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Prof. Klaus Rajewsky kehrt aus den USA nach Deutschland zurück – Neue Aufgabe am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin-Buch

Der Immunologe Prof. Klaus Rajewsky kehrt nach zehnjähriger Forschungstätigkeit an der Universität Harvard in Boston, USA, nach Deutschland zurück und wird Ende 2011 eine Forschungsgruppe am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch aufbauen. Zunächst wird der 74-Jährige zwischen Boston und Berlin pendeln, bevor er Ende 2011 endgültig am MDC arbeiten wird. Der international renommierte Forscher ist damit der erste deutsche Wissenschaftler, der nach Überschreitung des Pensionsalters aus den USA nach Deutschland in die Forschung zurückkehrt. Prof. Rajewsky hatte 2001 ein Angebot der Harvard Universität angenommen, da er in Deutschland nach seiner Emeritierung im Alter von 65 Jahren nur eingeschränkt an der Universität Köln hätte weiterarbeiten können, was damals im In- und Ausland Aufsehen erregt hatte.

„Es ist schon beeindruckend, jetzt eine attraktive Arbeitsmöglichkeit
in Deutschland zu finden, nachdem ich vor neun Jahren auswandern musste, um
ohne Einschränkungen weiter arbeiten zu können. Hoffentlich ist das ein
Zeichen, dass es in diesen Dingen mehr Flexibilität geben wird“, sagte Prof. Rajewsky zu seinem Wechsel von den USA nach Deutschland, in
einer Telefonpressekonferenz zwischen Boston und Berlin am Donnerstag, den 16.
Dezember 2010. „Wir schätzen uns außerordentlich glücklich, dass das MDC Klaus Rajewsky für Berlin-Buch gewinnen konnte“, erklärte
MDC-Stiftungsvorstand Prof. Walter Rosenthal. normal'>

Die Entscheidung für Berlin habe verschiedene Gründe, sagte
Klaus Rajewsky weiter. „Das MDC ist eine erstklassige
Adresse. Zudem baut mein Sohn Nikolaus, mit dem ich in den USA über MicroRNAs kooperiert hatte, am MDC gerade ein Institut für
medizinische Systembiologie auf. Und ich habe eine zukunftsweisende Kooperation
mit Dr. Martin Janz und Dr. Stephan Mathas von der
Arbeitsgruppe von Prof. Bernd Dörken (MDC und
Charité) über die Entstehung des Hodgkin Lymphoms, einem Thema, das mir seit 15
Jahren am Herzen liegt. Dem war schwer zu widerstehen.“

Die „Rückholaktion“ geht auf den ehemaligen
MDC-Stiftungsvorstand Prof. Walter Birchmeier (2004 – 2008) zurück. Es habe
auch Gespräche mit anderen Forschungseinrichtungen gegeben, aber nur das MDC
habe ein konkretes Angebot gemacht, sagte Klaus Rajewsky
weiter. „Glücklicherweise werden Mitarbeiter von Boston nach Berlin mitkommen.
Sonst könnte ich den Wechsel nicht machen.“ Was das Rückholen junger Forscher
aus den USA nach Deutschland generell anbetrifft, meint Klaus Rajewsky: „In Deutschland gibt es viel Geld für Forschung.
Aber es dauert zu lange, bis junge Forscher unabhängig werden, und ihre Gehälter
sind unattraktiv.“

2,5 Millionen Euro
vom Europäischen Forschungsrat eingeworben

Kürzlich gelang es Klaus Rajewsky
für seine Forschungen über das Hodgkin-Lymphom
und durch das Epstein-Barr-Virus verursachte Tumoren in Post-Transplantations-
und AIDS-Patienten vom Europäischen Forschungsrat ERC (European Research
Council) rund 2,5 Millionen Euro einzuwerben. Mit dieser Förderung, die eine
Laufzeit von fünf Jahren hat, kann er am MDC seine Forschungsaktivitäten
verstärken. „Ich freue mich, dass ich in meinem Alter auch in Europa und damit
auch in Deutschland Drittmittel einwerben kann. In den USA kann man solange weiterforschen,
wie man Drittmittel einwirbt.“ Die Einwerbung von Drittmitteln gilt in der
Wissenschaft als Gradmesser für exzellente Forschung. normal'>

„Akzeptieren von
Einwanderern als Mitglieder der eigenen Gesellschaft“.

