Maike Sander

Von Kalifornien nach Berlin: Maike Sander

Am 1. November 2022 hat Professorin Maike Sander den Wissenschaftlichen Vorstand des Max Delbrück Centers übernommen. Die Diabetesforscherin löst Professor Thomas Sommer ab, der das Zentrum seit 2019 kommissarisch geleitet hat.

Als Medizinstudentin in Heidelberg hatte Maike Sander gerade ihre Dissertation begonnen, als sie 1991 ein Forschungsaustausch nach San Francisco führte. Vier Monate wollte sie in Kalifornien bleiben. Es wurden fast 30 Jahre daraus, zunächst an der University of California in San Francisco, später in Irvine und ab 2008 in San Diego. „Ich habe in den USA zwei Dinge erkannt: Ich liebe die Wissenschaft und ich löse gern gemeinsam mit klugen Menschen aus aller Welt Probleme. Unabhängig von Hierarchie-Ebenen“, sagt sie. Die offene Atmosphäre beflügelte sie.

Bekannt wurde Sander mit wegweisender Diabetes-Forschung insbesondere zu den insulin-produzierenden Beta-Zellen. Beta-Zellen sind in den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse zu finden und spielen eine zentrale Rolle bei der Kontrolle des Blutzuckerspiegels. Bei Typ-1 Diabetes zerstört das Immunsystem die Betazellen, bei Typ-2 Diabetes dagegen verlieren die Betazellen ihre Funktion und verursachen so einen Insulinmangel.

Im Fokus: Beta-Zellen

Wir haben die Chance, die Medizin von morgen zu prägen. Mit dem Max Delbrück Center als Forschungsmotor.
Maike Sander
Maike Sander Wissenschaftliche Vorständin des Max Delbrück Centers

Um zu verstehen wie sich die Betazellen entwickeln, welche molekularen Mechanismen zu Diabetes führen und wie man Fehlfunktionen dieser Zellen korrigieren kann, kombiniert ihr Team Methoden aus Genetik, Genomik, Stammzellforschung und Biotechnologie. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler produzieren aus menschlichen pluripotenten Stammzellen Bauchspeicheldrüsen-Inseln. Diese Organoide bilden die natürliche Mikroumgebung der Beta-Zellen in der Petrischale nach und erlauben detaillierte Analysen. Betazellen zu regenerieren oder mithilfe von menschlichen pluripotenten Stammzellen zu ersetzen, könnte in Zukunft für beide Formen von Diabetes ein Therapieansatz sein.

„Noch ist nicht geklärt, wie man Menschen aus Stammzellen gewonnene Betazellen transplantieren und im Körper vor der Abstoßung schützen kann“, sagte Sander, als ihr zuletzt die European Society for the Study of Diabetes (EASD) für diese Arbeit den Albert-Renold-Preis 2022 verlieh. „Um Antworten auf diese Fragen zu finden, müssen Wissenschaft und Industrie intensiv zusammenarbeiten.“ Am Pediatric Diabetes Research Center an der University of California in San Diego, das sie als Direktorin leitete, ist das gelebte Praxis. Diese Erfahrung bringt sie mit: „Eines meiner Ziele ist, die Hürden für die Translation von Grundlagenforschung zu senken. Ich sehe großes Potenzial in Berlin und will gemeinsam mit unseren Partnern darauf aufbauen.“

„Max Delbrück Center war immer innovativ“

Das Max Delbrück Center habe weltweit einen sehr guten Ruf: „Das Zentrum war immer innovativ. Es wagt, anders zu sein und hat sich so einen Namen erarbeitet. Ich habe die Leidenschaft für die Wissenschaft, das unermüdliche Streben nach Exzellenz, die ganze Energie hier bereits während meines Sabbaticals vor sechs Jahren erlebt und freue mich, nun Teil dieser Gemeinschaft zu werden.“

Die Voraussetzungen für Forschung und Innovation seien hervorragend – von der wissenschaftlichen Infrastruktur über die Ausrichtung auf organübergreifende Krankheitsmechanismen bis hin zur Internationalität. Das Umfeld mit starken Partnern wie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, dem Berlin Institute of Health in der Charité und dem Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), aber auch mit einer aufstrebenden Biotech-Branche stimme in Berlin. „Wir haben die Chance, die Medizin von morgen zu prägen“, sagt sie. „Mit dem Max Delbrück Center als Forschungsmotor.“

 

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