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Yasuyuki Fujita hilft Zellen beim Erkennen bösartiger Nachbarn

Bei mehrzelligen Organismen übernehmen unterschiedliche Zellen jeweils bestimmte Aufgaben, oft in Zusammenarbeit mit ihren Nachbarzellen. Tumorzellen folgen den Gesetzen der normalen Zellfunktion nicht. Das gilt auch für ihre Interaktion mit umliegenden Zellen. MDC-Alumnus Professor Yasuyuki Fujita erforscht diese Interaktionen und versucht herauszufinden, wie man gesunden Zellen helfen kann, Tumorzellen zu erkennen und zu zerstören. 

Mitte der 90er Jahre, als sich Yasuyuki Fujita auf eine Stelle im MDC-Forschungslabor von Professor Walter Birchmeier bewarb, waren E‑Mails noch keine Selbstverständlichkeit. „Ich schickte meine Bewerbung per Fax“, erinnert er sich. „Im Rückblick ist es erstaunlich, dass Walter sie annahm, ohne mich vorher zu einem Gesprächstermin zu laden. Das muss an meinen guten Referenzen gelegen haben“.

Fujita Yasuyuki. Bild: privat.

Gute Ratschläge

Die zahlreichen Ratschläge, die Walter Birchmeier ihm während seiner Zeit als Postdoc am MDC gab, sind Yasuyuki bis heute in Erinnerung geblieben, besonders der Tipp, lieber einen bedeutenden Artikel zu veröffentlichen, als zehn kleine. „Walter brachte mir bei, was wissenschaftliches Arbeiten auf Weltniveau bedeutet. Und er sagt mir, dass man sich immer hohe Ziele setzen sollte“, erklärt er. Seine wichtigste Entdeckung als Postdoc bei Walter Birchmeier war das Protein Hakai (japanisch für „Zerstörung“), das den Kontakt zwischen Zellen stört und so ihre Beweglichkeit steigert.

Yasuyuki Fujita, der mittlerweile als Professor an der japanischen Hokkaido Universität lehrt, kehrte kürzlich ans MDC zurück, um im Rahmen der Vortragsreihe „Career Pathways“ zu sprechen.

Sein Rat an junge Forscher mit dem Ziel, Arbeitsgruppenleiter (engl. principal investigator, PI) zu werden: frühzeitig, schon während der Postdoc-Zeit, eigene Forschungsideen entwickeln. Außerdem sollten Nachwuchswissenschaftler diese Zeit nutzen, um wertvolle Erfahrungen und Fähigkeiten zu erwerben. So können sie zum Beispiel von ihrem Forschungsleiter lernen, wie man Förderanträge schreibt. Yasuyuki selbst arbeitete während seiner Zeit als Postdoc im Labor von Walter Birchmeier an einem Förderprojekt, das er auch mit präsentierte.

Vom Postdoc zum PI

„Vom Postdoc zum PI ist es ein riesiger Sprung“, erklärt er. „Als Postdoc hat man zum Beispiel noch nie jemanden eingestellt“. Doch solche Kompetenzen, so Yasuyuki Fujita, lassen sich erlernen, wenn man eine wissenschaftliche Karriere anstrebt. Das wichtigste Kriterium bei der Besetzung von PI-Stellen sind die wissenschaftlichen Ideen der Bewerber: „Wer für die Wissenschaft brennt, kann auch lernen, wie man Förderanträge stellt und Mitarbeiter führt“.

Yasuyuki war fünfeinhalb Jahre am MDC – ausreichend Zeit, so sagt er, um als Wissenschaftler zu reifen und sich darauf vorzubereiten, ein eigenes Forschungslabor zu leiten. Seine nächste Stelle war die eines Gruppenleiters am University College London. Beim Bewerbungsgespräch musste er einen zweistündigen Tafelvortrag über seine Forschungsarbeit halten.

Die richtigen Fragen

„Meine Vorträge am MDC hatten mich gut darauf vorbereitet, kritische Fragen zu beantworten", sagt er. Die Seminarprogramme des MDC bieten Nachwuchswissenschaftlern nicht nur eine Atmosphäre, die von konstruktiver Kritik geprägt ist, sondern bringen sie auch in Kontakt mit einer großen Bandbreite biologischer Forschung. Yasuyuki sagt, dass er bei jedem Seminar versucht, Fragen zu stellen. „So zwingt man sich, aufmerksam dabei zu bleiben und lernt, mit vielen verschiedenen Forschern zu kommunizieren“, erklärt er.

Nach acht Jahren in London zog er mit seiner Familie zurück nach Japan. Mit seinem Team an der Hokkaido Universität erforscht er die Interaktionen zwischen Zellen. „Im Mittelpunkt stehen für uns Fragen wie: Wie nehmen Zellen ihre Nachbarn wahr und wie reagieren sie auf Veränderungen von Nachbarzellen?“.

Yasus eigene Forschung

Einige seiner Experimente führt er mit Epithelzellen durch, einem Zelltyp, der auch im Zusammenhang mit Brust- und Lungenkrebs auftritt. Normalerweise wachsen diese Zellen in der Zellkultur in einer Einzelschicht. Verändern sich jedoch die Interaktionen zwischen den Zellen, so kommt es vor, dass Tumorzellen aus dieser Monoschicht ausgestoßen oder von ihren Nachbarzellen abgetötet werden.

Yasuyuki und sein Team erforschen, wie normale Epithelzellen auf Tumorzellen in der Zellkultur reagieren. Hierzu präparieren sie normale Zellen und Tumorzellen, versehen einen der beiden Zelltypen mit einer Farbmarkierung und vermischen sie anschließend. Durch die Farbmarkierung lassen sich die Tumorzellen optisch von den umgehenden Zellen unterscheiden. Unter dem Mikroskop können die Forscher so beobachten, wie die normalen Zellen auf ihre Tumorzellen-Nachbarn reagieren.

„Diese Zellwettbewerbsstudien zeigen, dass normale Zellen in der Lage sind, bestimmte Arten von veränderten Zellen zu erkennen und sie aktiv aus der Zellgemeinschaft auszuschließen“, erklärt Yasuyuki. Dieses Verhalten ist von Bedeutung für das, was im Frühstadium der Tumorbildung geschieht. In der Krebsbiologie sind diese Ereignisse immer noch weitgehend unerforscht. Yasuyuki hofft, dass er mit seiner Forschungsarbeit Wege findet, Zellen beim Erkennen von Tumorzellen zu unterstützen, und zur Entwicklung neuer Krebstherapien beizutragen.