Gabriele Schiattarella

Die Mechanismen der Herzmuskelschwäche analysieren

Als Arzt und Wissenschaftler will Dr. Gabriele Schiattarella der häufigsten Todesursache in der westlichen Welt auf den Grund gehen: den Herz-Kreislauferkrankungen. MDC und Charité begrüßen ihn ab November 2020 als neuen Forschungsgruppenleiter auf dem Campus in Buch.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland und weltweit. Dazu gehört die Herzinsuffizienz, insbesondere die so genannte Herzinsuffizienz mit konservierter Auswurfleistung – kurz HFpEF -, eine Erkrankung, für die es keine evidenzbasierten Therapien gibt. Dem Verständnis der pathophysiologischen Mechanismen der Herzinsuffizienz im Allgemeinen und der HFpEF im Besonderen hat Dr. Gabriele G. Schiattarella hat seine wissenschaftliche Karriere verschrieben. Als neuer Juniorgruppenleiter baut er mithilfe einer Förderung des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK ) am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) und an der Charité – Universitätsmedizin Berlin die AG „Translationale Ansätze bei Herzinsuffizienz und kardiometabolischen Erkrankungen“ auf.

Gabriele G. Schiattarella

Weltweit erkrankt jeder zehnte Erwachsene ab 40 Jahren an dieser Form der Herzschwäche, die sich in den kommenden Jahren zur häufigsten Form der Herzinsuffizienz auswachsen wird. Dabei ist die Pumpkraft des Herzens zwar nicht beeinträchtigt, jedoch seine Dehnbarkeit. So kann der Herzmuskel nicht genug Blut aufnehmen, um den Körper ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Die Betroffenen sind körperlich weniger belastbar, lagern Wasser in der Lunge und im übrigen Körper ein, werden kurzatmig. Medikamente, die die Beschwerden lindern könnten, gibt es kaum.

Molekulare Mechanismen des kranken Herzens entschlüsseln

Schiattarella will das ändern. „Wir kratzen nur an der Oberfläche der Mechanismen, die diesem Syndrom zugrunde liegen“, weiß der Kardiologe. „Ich möchte verstehen, wie Veränderungen des Stoffwechsels und Entzündungen zur Entstehung der HFpEF beitragen.“ Damit will er den Weg für die Entwicklung wirksamer Therapien ebnen.

Der Italiener hat bis 2009 Medizin an der Universität Federico II von Neapel studiert und sich dort im Anschluss auf Kardiologie spezialisiert. Im biochemischen Labor wurde seine Leidenschaft für die experimentelle Forschung entfacht. 2015 wechselte er als Postdoktorand ans Southwestern Medical Center der University of Texas in Dallas, USA, und promovierte 2018 in klinischer und experimenteller Medizin. Seit 2019 ist er Assistenzprofessor für Kardiologie. Sein Schwerpunkt liegt auf experimenteller Kardiologie und dabei insbesondere auf den molekularen Mechanismen der Herzinsuffizienz.

Übergewichtige Mäuse mit Bluthochdruck entwickeln HFpEF

Ich habe mich voll und ganz der wissenschaftlichen Forschung verschrieben, und ich bin mir sicher, dass meine Arbeit am MDC mir den Weg ebnen wird, zu einem der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Herzinsuffizienz zu werden.
Gabriele G. Schiattarella
Gabriele Schiattarella Leiter der Arbeitsgruppe "Translationale Ansätze bei Herzinsuffizienz und kardiometabolischen Erkrankungen"

Es gilt als wahrscheinlich, dass Stoffwechselerkrankungen wie Fettleibigkeit und Diabetes, aber auch Bluthochdruck dazu führen, dass das Herz seine Elastizität einbüßt. Um zu erforschen, inwiefern diese Vorerkrankungen den Herzmuskel beeinflussen, hat Schiattarella vor kurzem ein Mausmodell entwickelt, an dem er beobachten konnte, dass ein gestörter Stoffwechsel und ein erhöhter Blutdruck – hervorgerufen durch eine fettreiche Ernährung und die Gabe einer bestimmten chemischen Verbindung – bei HFpEF bestimmte Signalproteine in den Herzmuskelzellen aus dem Gleichgewicht bringen. Dieser Signalweg könnte demnach ein Angriffspunkt für eine medikamentöse Therapie sein.

Der Start am MDC auf dem Campus in Berlin Buch markiert für Schiattarella einen weiteren wichtigen Abschnitt seiner wissenschaftlichen Karriere. Die neue Aufgabe sei für ihn „eine großartige Chance und eine Riesenherausforderung“. Eine Chance, weil die Forscher*innengemeinschaft und die Infrastruktur des MDC weltweit ihresgleichen suchten. Er freue sich sehr auf die Zusammenarbeit mit Professor Michael Gotthard, der im Büro nebenan die AG „Neuromuskuläre und kardiovaskuläre Zellbiologie“ leitet, mit Professor Norbert Hübner, Leiter der AG „Experimentelle Genetik von Herz- Kreislauferkrankungen“, aber auch mit allen anderen Kolleg*innen vom MDC und der Charité. Aber auch eine Herausforderung, weil ihm als Forschungsgruppenleiter nicht nur die Verantwortung für seine Wissenschaft, sondern auch für Kosten, Arbeitsabläufe und nicht zuletzt das Wohlergehen der Mitarbeiter*innen obliege. „Ich habe mich voll und ganz der wissenschaftlichen Forschung verschrieben, und ich bin mir sicher, dass meine Arbeit am MDC mir den Weg ebnen wird, zu einem der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Herzinsuffizienz zu werden“, sagt der Italiener.

Text: Jana Ehrhardt-Joswig

 

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung des DZHK