Zu seiner Arbeit in den USA sagte Klaus Rajewsky:
„Boston war für mich ein Glücksfall – eine einmalige Konzentration von
Spitzenforschern und passionierten Freunden und Kollegen, der von allen
geteilte Wille, selbst etwas Neues schaffen zu wollen. Und die gleichzeitige
Wertschätzung der Leistung anderer, das Akzeptieren von Einwanderern als
Mitglieder der eigenen Gesellschaft. In den USA geht es nicht um Anhäufung von
Privilegien, sondern um die Schaffung von Neuem.“

Pionierarbeiten zur B-Zell-Forschung

Klaus Rajewsky hat grundlegende
Arbeiten über die Entwicklung und Funktion der B-Zellen, den Antikörperfabriken
des Immunssystems, vorgelegt.
Mitte der neunziger Jahre war es ihm zusammen mit seinem Studenten Ralf Küppers und dem
Pathologen Martin-Leo Hansmann in seinem Labor in Köln gelungen, B-Zellen als
Ursprungszellen des Hodgkin-Lymphoms, des häufigsten
Lymphdrüsenkrebses, zu identifizieren.

Konditionelle Mausmutagenese

In den neunziger Jahren entwickelte
Klaus Rajewsky eine Technik, mit der in Mäusen
gezielt Gene in bestimmten Geweben und zu
bestimmten Zeitpunkten aus- und eingeschaltet werden. Sie zählt heute zu den wichtigsten Methoden, der Funktion von Genen und deren Rolle bei der
Entstehung von Krankheiten auf die Spur zu kommen, und wird in der biomedizinischen Forschung in Forschungslaboren
weltweit eingesetzt. Mit der „konditionellen Mausmutagenese“,
wie die von ihm und dem Studenten Hua Gu und Jamey Marth in Vancouver, Kanada, entwickelte Technik in der
Fachsprache heißt, hat sich ein neuer Zugang zur
Erforschung grundlegender biologischer Prozesse eröffnet. Klaus Rajewsky setzt diese Technik heute insbesondere ein, um in
Mäusen die Entstehung bösartiger Lymphome zu ergründen. normal'>

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt von Klaus Rajewsky ist die Bedeutung der microRNAs
für die Entwicklung und Funktion des Immunsystems. MicroRNAs
sind kleine, hochdiverse Moleküle, die aus Ribonukleinsäure bestehen und an der
Kontrolle fast aller Lebensprozesse beteiligt sind. Sowohl auf dem Gebiet der microRNAs als auch bei der Erforschung der Hodgkinschen Krankheit arbeitet Klaus Rajewsky
eng mit Forschern am MDC und der Charité zusammen.

Studium der Medizin
und der Chemie

Klaus Rajewsky wurde am 12.
November 1936 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte zunächst Medizin und
dann Chemie in Frankfurt und München und war Postdoktorand am Pasteur Institut
in Paris. 1964 ging er an das Institut für Genetik der Universität Köln. 1966 wurde
er Leiter der neu gegründeten Abteilung für Immunologie an diesem Institut.

Als Senior Fellow der European Molecular
Biology Organization (EMBO)
arbeitete Rajewsky Anfang 1969 in London mit Avrion Mitchison und erhielt
kurz danach eine Professur für Molekulargenetik an der Universität Köln. Von 1996 bis 2001 war er Programmkoordinator des
Mausbiologieprogramms des Europäischen Molekularbiologie Laboratoriums in Monterotondo bei Rom. Nach fast 40 Jahren Forschung in Köln
wurde Prof. Rajewsky 2001 im Alter von 65 Jahren emeritiert.
Statt in den Ruhestand ging er an die Harvard Medical School nach Boston in die
USA.

Prof. Rajewsky erhielt zahlreiche
Auszeichnungen, unter anderem 2008 den
Ernst Schering Preis sowie den Emil-von-Behring-Preis, 2007 den Novartis Prize for Basic Immunology, 2005 den Brupbacher
Preis für Krebsforschung, 1997 den Körber-Preis für Europäische Wissenschaft,
1996 den Max-Planck-Forschungspreis und den Robert-Koch-Preis, 1995 den Rabbi Shai Shacknai Memorial Preis, Hebrew
University, Jerusalem, 1994 den Behring-Kitasato-Preis
und den Humboldt-Forschungspreis, 1977 den Avery-Landsteiner-Preis der
Deutschen Gesellschaft für Immunologie. 2009 erhielt er die Max-Delbrück-Medaille.

Darüber hinaus ist er
Ehrendoktor von Universitäten in Paris, Frankfurt und Berlin sowie Mitglied zahlreicher
wissenschaftlicher Gesellschaften im In- und Ausland, darunter der National Academy of Sciences
of the USA, der Academy of Arts and Sciences,
der russischen und ukrainischen Akademie
der Wissenschaften und der damaligen Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina.

Prof. Klaus Rajewsky (Photo: privat)

Barbara Bachtler
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