Tierhaus

Tierhaltung und 3R

Zucht, Haltung, Hygiene und Gesundheit der Versuchstiere sowie Beratung der Wissenschaftler*innen

Alle Versuchstiere des MDC sind in der Obhut der Tierhaltung oder genauer, der "Abteilung für tierexperimentelle Serviceleistung". Derzeit halten wir Mäuse, Ratten, Zebrafische, sehr wenige Kaninchen, einige Krallenfrösche und Nacktmulle.

Zu den Aufgaben der Mitarbeitenden in den Tierhäusern gehören neben der Organisation von Zucht und Haltung der Versuchstiere vor allem die Sicherung des Hygiene- und Gesundheitsstatus der Tiere. Aber auch die Ausbildung von Tierpfleger*innen und die Beratung der Wissenschaftler*innen bei der Durchführung ihrer Tierversuchsvorhaben zählen dazu.

Tierhäuser am MDC

Das MDC hat drei Tierhäuser mit einer Kapazität für ca. 60.000 Mäuse und 2.200 Ratten: Aktuell verfügen wir über 17.400 Mauskäfige (mit durchschnittlich drei Mäusen pro Käfig entspricht dies rund 52.200 Mäusen) und 1.080 Rattenkäfige (rund 2.160 Ratten). Das MDC passt seine Tierhäuser stets an modernste technische und hygienische Standards an, nicht zuletzt um mit den Fortschritten in der Wissenschaft und den neuen Erkenntnissen der Forschung, gerade auch im Bereich der 3R (reduce, replace, refine), Schritt halten zu können.

Neues präklinisches Forschungscentrum (PRC)

Das MDC hat im Jahr 2020 ein neues tierexperimentelles Forschungsgebäude in Betrieb genommen, das Preclinical Research Center (PRC, Präklinisches Forschungscentrum), vormals IPL. Es bietet Platz für insgesamt 4000 Mauskäfige. Mit der Inbetriebnahme des PRC ist die Tierhaltungskapazität am MDC nicht größer geworden, da Tiere bzw. Käfige intern umgelagert wurden. Eines der drei bisherigen Tierhäuser wird nach Umbaumaßnahmen nicht mehr für die Tierhaltung des MDC genutzt werden.

Im PRC werden ganz im Sinne des 3R-Prinzips die neuesten Erkenntnisse zur Verbesserung der Tierhaltung umgesetzt und modernste Untersuchungsverfahren angewendet. Besonderen Wert legen wir dabei auf schonende, nicht-invasive Untersuchungsmethoden, z.B. bildgebende Verfahren wie Ultraschall und Magnetresonanztherapie (MRT).

Haltungsbedingungen

Mäuse sind gesellige Tiere und werden deshalb in kleinen Gruppen gehalten. Die Versuchsmäuse leben in Boxen aus Plexiglas mit Einstreu und „Spielmaterialien“ (der Fachausdruck lautet „environmental enrichment"). Die Haltungsbedingungen entsprechen modernsten hygienischen und technischen Standards und werden fortlaufend angepasst.

Mäuse sind gesellig und leben in kleinen Gruppen gemeinsam in Boxen aus Plexiglas mit Einstreu und „Spielmaterialien“ (der Fachausdruck lautet „environmental enrichment").

Alle Versuchstiere leben unter standardisierten Bedingungen, bei denen Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Hell-/Dunkelzeiten das ganze Jahr über konstant gehalten und kontrolliert werden. Mäuse und Ratten werden in einzeln belüfteten Käfigsystemen unter sogenannten Barrierebedingungen gehalten, damit sichergestellt ist, dass sie nicht mit Krankheitserregern in Kontakt kommen können.

Unsere Käfigsysteme werden mit steril gefilterter Luft belüftet und sind strikt gegen die Außenwelt abgeschottet. Futter, Einstreu, Wasser – alles was zur Versorgung der Tiere nötig ist – werden sterilisiert, bevor sie in die Tierhaltungsbereiche und in die Käfige gelangen. Personen müssen duschen und sterile Kleidung anlegen, bevor sie die Barriere zur Tierhaltung überschreiten dürfen. Alle Arbeiten an den Tieren werden unter sterilen Laborbedingungen durchgeführt. Damit schützen wir  einerseits die Tiere vor Krankheiten und stellen  andererseits sicher, dass keine Krankheitserreger aus den Tierkäfigen in die Außenwelt gelangen können. Diese Barrieretierhaltung erfordert eine hoch technisierte Ausstattung und besonders aufwändige haustechnische Anlagen.

Tierpflege

Das Team der Tierhäuser kümmert sich unter anderem um die tägliche Kontrolle von Wasser und Futter, die Überprüfung auf guten gesundheitlichen Zustand und die wöchentliche Reinigung der Käfige. Solcherart gehalten, kann eine Labormaus bis zu drei Jahren leben. Zum Vergleich: In freier Wildbahn beträgt die Lebenserwartung einer Maus nur rund sechs Monate.

Neben den alltäglichen Arbeiten übernehmen die Teams der Tierhäuser zahlreiche Serviceaufgaben für die Forschung. Dazu gehört das Ansetzen von Verpaarungen, die Betreuung von Zuchten einschließlich der Buchführung, Kennzeichnung von Tieren und Unterstützung der Wissenschaftler*innen durch die Gewinnung von Blut- und Gewebeproben.

Wir bieten eine Ausbildung zum Tierpfleger/in der Fachrichtung Forschung und Klinik an.

Tierschutzgesetz

Tierhaltung und Pflege der Tiere sind gesetzlich geregelt (z.B. Größe der Käfige, Anzahl der Tiere, die in einem Käfig untergebracht werden dürfen, Ausgestaltung der Käfige usw.). Die Einhaltung der Richtlinien wird ständig durch sechs Tierschutzbeauftragte am Zentrum überwacht. Gemeinsam mit dem Pflegepersonal und den Wissenschaftler*innen sollen die Tierschutzbeauftragten etwaige Mängel in der Tierhaltung rasch erkennen und abstellen. Die Tierhaltung wird außerdem regelmäßig von der Tierschutzbehörde kontrolliert. Während der Versuche überwachen die Tierschutzbeauftragten die Einhaltung der Standards und stehen den Wissenschaftler*innen beratend zur Seite.