Claudia Müller im NAKO Studienzentrum Berlin Nord

NAKO untersucht ehemalige Fußballer*innen

Teilnehmer*innen der besonderen Art besuchten in der letzten Märzwoche das NAKO-Studienzentrum Berlin-Nord: Die ehemaligen Profis Claudia Müller und Sven Kretschmer ließen sich dort für eine Fußballstudie des NAKO-Trägervereins untersuchen.

Bei diesem Projekt der NAKO dreht es sich um den Leistungssport: Die Wissenschaftler*innen wollen den Gesundheitszustand früherer Fußballprofis untersuchen. Der Deutsche Fußball Bund (DFB), die Deutsche Fußball-Liga (DFL), die Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) und das Bundesforschungsministerium (BMBF) fördern das Vorhaben.

Claudia Müller und Sven Kretschmer bei der NAKO

Former national soccer player Claudia Müller (left) takes part in the GNC soccer study at the GNC’s Berlin-North Study Center. Also pictured are Manuela Stendal (center), the coordinator of the study center; and Professor Tobias Pischon (right), a member of the GNC board of directors and head of both the Molecular Epidemiology Lab at the Max Delbrück Center for Molecular Medicine in the Helmholtz Association (MDC) and the GNC’s Berlin-North Study Center.

Im NAKO-Studienzentrum Berlin-Nord in Berlin-Buch ließen sich erstmals zwei Ex-Profis untersuchen: Claudia Müller und Sven Kretschmer. Claudia Müller, die unter anderem den VfL Wolfsburg mit großgemacht hat, spielte von 1996 bis 2001 in der Frauen-Nationalmannschaft. In 46 Länderspielen hat sie 22 Tore geschossen. Ihr Lieblingstreffer war das Golden Goal, das sie 2001 bei der Fußball-Europameisterschaft der Damen – dem letzten Spiel ihrer Karriere – in der 98. Minute gegen Schweden erzielte. Im Jahr zuvor war Müller bei der Fußball-Olympiade im australischen Sydney dabei und holte mit ihrer Mannschaft die Bronzemedaille für Deutschland. Die NAKO ist Deutschlands größte Kohortenstudie, bei der 200.000 Menschen zwischen 20 und 69 Jahren zu ihren Lebensumständen und ihrer Krankheitsgeschichte befragt und medizinisch untersucht werden. 

Die NAKO-Gesundheitsstudie

 

Die NAKO ist die größte Bevölkerungsstudie Deutschlands. Ihr Ziel ist es, Volkskrankheiten besser zu verstehen, um Prävention, Früherkennung und Behandlung zu verbessern. Zum mehrstündigen Untersuchungsprogramm gehören neben einer Befragung zum Lebensstil eine ganze Reihe klinisch-diagnostischer Verfahren, mit denen die Wissenschaftler*innen Herz-Kreislauf-System, Stoffwechsel und andere Organsysteme einschließlich des Bewegungsapparats untersuchen. Sie prüfen auch kognitive und emotionale Funktionen und erstellen mithilfe der Magnetresonanztomographie Schnittbilder der inneren Organe und des Gehirns. Zwischen 2014 und 2019 wurden an insgesamt 18 NAKO-Studienzentren mehr als 200.000 zufällig ausgewählte Menschen zwischen 20 und 69 Jahren untersucht. Zurzeit werden die Teilnehmer*innen zu Folgeuntersuchungen eingeladen.

Sven Kretschmer beim Geruchstest: Dabei kommen sogenannte Sniffing Sticks zum Einsatz, die Aromen natürlicher Gerüche enthalten.

Sven Kretschmer lief dem Ball hinterher, sobald er laufen konnte. Als Jugendlicher begann er mit dem Leistungssport, mit 17 Jahren wurde er Profi bei der Hertha BSC. Dort erlebte er erst ihren Aufstieg in die 1. Bundesliga, dann den Absturz auf den letzten Tabellenplatz. 1992 wechselte er zu Eintracht Braunschweig. Es zog ihn aber schon bald zurück in die Hauptstadt, wo er erst beim Spandauer SV und anschließend bei den Reinickendorfer Füchsen spielte. 2005 beendete Sven Kretschmer seine Karriere als aktiver Fußballer. Der Hertha ist er nach wie vor verbunden – seit 2003 ist er als Talentscout für den Verein unterwegs.

Was kann man von Fußballer*innen lernen?

Wie Claudia Müller und Sven Kretschmer müssen alle ehemaligen Profis, die sich an der NAKO-Fußballstudie beteiligen, in der Bundesliga oder in vergleichbaren ausländischen Ligen gespielt haben. Ziel ist, dass sich 500 Fußballer*innen beteiligen. Neben den für die NAKO Teilnehmer*innen vorgesehenen Standard-Untersuchungen betrachten die Wissenschaftler*innen Fußball-typische Variablen. Dazu zählen beispielsweise die Anzahl der absolvierten Spiele, die Spielpositionen sowie das Spielniveau. Auf dieser Grundlage wollen die Forschenden die körperliche Beanspruchung während der Sportkarriere abschätzen und ihre potenziellen Folgen auf den aktuellen Gesundheitszustand ableiten.

„Die Untersuchungsdaten der ehemaligen Leistungssportler*innen werden außerdem in die NAKO-Gesundheitsstudie eingebettet und können so mit der sehr umfassenden Datenbasis der Bevölkerungsstudie verglichen werden“, erläutert Professor Tobias Pischon, Mitglied im NAKO-Vorstand und Leiter der AG Molekulare Epidemiologie am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sowie des NAKO-Studienzentrums Berlin Nord. „So können wir die Risikofaktoren und letztlich auch Maßnahmen zum Schutz der Fußballer*innen ableiten.“

Nach der Auswertung wird geplant, ob und wie es danach weitergehen soll „Für eine prospektive Analyse ist es wichtig, weiterhin mit den Sportler*innen in Kontakt zu bleiben und zu erfahren, ob sie Krankheiten entwickeln; ähnlich wie dies auch für die übrigen NAKO-Teilnehmer*innen geplant ist“, erklärt Pischon. Claudia Müller und Sven Kretschmer haben bereits ihre Bereitschaft signalisiert, am Ball zu bleiben.

Text: Jana Ehrhardt-Joswig

 

Weitere Informationen

 

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Die ehemalige Fußball-Nationalspielerin Claudia Müller (links) nimmt an der NAKO-Fußballstudie im NAKO-Studienzentrum Berlin-Nord teil. Mit im Bild: Manuela Stendal (Mitte), Koordinatorin des Studienzentrums, und Professor Tobias Pischon (rechts), Mitglied im NAKO-Vorstand und Leiter der AG Molekulare Epidemiologie am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sowie des NAKO-Studienzentrums Berlin Nord. © NAKO

Sven Kretschmer beim Geruchstest: Dabei kommen sogenannte Sniffing Sticks zum Einsatz, die Aromen natürlicher Gerüche enthalten. © NAKO

 

Kontakte

Professor Tobias Pischon
Leiter des NAKO-Studienzentrums Berlin und Buch und der AG Molekulare Epidemiologie
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
Telefon: +49 30 9406-4563
tobias.pischon@mdc-berlin.de

Jana Ehrhardt-Joswig
Redakteurin, Abteilung Kommunikation
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
jana.ehrhardt-joswig@mdc-berlin.de oder presse@mdc-berlin.de

 

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

 

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.