia Sibilak. Vorbereitet ist auch eine persönliche Organisationsmappe, in der Sozialversicherungsnummern, Telefonnummern von Familienangehörigen und andere wichtige Daten eingetragen werden können.

Andrea Salerno-Schwarz

Zum Ankommen in der Stadt gehört natürlich mehr. In den Beratungsgesprächen bringt Andrea Salerno-Schwarz gerne ihren Blickwinkel als Immigrantin ein: „Ich finde es großartig, dass man in Deutschland an Volkshochschulen für wenig Geld zu allen möglichen Themen Kurse machen kann und empfehle das“, berichtet sie. Es sei wichtig, dass die Forschenden aus anderen Ländern auch mal aus der Wissenschaft herauskommen und sich unter die Berliner*innen mischen.

„Wir sind Vertrauenspersonen“, sagt Andrea Salerno-Schwarz. Manchmal berichten internationale Mitarbeitende von erlebten Vorbehalten bei Ämtern oder im Privatleben. Da hilft es, wenn die Frauen aus dem Welcome Office zuhören, Beistand leisten oder einen Rat geben können. Das Welcome & Family Office unterstützt auch, wenn es um das „Farewell“ geht, und erinnert daran, Miet- und Handyverträge zu kündigen und sich beim Bürgeramt abzumelden.

Wer bleiben will, hat dazu gute Möglichkeiten

Generell sind Forschende in öffentlich geförderten Institutionen wie dem MDC privilegiert, denn sie sind davon befreit, eine Arbeitsgenehmigung einholen zu müssen. Außerdem hat eine neue EU-Richtlinie die Bedingungen für Forschende verbessert. So werden etwa Aufenthaltszeiten in anderen EU-Ländern angerechnet, und ein früherer Wechsel zu einem unbefristeten Bleiberecht ist möglich. Die Zahl derer, die sich entscheiden, dauerhaft in Deutschland zu leben, sei in den letzten Jahren gestiegen, beobachtet Sylvia Sibilak. „Das liegt auch daran, dass Ehepartner leichter eine Arbeitserlaubnis erhalten“, sagt sie. Auch der Brexit hat sich ausgewirkt: Forschende aus dem Vereinigten Königreich, die seit mindestens fünf Jahren in Deutschland leben, werden automatisch mit einem unbefristeten Aufenthaltstitel versorgt. Falls sie davon Gebrauch machen möchten.

Für die Zukunft hat das Welcome & Family Office einiges vor: „Wir planen eine Umfrage unter den internationalen Mitarbeitenden sowie regelmäßige Kennenlerntage für alle Neuen, damit sie sich untereinander vernetzen können“, sagt Andrea Salerno-Schwarz. Außerdem soll es Infoblätter geben, etwa zu den Themen Arbeitszeit oder Kinderbetreuung, damit die Neuankömmlinge sich künftig noch leichter im deutschen Alltag orientieren können.

Text: Wiebke Peters

 

Weiterführende Informationen

Welcome and Family Office des MDC (nur in englischer Sprache)