Genom der Laborratte entziffert und analysiert – Neue Erkenntnisse über Krankheitsursachen erwartet — Einblick in die Evolution der Säugetiere
Die Ratte wird seit fast 200 Jahren in der Forschung als
Versuchstier eingesetzt und gilt als unentbehrlich für die medizinische
Grundlagenforschung und die Medikamentenentwicklung. Ein Ergebnis des Projekts
ist, dass das Rattengenom aus ungefähr 25 000 Genen besteht und damit fast
ebenso viele Gene hat wie der Mensch und die Maus. Allerdings hat das
Rattengenom mit 2,75 Milliarden weniger Genbausteine als der Mensch mit rund
drei Milliarden und die Maus mit etwa 2,6 Milliarden. Weiter stellten die
Forscher fest, dass nahezu alle Gene des Menschen, die bei der Entstehung von
Krankheiten eine Rolle spielen, ihre Entsprechung bei der Ratte haben. Offenbar
sind diese Gene im Laufe der Entwicklung der Säugetiere in den letzten
Millionen von Jahren hochkonserviert worden. Ein Vergleich der Genome des
Menschen, der Maus und der Ratte ermöglicht nach Ansicht der Forscher einen
einzigartigen Blick in die Evolution der Säugetiere.
Zur Entzifferung und Analyse des Rattengenoms setzten die
Wissenschaftler zwei verschiedene Methoden ein. Zum einen die
„Schrotschußmethode“ des Genomforscher Craig Venter von der Firma Celera
Genomics, der sich, anders als beim Humangenomprojekt, an dem Rattenprojekt
beteiligte. Dabei wird das Rattengenom in kleine Schnipsel zerlegt. Zum zweiten
die so genannte BAC-Sequenzierungsmethode der Forscher des Humangenomprojekts,
die das Genom in größere Stücke zerlegt. Anschließend wird die Reihenfolge
(Sequenz) der Genbausteine der einzelnen Schnipsel entschlüsselt und alle Teile
am Computer wieder zusammengesetzt. Die MDC-Wissenschaftler erstellten dazu
eine so genannte physikalische Karte, mit deren Hilfe sie überprüfen können, ob
die Zusammensetzung der Genomsequenz im Computer korrekt erfolgt ist,
erläuterte Prof. Hübner. „Die Fehlerquote betrug lediglich 1 auf 10 000
Bausteine und entspricht damit dem ‘Goldstandard‘ des Humangenomprojekts“,
sagte er. Weiter hatten Prof. Hübner und seine Mitarbeiter Variationen im Genom
der Ratte festgestellt, die unter Umständen Hinweise darauf geben können, ob
jemand eine besondere Disposition für eine bestimmte Krankheit hat. (s.a.
MDC-Pressemitteilung Nr. 6).
Als nächstes wollen die Wissenschaftler in den USA die
Genome der Honigbiene, des Seeigels sowie des Rinds und des Rhesusaffen erforschen.
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