Gruppe von Personen, die um einen Tisch sitzen und in die Kamera lächeln

Mikroskopie-Workshops in Ghana

Peran Hayes hat am "Back to the Roots"-Programm teilgenommen und Studierenden gezeigt, wie sie ein eigenes Mikroskop bauen können. Für "Wir am MDC" erklärt er, wie aus einem Universitätskurs in Ghana ein westafrikanisches Forschungsnetzwerk entstanden ist.

Peran Hayes

Sie haben bereits drei Mikroskopie-Kurse in Ghana und Nigeria für Master- und PhD-Studenten organisiert, den ersten im Jahr 2018. Wie kam es dazu?

Die Idee kam mir an einem Strand in Thailand. Nachdem ich meine Doktorarbeit am Center for Genomic Regulation in Barcelona abgeschlossen hatte, reiste ich ein Jahr durch Asien und war mir nicht sicher, ob ich in die Forschung zurück will. Also überlegte ich, was ich danach tun sollte.

Und Sie sind nach Afrika gegangen?

Damals hörte ich von einer Organisation, die dort mit Hilfe von Forschenden aus dem globalen Norden Kurse und Workshops auf die Beine stellt. Ich mag sowohl Reisen als auch das Unterrichten. Beim ersten Mal hatte ich Lust auf genau das – reisen und unterrichten in Afrika. Aber jetzt, wo ich die dortige Situation besser kenne, möchte ich viel mehr die Forschungsinfrastruktur fördern. Nachdem ich nach Berlin gezogen war, las ich einige Artikel über die Demokratisierung der Wissenschaft in Afrika. Und nach dem ersten Kurs am WACCBIP Institut in Ghana, wollte ich mich weiterhin in diesem Projekt engagieren.

Was lernen die Menschen in Ihren Kursen?

Im ersten Kurs ging es um Grundlagen der Mikroskopie über Fluoreszenz- bis hin zur Konfokal-Mikroskopie. Auch über mehrere fortgeschrittene Bildgebungsverfahren und Bildanalyse-Methoden haben wir gesprochen. Man muss wissen, dass Ressourcen für Mikroskopietechniken, insbesondere in Westafrika, nicht wirklich verfügbar sind. Deshalb haben wir beim zweiten und dritten Kurs Einiges verbessert: Wir haben uns die Zeit genommen, eine Reihe von Bildanalyseaufgaben zu entwerfen. Jeder durfte sich daran ausprobieren und der Gruppe über Probleme und Lösungen berichten. Und wir haben vor allem ein OpenFlexure-Mikroskop gebaut.

Was ist das für ein Mikroskop?

Es kann aus handelsüblichen Teilen und 3D-gedruckten Komponenten zusammengebaut werden. Natürlich ist die Auflösung geringer als bei einem Konfokal-Mikroskop. Aber die günstigste Variante kann man für etwa 250 US-Dollar bauen und damit Zellen oder Mikroorganismen beobachten – oder sogar die sich darin befindenden Strukturen. An der Universität in Bath (UK) hat Dr. Richard

Bowman aus diesem Mikroskop zusammen mit einem Unternehmen in Tansania ein Diagnosewerkzeug für Malaria entwickelt. Indem ich Menschen zeige, wie man es baut, lernen sie einerseits etwas über jedes einzelne Bestandteil. Und zweitens könnten sie es mit einem 3D-Drucker nachproduzieren, um es für Diagnose- und Forschungszwecke zu nutzen.

Hat es funktioniert?

Ich hatte keine Ahnung, ob überhaupt jemand schaffen würde, es zu bauen. Es war eine Menge Arbeit. Wir haben bis morgens 2:30 Uhr gebraucht. Aber am Ende haben alle fünf Gruppen ein Bild aufgenommen. Ich war sehr, sehr glücklich! Und es gab herzerwärmende Momente: Eine Gruppe nur mit Männern und eine nur mit Frauen waren im Vergleich zu den anderen sehr schnell. Diese beiden Gruppen wetteiferten miteinander. Die Frage wer das erste Bild bekommt, war ziemlich spannend. Aber am Ende schaffte es eine andere Gruppe, die viel langsamer war, das beste Bild zu machen. Alle Anwesenden haben sich für diese Gruppe gefreut. Das war am dritten Tag des zweiwöchigen Kurses und man hat gemerkt, dass die Nervosität der ersten beiden Tage plötzlich verschwunden ist und danach alle viel engagierter waren.

Inwiefern unterstützen Sie mit den Kursen die Forschungsgemeinschaft in Westafrika?

Nun, man muss wissen, wie das Mikroskop zu bedienen ist, wie man an Ressourcen kommt und, welche verschiedenen Techniken überhaupt möglich sind. Man braucht Kooperationen und ein Netzwerk, damit Menschen ihr Wissen teilen können. Wir bieten nicht nur weiterhin Kurse an, sondern haben jetzt das Netzwerk „WAMBIAN“ gegründet: Das West African Microscopy Bio Image Analysis Network. Um weitere Kurse, Konferenzen und Online-Vorträge durchführen zu können, suchen wir immer weiter nach Fördergeldern. Wir denken auch über andere Lösungen zur Verbesserung der Forschungsinfrastruktur nach, wie z. B. das Ausleihen von Geräten.

Wie hängt Ihr Projekt mit "Back to the Roots" am Max Delbrück Center zusammen?

Zunächst dachte ich, es sei zwingend notwenig in sein Heimatland zu reisen, um bei dem Programm "Back to the Roots" mitmachen zu können. Aber das stimmt nicht. Ich habe einen Nachmittag lang über Forschungsmöglichkeiten in Deutschland informiert, den Teilnehmenden die Mikroskopie-Plattformen am Max Delbrück Center gezeigt und den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), das Africa-German Network of Excellence in Science (AGNES) und verschiedene Organisationen vorgestellt, die Forschende dabei unterstützen, nach Deutschland zu kommen.

Erwägt jemand Ihrer Kursteilnehmer*innen eine Karriere in Deutschland?

Ziemlich viele in Ghana würden gerne nach Europa oder Amerika kommen, das gilt insbesondere für Studierende. Von einem meiner Schüler aus dem ersten Kurs weiß ich, dass er es nach Deutschland geschafft hat. Letztes Jahr schrieb er mir eine E-Mail und sagte: "Tatsächlich bin ich jetzt am Robert Koch-Institut in Berlin." Ein anderer Student aus dem Kurs in Ghana organisierte anschließend den Fernkurs in Nigeria, und noch einer stellt jetzt einen weiteren Kurs an seinem Heimatinstitut auf die Beine. Es ist wirklich toll zu sehen, wie das Netzwerk auf diese Weise wächst.

Die Fragen stellte Christina Anders.

 

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