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Beckurts-Preis für Prof. Brigitte Wittmann-Liebold

Vergabe im Dezember in München

Der Chemikerin und Biochemikerin Prof. Brigitte Wittmann-Liebold (Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, MDC, Berlin-Buch sowie WITA GmbH, Teltow) und ihrem Mitarbeiter, Dipl.-Ing. Christian Wurzel, ist gemeinsam mit dem Biologen Prof. Wilhelm Barthlott (Universität Bonn) und dem Physiker Prof. Karl Ebeling (Universität Ulm) der Karl Heinz Beckurts-Preis 1997 zuerkannt worden. Die mit insgesamt 180 000 Mark dotierte Auszeichnung wird den vier Wissenschaftlern am 12. Dezember dieses Jahres in München überreicht.

Prof. Wittmann-Liebold und Dipl.-Ing. Wurzel erhalten den Preis für ihre „zukunftsweisenden Forschungs- und Entwicklungsarbeiten auf dem Gebiet der Charakterisierung und Sequenzierung kleinster Mengen von Proteinen und Peptiden“, heißt es in der Begründung der Beckurts-Stiftung. Proteine und Peptide sind die Bau- und Betriebsstoffe des Lebens. Sie bestehen aus aneinandergeketteten Bausteinen, den Aminosäuren. Jedes Eiweiß hat eine typische Abfolge (Sequenz) dieser Bausteine, anhand derer es identifiziert werden kann. Bei Krankheiten, etwa Stoffwechselstörungen oder Tumorerkrankungen, können Proteine verändert sein.

Mit Hilfe der Proteinanalyse ist es schon jetzt möglich, Krankheiten und ihre verschiedenen Stadien zu erkennen. Ziel dieser Arbeiten ist es, die Gene, welche die Proteinveränderungen auslösen, aufzuspüren und damit die Ursache für die Entartung einer Zelle zu erkennen. Weiter soll der Einsatz von Proteinen, die für bestimmte Leiden charakteristisch sind (Proteinmarker), die Früherkennung und letztlich die Therapie schwerer Erkrankungen verbessern.

Prof. Wittmann-Liebold und Dipl.-Ing. Wurzel haben ein technisch neues Analysesystem entwickelt, mit dem wenige milliardstel Gramm (Nanogramm) Protein untersucht werden können. Für ihre Proteinanalysen benötigen die Wissenschaftler weniger Gewebeproben oder Zellen: statt wie bisher 30 bis 150 Milligramm genügen schon Mikrogramm (millionstel Gramm) für eine Untersuchung.

Den beiden Wissenschaftlern gelang es auch, die verschiedenen technischen Arbeitsabläufe, die für die Proteinanalyse nötig sind, in einem einzigen, winzigen Gerät zu integrieren. Es mißt lediglich fünf Zentimeter im Durchmesser und ist etwa fünf Zentimeter hoch. Herzstück des Analysegeräts ist ein zwei Millimeter dünner, aus mehreren Schichten bestehender Mikrochip, den Prof. Wittmann-Liebold und Dipl.-Ing. Wurzel ebenfalls entwickelt haben. Sie wollen ihren Chip jetzt zur Marktreife bringen. Ihre Erfindung haben sie im vergangenen Jahr in Deutschland patentiert und inzwischen in den USA zum Patent angemeldet.

Brigitte Wittmann-Liebold wurde 1931 in Gotha geboren. Sie studierte Chemie und Biologie in Gießen, Innsbruck und Tübingen. Sie promovierte in München und forschte am Max-Planck-Institut (MPI) für Biochemie in München, am MPI für Biologie in Tübingen sowie am MPI für Molekulare Genetik in Berlin. In München klärte sie zusammen mit ihrem Doktorvater Prof. Gerhard Braunitzer die Sequenz des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) des Menschen auf. Gemeinsam mit ihrem späteren Mann, dem Biologen Prof. Heinz-Günter Wittmann, arbeitete sie in Tübingen an der Entschlüsselung des genetischen Codes, in Berlin an der Strukturaufklärung von Proteinen in den Ribosomen, den Proteinfabriken der Zelle. Seit 1984 hat sie eine Honorarprofessur an der Freien Universität Berlin inne. 1992 erhielt Prof. Wittmann-Liebold eine Forschungsgruppe am MDC. Im selben Jahr gründete sie im Technologiezentrum Teltow als Hauptgesellschafterin das Biotechnologieunternehmen „Wittmann Institute of Technology and Analysis of Biomolecules“ (WITA GmbH). Die Firma ist benannt nach dem verstorbenen Mann der Wissenschaftlerin. 1985 erhielt Prof. Wittmann-Liebold für ihre Forschungen den Technologie-Transfer-Preis des Bundesforschungsministeriums sowie den Analytika-Preis.

Christian Wurzel wurde 1963 in Berlin geboren. Er studierte Energie- und Verfahrenstechnik an der Technischen Universität Berlin und absolvierte nach seinem Studium mehrere Praktika bei verschiedenen Firmen. Zur Zeit arbeitet er an seiner Doktorarbeit bei Prof. Wittmann-Liebold.

Der Preis ist benannt nach Prof. Karl Heinz Beckurts, dem früheren Vorsitzenden der damaligen Arbeitsgemeinschaft der Großforschungseinrichtungen (AGF, 1973 - 1976), jetzt Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF). Beckurts war von 1980 bis zu seinem gewaltsamen Tod 1986 im Vorstand der Firma Siemens für die Forschung zuständig. 1987 wurde auf Initiative der AGF die Karl Heinz Beckurts-Stiftung eingerichtet. Der Preis wird seit 1989 jährlich vergeben.

Kontakt:
Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Robert-Rössle-Straße 10
13122 Berlin
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Fax:  +49 (0) 30 94 06 - 38 33
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Isabella Milch
Pressestelle
Karl Heinz Beckurts-Stiftung
c/o MPI für Plasmaphysik
Boltzmannstraße 2
85784 Garching
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