Hussein

Ein gutes Händchen für die Laborarbeit 

Shadi Hussein flüchtete vor dem Krieg in Syrien. Ein Laborpraktikum in der MDC-Forschungsgruppe von von Annette Hammes gibt dem Lebensmitteltechnologen nun eine neue Perspektive.

Vorsichtig fährt Shadi Hussein mit der Klinge über den Paraffinblock, hauchdünne Schnitte gleiten in das Wasserbad. Mit einem feinen Pinsel ordnet er sie hochkonzentriert in der richtigen Reihenfolge an und zieht sie routiniert auf beschriftete Objektträger. Histologie ist genau sein Ding. „Gestern habe ich mit Nora Embryonen präpariert und eingebettet. Heute fertige ich die Schnitte an, damit ich morgen färben kann“, erklärt er den Arbeitsablauf.

 

Shadi Hussein bei der Arbeit am Mikrotom. Bild: Maimona Id, MDC

Im Rahmen der Helmholtz-Flüchtlingsinitiative macht er ein betriebliches Praktikum am MDC, um seine Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu verbessern und den Forschungsalltag in der Helmholtz-Gemeinschaft kennenzulernen. Der studierte Lebensmitteltechnologe lernt unter Anleitung von Postdoc Nora Mecklenburg molekularbiologische und histologische Techniken.  Annette Hammes ist beeindruckt: „Shadi lernt extrem schnell und ist sehr sorgfältig. Innerhalb der sechs Wochen bei uns hat sich sein Deutsch enorm verbessert“, erzählt die Arbeitsgruppenleiterin. Sie lobt besonders seine manuellen Fähigkeiten. Er habe einfach ein gutes Händchen für die Laborarbeit, lobt die Entwicklungsbiologin.

Shadi Hussein kam 2015 nach Deutschland. Was seine Deutschkenntnisse angeht, steht er momentan auf dem B1-Niveau. „Die Sprache ist wirklich schwierig. In den Sprachkursen für Flüchtlinge wird nicht so viel Wert auf Konversation gelegt“, erklärt der Syrer. Erst durch das regelmäßige Sprechen im Labor sei er sicherer geworden. In der internationalen Arbeitsgruppe fand er sofort Anschluss. Neben der Laborarbeit bekommt Shadi auch Hilfestellung beim Schreiben von Bewerbungen. Sekretärin Cornelia Stärkel übte mit ihm den richtigen Schliff für die Anschreiben. Das brachte ihm bereits eine Einladung zum Bewerbungsgespräch bei einem Lebensmittelhersteller ein. „Ich habe sehr viele Tipps von den Kolleginnen und Kollegen bekommen“, sagt Shadi. Am liebsten möchte er wieder in seinem erlernten Beruf arbeiten. Für die nächsten beruflichen Schritte ist er durch das Praktikum gut gerüstet.

Gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) und dem GeoForschungsZentrum (GFZ) engagiert sich das MDC für geflüchtete Menschen. Ziel ist es unter anderem, ihnen mit fachlichem Input den Einstieg auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Arbeitsgruppen und Abteilungen, die Geflüchteten einen Praktikumsplatz anbieten möchten, können sich bei Koordinatorin Maimona Id melden.  „Das Praktikum war für beide Seiten auf jeden Fall eine Bereicherung. Shadi war uns eine große Hilfe“, resümiert Annette Hammes.

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