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LifeTime freut sich über EU-Förderung

LifeTime gehört zu den sechs Gewinnern eines EU-weiten Wettbewerbs, bei dem ambitionierte und zukunftsweisende Forschungsvorhaben ausgewählt und gefördert werden. Das hat die Europäische Kommission offiziell bekannt gegeben. Die Koordinatoren von LifeTime in Berlin und Paris zeigten sich erfreut. Auch Kanzlerin Merkel lobte das Projekt.

Wie die Europäische Kommission (EC) am Dienstag bekanntgab, wird die Initiative LifeTime seit 1. März 2019 für ein Jahr mit einer Million Euro unterstützt. Die Förderung ist ein Ansporn für die internationale Forscherinitiative.  

Das LifeTime-Konsortium will besser verstehen, wie Krankheiten im menschlichen Körper entstehen und sich entwickeln – wie Genome in Zellen funktionieren, wie Zellen Gewebe bilden und ihre Aktivitäten dynamisch umgestalten, wenn Krankheiten voranschreiten. „Dies ist eine große Herausforderung unserer Zeit und kann dramatische Auswirkungen auf die Früherkennung und Prävention von chronischen und fortschreitenden Krankheiten haben“, heißt es in der Pressemitteilung der Europäischen Kommission. Nicht zuletzt wollen die Forscherinnen und Forscher mithilfe neuester Technologien die Basis für die Präzisionsmedizin von morgen schaffen. 

Koordiniert wird „LifeTime“ vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin durch Professor Nikolaus Rajewsky und vom Institut Curie in Paris durch Dr. Geneviève Almouzni. „Wir freuen uns sehr, dass wir diesen europäischen Spitzenplatz erworben haben“, sagte Rajewsky am Mittwoch. „LifeTime integriert Einzelzellmethoden, personalisierte Organoide und maschinelles Lernen, um menschliche Zellen während der Krankheitsbildung zu verstehen und für eine Therapie nutzbar zu machen. Damit soll die Patientenversorgung grundlegend verbessert werden“, so der Systembiologe.  

Nur zwei lebenswissenschaftliche Initiativen ausgewählt 

Insgesamt sind an LifeTime 53 Forschungsinstitute aus 18 europäischen Ländern sowie 60 Unternehmen beteiligt. Sie können nun planen, wie sich die Vision für eine gesündere Zukunft in die europäische Forschungs- und Innovationslandschaft im Programm Horizon Europe für den Zeitraum 2012 bis 2027 einfügen kann.  

Die sechs Gewinner des europäischen Wettbewerbs, darunter nur zwei lebenswissenschaftliche Initiativen, wurden aus 33 Vorschlägen durch unabhängige hochrangige Experten ausgewählt. Nach einem Jahr wird in Brüssel entschieden, ob und welche der sechs Forschungsinitiativen die Europäische Kommission in großem Maßstab weiterhin fördert. 

Maßgeblich beteiligt an der LifeTime-Initiative sind die beiden größten europäischen Forschungsorganisationen: die deutsche Helmholtz-Gemeinschaft und das französische Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS).  

Bundeskanzlerin Angela Merkel lobt LifeTime 

„Wissenschaftliche Exzellenz und Internationalität gehen hier Hand in Hand“, hatte  Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits vor wenigen Tagen zu LifeTime erklärt, als sie den zweiten Standort des Max-Delbrück-Centrums im Herzen Berlins eröffnete. In das neue Haus wird bald das Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) unter der Leitung von Rajewsky einziehen. „Dass Sie von Berlin aus das LifeTime-Konsortium koordinieren, unter Beteiligung der Helmholtz-Gemeinschaft und gemeinsam mit Partnern in Frankreich, ist auch eine sehr, sehr gute Nachricht“, sagte die Kanzlerin.  

 

Bei einer Laborführung hatten ihr zuvor Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler die drei Säulen der LifeTime-Initiative präsentiert.  

  • Dank Organoiden („Mini-Organen“), die aus den Zellen von Patienten gewonnen werden, entstehen neue Krankheitsmodelle. 

  • Zellen in einem Organoid oder auch in einem ganzen Lebewesen rufen zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedliche Informationen aus dem Erbgut ab. Mit den Methoden der Einzelzellbiologie (etwa Single Cell Sequencing) kann man das im großen Maßstab und mit hoher Präzision beobachten. 

  • Künstliche Intelligenz wird erstmals in einem großen lebenswissenschaftlichen Konsortium verwendet, um die Datenberge der Einzelzellbiologie zu verarbeiten. 

Zoe Mendelsohn aus der AG von Nikolaus Rajewsky erklärt Bundeskanzlerin Angela Merkel, wie man mithilfe von Mini-Gehirnen (Organoiden) menschliche Erkrankungen untersuchen kann.

Ein Beispiel für erfolgreiche multilaterale Zusammenarbeit 

Angela Merkel betonte die Bedeutung der deutsch-französischen Zusammenarbeit: „Gerade im Bereich der Wissenschaftskooperation haben wir uns noch viel vorgenommen. Im Aachener Vertrag haben wir explizit festgelegt, auch im Bereich der Künstlichen Intelligenz zusammenzuarbeiten und ein gemeinsames Netzwerk bilden zu wollen. Dazu passt das hier sehr gut“, so Merkel. „Daran kann man auch sehen, was globale Zusammenarbeit bedeutet und dass multilaterale Zusammenarbeit in manchen Bereichen noch sehr gut funktioniert.“ 

Als Auftakt für das Vorbereitungsjahr findet am 6. und 7. Mai 2019 eine Konferenz in Berlin statt. Dort stellen die Mitglieder des Konsortiums die Initiative vor und werden darüber informieren, wie LifeTime Wissenschaft und Medizin in Europa stärken will. 

Weiterführende Informationen 

Die LifeTime-Initiative (mit Informationen zur Auftakt-Konferenz)

Pressemitteilung der Europäischen Union

Rede der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel zur Eröffnung des zweiten Standorts des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin

Pressemitteilung: Europa setzt auf Zellen für eine gesündere Zukunft

Factsheet Lifetime

Kontakt Medien und Interviewanfragen

Jutta Kramm
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
Leitung Kommunikationsabteilung

Tel.: 030-9406-2140
jutta.kramm@mdc-berlin.de

Professor Nikolaus Rajewsky
Leiter des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB) am MDC

Tel.: 030-9406-2999
rajewsky@mdc-berlin.de

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

 

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.