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„Es ist wichtig, unsere Wissenschaft zu erklären“

Beim MINT400-Forum in Berlin kommen Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland zusammen. Zwei Forscher des Max Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) bieten bei dem Netzwerktreffen Workshops an – auch deswegen, weil einer von ihnen selbst einmal Lehrer war.

Wozu werden Kristalle in der medizinischen Grundlagenforschung eingesetzt, und wie kann man Stammzellen zur Krebsbekämpfung nutzen? Fragen wie diese werden die MDC-Forscher Walter Birchmeier und Oliver Daumke am 22. Februar beantworten, wenn sie jeweils sechs Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler in ihren Labors empfangen. „Das Interesse an aktueller Forschung ist gewaltig, aber im normalen Unterricht gibt es wenig Gelegenheit, sich damit auseinanderzusetzen“, sagt Oliver Daumke, Leiter der Arbeitsgruppe „Strukturbiologie Membran-assoziierter Prozesse“. Deswegen bietet er beim diesjährigen MINT400-Forum einen Workshop an, ebenso wie sein Kollege Walter Birchmeier, der die Arbeitsgruppe „Signalvermittlung in Entwicklung und Krebsentstehung“ leitet. „Ich bin selbst ausgebildeter Grundschullehrer und finde es wichtig, rauszugehen und den Menschen unsere Wissenschaft zu erklären. Das gilt auch für meine Postdoktoranden, von denen in diesem Jahr vier bei der Gestaltung des Workshops mitmachen“, sagt er.

Schüler bei der letztjährigen MINT400 Veranstaltung.

Kulturen ansetzen, Ergebnisse auswerten

Bei dem MINT400-Forum, das am 21. und 22. Februar 2019 stattfindet, treffen sich 400 Schülerinnen und Schüler sowie 100 Lehrkräfte von MINT-EC-Schulen, die besonderen Wert auf die naturwissenschaftlich-mathematische Förderung ihrer Zöglinge legen und sich zu diesem Zweck zusammengeschlossen haben: EC steht für Excellence. Am ersten Tag zeigen wissenschaftliche Einrichtungen sowie Wirtschaftsunternehmen auf dem „Bildungsmarkt“ Perspektiven für Studium und Beruf auf und geben Impulse für die Unterrichtsgestaltung, am zweiten Tag finden zahlreiche Workshops statt, bei denen die Teilnehmenden Input aus der Forschung erhalten – so wie am MDC.

Spheroid 1  

Zellkulturen aus Krebs-Stammzellen von Mäusen mit basalem Brustkrebs. In der Kultuschale wachsen die Zellen als dreidimensionale kugelförmige „Sphäroide“, die mit Zellen gefüllt sind. Die Krebs-Stammzellen (grün gefärbt)  stellen Beta-Catenin her – ein Zeichen dafür, dass der für Wachstum essentielle Wnt-Signalweg aktiv ist. 

Spheroid 2

Zellkulturen aus Krebs-Stammzellen von Mäusen mit basalem Brustkrebs wachsen als dreidimensionale kugelförmige „Sphäroide“. Wird der Wnt-Signalweg in diesen Zellen gehemmt, entstehen hohle Sphäroide, die von differenzierten Zellen umgeben sind, die sich nicht mehr teilen. 

 

In Walter Birchmeiers Workshop „Stammzellen und Krebs die neusten Erkenntnisse aus der Forschung“ hält Postdoktorand Julian Heuberger einen einführenden Vortrag über die Grundlagen der Stammzellbiologie. Anschließend geht es für die Teilnehmenden ins Labor. Dort werden sie in Gruppen eingeteilt und setzen Stammzell-Kulturen an, die während der Mittagspause mit Antikörpern und Hemmstoffen angezüchtet werden. Danach werten die Gruppen die Experimente aus und bereiten einen kleinen Vortrag über ihre Ergebnisse vor.

MDC-Forscher halten auch öffentliche Vorträge

Birchmeier und Daumke haben schon einige Veranstaltungen für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler angeboten. Dass sie dies immer wieder gerne tun, liegt auch an der Begeisterung der Teilnehmenden: „Ich bin jedes Mal erstaunt, wie sehr sich die Leute für das Thema interessieren und wie engagiert sie in den Gruppen erklären, was sie herausgefunden haben“, berichtet Walter Birchmeier. Oliver Daumke ergänzt: „Was wir anbieten, ist etwas Besonderes, auch für uns. Die Nachwuchsforschenden aus meiner Gruppe sind mit viel Freude dabei.“ In seinem Workshop „Methoden der Strukturaufklärung für Medizin und Gesundheit“ reinigen die Teilnehmenden in mehreren Gruppen Proteine auf und kristallisieren sie anschließend. Auch hier übernimmt ein Postdoktorand, Tobias Bock-Bierbaum, die Organisation. Abgerundet wird der Workshop mit einer Diskussion über die wissenschaftliche Nutzung von Strukturbiologie.

Wie alle Veranstaltungen des MINT400-Forums sind die Workshops am MDC für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Interessierte Berlinerinnen und Berliner können MDC-Forschende jedoch bei anderen Gelegenheiten erleben: Etwa bei öffentlichen Vorträgen, zum Beispiel im Berliner Zeiss-Großplanetarium, oder bei der Langen Nacht der Wissenschaften im Sommer, wo zahlreiche Forschungsgruppen Einblicke in ihre Arbeit bieten.

Weitere Informationen

Webseite Mint-EC
Webseite Arbeitsgruppe Birchmeier
Webseite Arbeitsgruppe Daumke