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Außerhalb der Forschung, immer noch im neugiergetriebenen Denken

In der Vortragsreihe „Career Pathways“ reflektieren Ehemalige des MDC über ihre Zeit am Forschungszentrum und danach. Sonya Dumanis, die in der Gruppe von Prof. Thomas Willnow arbeitete, berichtete im März aus der Welt außerhalb der akademischen Wissenschaft. Ein Porträt von der MDC-Forscherin Katja Herzog.

Laut einem Bericht der Royal Society of London „Das wissenschaftliche Jahrhundert – unseren zukünftigen Wohlstand sichern“ erhalten nur 3,5 Prozent der PhD-Absolventen eine Festanstellung in der Wissenschaft, nur 0,45 Prozent erlangen eine Professur.  Diese entmutigenden Zahlen lassen die Perspektiven für PhDs düster erscheinen. Um das zu ändern, rief das MDC die Vortragsreihe „Career Pathways“ in Leben. Ehemalige Mitarbeiter reflektieren in diesem Rahmen ihre eigenen Forschungserfahrungen und wo sie heute arbeiten.

 

Sonya Dumanis
Bild: Lauren Hamlet-Williams

Eine bewährte akademische Forscherin

Sonya Dumanis nahm gegen Ende Ihrer Doktorarbeit an einer Konferenz teil. Ein Vortrag über die genetischen Ursachen der Alzheimer-Krankheit weckte ihr Interesse ganz besonders. Fasziniert von dieser Präsentation, sprach sie den Redner, Thomas Willnow – Ihren späteren Laborchef hier am MDC, einfach an und erkundigte sich nach einer Post-Doc-Stelle. Sonya  arbeitete von 2013 bis 2015 als Postdoktorandin am MDC. Zurückblickend erzählt Prof. Willnow, dass er „den beeindruckendsten Lebenslauf“ bekam, den er je von einer Studentin oder einem Studenten gesehen hat und beschreibt ihre Forschung in seinem Labor als „herausragende Wissenschaft”.

Sonyas wissenschaftliche Leistungen sind beachtlich: Sie veröffentlichte 16 wissenschaftliche Artikel auf dem Gebiet der Physik und Neurowissenschaften, fünf davon als Erstautorin. Während ihrer Doktorarbeit erhielt sie ein Stipendium der National Science Foundation, eine Forscherausbildungs-Auszeichnung für Doktoranden vom US-amerikanischen Nationalen Institut für Gesundheit (NIH), den Mark-A.-Smith-Preis vom Journal of Neurochemistry und die Glassman-Auszeichnung für die beste wissenschaftliche Doktorarbeit der Universität Georgetown, an der sie ihren Doktortitel in Neurowissenschaften erwarb.

Sonya kam mit ihren eigenen Finanzmitteln ans MDC: einem Stipendium der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Mit all diesen Auszeichnungen und Veröffentlichungen bringt Sonya die erforderliche Ausstattung mit, um den steilen Weg zur akademischen Bergspitze zu gehen. Aber anstatt diesen erwarteten Weg einzuschlagen, setzt sie sich aktiv dafür ein, einen anderen Gipfel zu erreichen.

Neue Aufgaben in Washington, DC

 

Sonya Dumanis (Mitte) zu Gast am MDC. Bild: David Ausserhofer/MDC.

Jetzt arbeitet sie als Senior Associate im Zentrum für Strategische Philanthropie am Milken-Institut in Washington, DC. Philanthropen – Personen, die aktiv das menschliche Wohlergehen voranbringen – wenden sich an das Zentrum, um zu erfahren, wie und wo sie in der Biomedizin investieren können. Um ihnen bei ihrer Entscheidung zu helfen, beurteilt Sonya die Forschungslandschaft. Dabei navigiert sie durch die kniffligsten Entwicklungen im Feld Forschung & Entwicklung und wissenschaftliche Entdeckungen, um potentielle philanthropische Möglichkeiten auszuarbeiten, welche unerfüllte Bedürfnisse in der Forschung befriedigen könnten.

Was Forschung so interessant macht

Wenn man sie nach ihrem wissenschaftlichen Vorbild fragt, erinnert sich Sonya begeistert an einen Vortrag von Oliver Smithies, Nobelpreisträger 2007: „Er zeigte dem Publikum seine Notizen aus der Zeit, als er die homologe Rekombination entdeckte. Sein Laborbuch war gefüllt mit unordentlichen Kritzeleien. Oft haben die Leute ein superklares Bild der Wissenschaft im Kopf. Dass alles übersichtlich und logisch abläuft. Aber in der Wirklichkeit, wenn du forschst, wirst du immer wieder in Richtungen verschlagen, die du nicht planen konntest. Und genau das macht Forschung so interessant – sie ist unberechenbar.”

Genau diese aufregende Neugier auf das Unbekannte und der Wissensdurst sind es, welche Forscher antreiben. Das ist es, was Sonyas Interesse an der Forschung ausgelöst hat. Als sie sich entschieden hat, die akademische Forschung zu verlassen, dachte sie nicht an die Statistiken der Royal Society. Sie stellte sich die spannenden Perspektiven und Möglichkeiten vor, welche sich auf diesem neuen Karriereweg für sie eröffnen.

Die richtige Lebenseinstellung für den Erfolg

Sonyas Lebenseinstellung wird klar, wenn man sie nach ihrem Lieblingshobby fragt. Sonya liebt den Laufsport. „Einmal“, erwähnt sie, „habe ich meine Schlüssel bei einem morgendlichen Lauf vergessen und musste den Pankeweg entlang rennen, um meinen Ersatzschlüssel zu holen, den ich auf der Arbeit aufbewahre. Nachdem ich diese Strecke einmal gelaufen war, begann ich, sie mindestens einmal pro Woche zu laufen.“ Diese Strecke von 14 Kilometern motivierte sie zur Absolvierung ihres ersten Marathons, welchen sie 2014 in Berlin lief.

Wenn man sich bei ihren Freunden nach ihrem Antrieb erkundigt, sagen diese, dass Sonya macht, was sie als bedeutungsvoll erachtet und, was etwas verändern kann. Bittet man Sonya um Rat bezüglich der Karriere, hebt sie deutlich hervor: „Tu’, was du interessant findest und sei dafür offen, nicht immer den geradlinigen Weg zu nehmen.“


Autorin: Katja Herzog, Doktorandin in der AG Willnow.