Max-Delbrück-Medaille für den Kardiologen und Forscher Prof. Victor Dzau
Für seine „herausragenden Beiträge in der Erforschung und der Therapie von Herz-Kreislauferkrankungen“ hat der Kardiologe und Forscher Prof. Victor J. Dzau von der Duke Universität in Durham/North Carolina (USA) am Donnerstag, den 14. Oktober 2004, die Max-Delbrück-Medaille erhalten. Sie wurde ihm von Dr. Joachim-Friedrich Kapp von der Schering AG in der Berliner Charité überreicht. „Dr. Dzau hat in den vergangenen 30 Jahren grundlegende Mechanismen der Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen entdeckt und neuartige Behandlungsmethoden entwickelt“, sagte Dr. Kapp in seiner Laudatio. „Dr. Dzau ist ein Pionier in der Behandlung der Herzschwäche (Herzinsuffizienz) sowie des Bluthochdrucks“, betonte er. Er nannte in diesem Zusammenhang vor allem die Behandlung der Herzinsuffizienz mit so genannten ACE-Hemmern. Weiter entwickelte Prof. Dzau gen- sowie zelltherapeutische Ansätze zur Behandlung von Herz-Kreislaufkrankheiten. Dazu gehört unter anderem eine Gentherapie, die Bypass-Operationen zu nachhaltigem Erfolge verhelfen soll, indem sie verhindert, dass die als Überbrückung (Bypass) transplantierten Venen verstopfen. Dieser Therapieansatz ist zur Zeit in den USA in zwei großen multizentrischen Studien in der klinischen Erprobung (Phase III Studie). Prof. Dzau verbindet nicht nur Grundlagenforschung mit klinischer Forschung, sondern ist auch als Unternehmer aktiv. Ende der 90er Jahre gründete er in Kalifornien zwei Biotech-Firmen (Clingenix und Corgentech), von denen die letztgenannte die klinischen Bypass-Studien koordiniert.
Victor Dzau wurde 1947 in Schanghai, China geboren, wo sein
Vater ein Chemieunternehmen besaß und an der dortigen Universität lehrte. Nach
der Enteignung floh die fünfköpfige Familie 1950 nach Hongkong. 15 Jahre später
konnte sein Vater ihm ein Medizinstudium an der McGill Universität in
Montréal/Kanada ermöglichen. Die beiden Schwestern Victor Dzaus kamen 1968 und
1970 nach Kanada, 1972 folgten seine Eltern. 1972 ging Victor Dzau nach seiner
Promotion an der McGill Universität an das Cornell Medical Center nach New
York, USA, 1973 nach Boston an das Brigham and Women‘s Hospital der Harvard
Universität, wo er 1984 die Leitung der Abteilung für Gefäßmedizin und
Arteriosklerose übernahm. Von 1990 bis 1996 war er Direktor des Instituts für
Medizin an der Stanford Universität in Kalifornien. 1996 kehrte er an die
Harvard Universität zurück, wo er die gesamte Kardiologische Klinik und
Forschung leitete. Seit Sommer 2004 ist er Direktor des Medizinischen Zentrums
der Duke Universität.
Prof. Dzau erhielt zahlreiche Ehrungen im In- und Ausland.
Er ist Mitglied der Academia Sinica der Volksrepublik China sowie der European
Academy of Sciences and Arts, Ehrenmitglied der Royal Society of Medicine in
Großbritannien und „Distinguished Scientist“ der American Heart Association. Er
ist Berater der National Institutes of Health (NIH) in den USA und beriet auch
die Regierungen Kanadas, Südafrikas und Taiwans in Fragen der Biomedizin und
der Gesundheitssysteme. Er verfasste über 300 Publikationen und
Übersichtsartikel und schrieb zehn Fachbücher.
Die Max-Delbrück-Medaille wird seit 1992 jährlich an einen
herausragenden Wissenschaftler im Rahmen der „Berlin Lectures on Molecular
Medicine“ vergeben, die das MDC mit anderen Berliner Forschungseinrichtungen
und der Schering Forschungsgesellschaft veranstaltet. Der erste Berlin Lecturer
war Prof. Günter Blobel von der Rockefeller Universität New York, Medizinnobelpreisträger
von 1999. Es folgten der Genetiker und Medizinnobelpreisträger Prof. Sydney
Brenner (Universität Cambridge/Großbritannien), der Neurobiologe Jean-Pierre
Changeux (Pasteur-Institut, Paris/Frankreich), der Krebsforscher Prof. Robert
A. Weinberg (Whitehead Institute Cambridge/USA), der Prionenforscher Prof.
Charles Weissmann (Universität Zürich/Schweiz), der Genforscher Prof. Svante
Pääbo (Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig), der
amerikanische Chemienobelpreisträger von 1980 Paul Berg (Stanford
Universität/Kalifornien) und die amerikanische Biochemikerin Prof. Joan
Argetsinger Steitz (Yale Universität, New Haven/Connecticut). 2001 hatte Prof. Eric Lander (Whitehead
Institute) die Max-Delbrück-Medaille erhalten, 2002 Prof. Roger Y. Tsien
(Howard Hughes Medical Institute (HHMI) und
University of California
San Diego, La Jolla,
USA) und 2003 Prof. Ronald D.
G. McKay vom National
Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS), Bethesda, USA.
Prof. Victor J. Dzau (Duke Universität, Durham/USA), Pionier in der Behandlung der Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und des Bluthochdrucks, ist am 14. Oktober 2004 in Berlin mit der Max-Delbrück-Medaille geehrt worden.
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