COVID-19 aufgeschlüsselt nach Ländern

Um den Verlauf der COVID-19-Epidemie weltweit, in Deutschland und nach einzelnen Bundesländern aufgeschlüsselt darstellen zu können, haben Forschende des MDC ein neues Online-Tool entwickelt. Karte und Zeitstrahl zur Ausbreitung des Coronavirus sind im Internet frei verfügbar.

Die Zahlen der in Deutschland gemeldeten COVID-19-Fälle, die das Robert Koch-Institut (RKI) jeden Tag veröffentlicht, sind die Grundlage für ein ein Online-Tool, das Forschende des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) entwickelt haben: Es zeigt auf einer Karte neben den absoluten Zahlen der gemeldeten Erkrankten unter anderem für jedes Bundesland die relativen Fallzahlen pro 100.000 Einwohner*innen. Außerdem kann jede*r Interessierte mit dem Tool auf einem Zeitstrahl den Verlauf der Epidemie im jeweiligen Bundesland nachvollziehen. Auch auf die weltweiten Zahlen kann man zugreifen.

Wir hatten selbst nach solchen Darstellungen im Internet gesucht und uns gewundert, dass es so etwas für Deutschland zu diesem Zeitpunkt kaum gab.
Prof. Dr. Matthias Selbach
Matthias Selbach Arbeitsgruppenleiter am MDC

Karte und Zeitstrahl sind unter https://covid19germany.mdc-berlin.de abrufbar. Die Daten werden täglich automatisiert von der RKI-Webseite sowie von der Webseite des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) abgerufen und verarbeitet. Der genaue Zeitpunkt des Abrufs ist ebenfalls vermerkt.

„Wir hatten selbst nach solchen Darstellungen im Internet gesucht und uns gewundert, dass es so etwas für Deutschland zu diesem Zeitpunkt kaum gab“, sagt Professor Matthias Selbach, der Leiter der Arbeitsgruppe „Proteom-Dynamik“ am MDC. Daraufhin habe Dr. Henrik Zauber, ein Wissenschaftler aus seiner Arbeitsgruppe, ein solches Tool entwickelt. „Wir haben schon einmal ein solches Online-Tool erstellt, um anderen Forschenden interaktiven Zugang zu massenspektrometrischen Daten zu geben“, sagt Zauber. Aufgrund dieser Erfahrung sei es relativ einfach gewesen, ein Tool zu entwickeln, das den Verlauf der COVID-19-Epidemie in Deutschland visualisiert. Sobald detailliertere Daten verfügbar sind, wollen die Forscher*innen die Visualisierung entsprechend erweitern.

Ein Service für die Öffentlichkeit

„Natürlich können wir keine Verantwortung für die Korrektheit der Daten übernehmen, wir verarbeiten sie lediglich“, sagt Selbach. „Das ist als Service für die Öffentlichkeit gedacht.“ Grundsätzlich müsse man zwischen den gemeldeten Fällen und den tatsächlich zu einem bestimmten Zeitpunkt infizierten Personen unterscheiden. Wie zuverlässig die Zahl der gemeldeten Fälle ist, hängt von vielen Faktoren ab – beispielsweise davon, wie viele Tests überhaupt durchgeführt werden. 

Die Arbeitsgruppe von Matthias Selbach untersucht das Zusammenspiel aller Proteine in der Zelle (Proteom). Die Proteine sind zum Beispiel für den Stoffwechsel der Zellen, für ihre Vermehrung und Überlebensprogramme, sowie für die Signalwege in der Zelle und darüber hinaus verantwortlich. Diese Expertise hat das Team in der Vergangenheit bereits auf die Fragestellung angewendet, welche Faktoren die Vermehrung von Vogelgrippeviren in menschlichen Zellen beeinflussen. Selbach und seine Kolleg*innen planen jetzt auch Kooperationen mit anderen Forscher*innen, um die molekularen Eigenheiten des SARS-CoV-2 Virus besser zu verstehen.  

Weiterführende Informationen

Kontakt

Jana Schlütter
Redakteurin, Abteilung Kommunikation
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
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Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

 

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.