Aarhus Universität

Alzheimer im Blick – neue deutsch-dänische Forschungskooperation

MDC-Wissenschaftler Thomas Willnow gründet eine neue Arbeitsgruppe an der Universität Aarhus. Die Novo Nordisk Foundation fördert seine Forschung zur Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen mit sieben Millionen Euro.
Prof. Thomas Willnow. Image: David Ausserhofer/MDC

Etwa jede zweite Frau und ein Drittel aller Männer über 85 Jahren entwickelt nach Schätzungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine Alzheimer-Demenz. Neben dem Alter zählen Erkrankungen des Stoffwechsels zu den wesentlichen Risikofaktoren der Demenz. So entwickeln beispielsweise Patient*innen mit Diabetes dreimal häufiger Alzheimer.  
 
Wie aber hängen Stoffwechselstörungen mit der Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen zusammen? Das erforscht Professor Thomas Willnow seit vielen Jahren am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). Jetzt baut Willnow ab 1. Dezember 2019 eine weitere Arbeitsgruppe an der Universität Aarhus in Dänemark auf – parallel zu seiner Forschungsarbeit am MDC. Dabei kooperiert er eng mit dem Biomediziner Professor Anders Nykjaer an der Universität Aarhus, mit dem Willnow seit Jahren im Rahmen mehrerer Forschungsprojekte und zwei Biotech-Ausgründungen zusammenarbeitet.

Wissenschaftlicher Austausch mit der Universität Aarhus

Im Skou Gebäude der Universität Aarhus wird Thomas Willnow zukünftig als Professor die neuesten biomedizinischen Erkenntnisse über Gesundheit und Krankheit gewinnen.

„Aarhus ist ein Hotspot für Neurowissenschaften in Europa“, sagt Willnow. „Nicht nur meine eigene Forschung, sondern auch das MDC und die Universität Aarhus könnten von einer engen Zusammenarbeit und dem wissenschaftlichen Austausch profitieren.“ Die Novo Nordisk Foundation (NNF) fördert sein Vorhaben sieben Jahre lang mit insgesamt sieben Millionen Euro im Rahmen des Laureate Forschungsprogramms. 
 
Am MDC identifizierte Willnow bereits eine Reihe von möglichen genetischen Risikofaktoren für Alzheimer: Zu diesen zählen Rezeptoren der Sortilin-Genfamilie, die nicht nur für die Funktion des Gehirns, sondern auch für viele Stoffwechselvorgänge im Körper wichtig sind. So kontrollieren manche dieser Rezeptoren die Cholesterinmenge im Blut, andere regulieren den Blutzuckerspiegel oder bestimmen das Körpergewicht. Über welche gemeinsamen Signalwege diese Rezeptoren Stoffwechsel und Gehirnfunktion beeinflussen und welche Rolle die Rezeptoren bei der Entwicklung einer Alzheimer-Erkrankung spielen, bleibt auch die zentrale Forschungsfrage bei der Kooperation zwischen dem MDC und der Universität Aarhus.

Über das Laureate Forschungsprogramm 

Die Novo Nordisk Foundation ist eine dänische Stiftung mit unternehmerischen Interessen. Die Vision der Stiftung ist es, einen wesentlichen Beitrag zu Forschung und Entwicklung in der Biomedizin und der Biotechnologie zu leisten. Das Laureate Forschungsprogramm der Stiftung richtet sich an herausragende und bereits etablierte Wissenschaftler*innen, die in Dänemark ihre wissenschaftliche Arbeit vertiefen wollen. Diese Förderungen ermöglichen es Forschungsleitern, große und langfristige Projekte mit transformativem Potenzial durchzuführen. Der Forschungspreis wurde Willnow im Jahr 2018 zugesprochen.

Weiterführende Information

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

 

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.