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Berliner Institut für Gesundheitsforschung startet erste Forschungsprojekte // Prof. Dr. Jörg Hacker, Präsident der Leopoldina, zum Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats gewählt

T-Zell-Therapie bei Krebserkrankungen, Protein-abhängige Prozesse bei Alzheimer-Erkrankungen sowie molekulare Mechanismen, Diagnose und Behandlung von angeborenen Krankheiten bei Kindern sind die ersten drei großen Forschungsvorhaben, die das Berliner Institut für Gesundheits­forschung/Berlin Institute of Health ab Mitte März 2014 fördert. Bei den Vorhaben handelt es sich um größere, langfristig und interdisziplinär angelegte Forschungskonsortien, sogenannte Collaborative Research Grants, in denen biomedizinische und klinische Forscher des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und der Charité – Universitätsmedizin Berlin zusammenarbeiten. Für diese drei Vorhaben stehen insgesamt rund 17 Millionen Euro für die kommenden vier Jahre zur Verfügung. Eine Verlängerung ist nach einer Evaluierung möglich. Ziel ist, gemeinsam die translationale systemmedizinische Forschung voranzutreiben, um verbesserte diagnostische, therapeutische und präventive Verfahren für die Gesundheit der Menschen zu entwickeln und in die Klinik zu bringen. „Mit der Auswahl der ersten Förderprojekte wird unser Forschungsansatz nun Wirklichkeit. Ich freue mich über die exzellenten und hochrelevanten Vorhaben. Sie belegen: Die gemeinsame und interdisziplinäre Arbeit von Grundlagenforschern und Klinikern von Charité und MDC unter einem Dach hat eine große Zukunft – für die Wissenschaft, die ärztliche Praxis und letztendlich für die Gesundheit der Menschen“, kommentiert Prof. Dr. Ernst Th. Rietschel die Entscheidungen des Vorstands.

T-Zell-Gentherapie bei Krebs

Immuntherapie bei Krebserkrankungen ist der Forschungsschwerpunkt des Konsortiums um Prof. Dr. Thomas Blankenstein (MDC) und Prof. Dr. Peter-M. Kloetzel (Charité). Im Fokus steht die T-Zell-Gentherapie. Die Idee ist, die T-Zellen von Patientinnen und Patienten mit T-Zellrezeptoren so zu modifizieren, dass die T-Zellen spezifisch veränderte Antigene der Krebszellen erkennen. Diese modifizierten T-Zellrezeptoren können isoliert und zur Herstellung Patienten-spezifisch veränderter T-Zellen eingesetzt werden, die einen Tumor zerstören. Die Ergebnisse dieses neuartigen Forschungsansatzes sollen in eine klinische Studie münden. Involviert sind sieben experimentelle und klinische Forschungsgruppen des MDC und der Charité.

Proteine im Fokus der Alzheimer-Forschung

Genetische Faktoren, Umwelteinflüsse und auch das Lebensalter begünstigen die Entstehung der Alzheimer-Erkrankung. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Konsortium um Prof. Dr. Erich Wanker (MDC) und Prof. Dr. Frank Heppner (Charité) konzentrieren sich auf einen neuartigen Forschungsansatz: Sie untersuchen, auf welche Weise das Gleichgewicht der Proteine – die Proteostase – bei der Erkrankung gestört ist. In mehreren kooperierenden Teams wird das sehr komplexe Zusammenspiel der Proteine in den von Alzheimer betroffenen Zellen analysiert. Mit speziellen chemischen und biologischen Methoden können einzelne Komponenten des Proteostase-Netzwerks identifiziert werden. Auf dieser Basis werden dann mit Computer-gestützten Verfahren die Zusammenhänge modelliert, um die Störungen des proteostatischen Systems, die von der Erkrankung verursacht werden, sichtbar zu machen. Die Kenntnis über diese fehlerhaften Mechanismen in der Zelle dient einerseits der Findung neuer Therapien, andererseits der Erforschung neuer Einsatzmöglichkeiten vorhandener Medikamente.

Genomanalyse zu Erbkrankheiten bei Kindern

Zwischen vier und sechs Prozent aller Kinder weltweit werden mit genetischen Schäden geboren. Wie können solche Erbkrankheiten charakterisiert und somit besser diagnostiziert sowie therapiert werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Konsortium, das von Prof. Dr. Christian Rosenmund (Charité und Sprecher des Exzellenzclusters NeuroCure) und Prof. Dr. Carmen Birchmeier (MDC) koordiniert wird. Der Schlüssel zu dieser Frage liegt in einer ausführlichen ärztlichen Untersuchung jedes einzelnen Patienten, die mit einer umfassenden Genomanalyse einhergeht. Sie kann zu einem besseren Verständnis der Krankheitsbilder beitragen und Wege zu neuartigen Therapien aufzeigen. In dem Projekt werden Kliniker/innen aus der Pädiatrie und Wissenschaftler/innen gemeinsam daran arbeiten, Mutationen zu identifizieren, Mechanismen von Erbkrankheiten zu erforschen und neue Behandlungsmöglichkeiten abzuleiten. Beteiligt sind Expertinnen und Experten für das Nervensystem, Herz, Drüsen, Skelett und Nieren, sowie Mathematiker, Bioinformatiker, Molekularbiologen und Biochemiker.

 

Forschungsprojekte starten im März

Die Förderrunde für die Collaborative Research Grants (große Verbundprojekte mit system­medizinischem Ansatz und klarer translationaler Perspektive) startete mit einer Ausschreibung im November 2013. Bis Anfang Januar 2014 wurden insgesamt neun Forschungsvorhaben eingereicht. Diese wurden jeweils von drei externen Gutachtern bewertet. Nach Beratung und Empfehlung durch den Wissenschaftlichen Beirat Ende Februar 2014 hat der Vorstand am Montag über die ersten Förderprojekte entschieden.

Wissenschaftlicher Beirat wählt seinen Vorsitz

Im Rahmen seiner konstituierenden Sitzung Ende Februar 2014 in Berlin hat der Wissenschaftliche Beirat seinen Vorsitzenden gewählt. Prof. Dr. Jörg Hacker, Präsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften, Halle (Saale), übernimmt mit sofortiger Wirkung den Vorsitz. Hacker ist Mikrobiologe, zu seinen Forschungsgebieten zählt die molekulare Analyse von Infektionserregern. Seit 2010 ist er Präsident der Leopoldina. Zuvor war er von 2003 bis 2009 Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft und von 2008 bis 2010 Präsident des Robert Koch-Instituts in Berlin.

Als Vertreterin wurde Prof. Veronica van Heyningen vom Institute of Genetics and Molecular Medicine der Universität Edinburgh, Großbritannien, gewählt. Der Beirat besteht derzeit aus zwölf Expertinnen und Experten in translationaler Forschung und Systemmedizin.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN ZUM WISSENSCHAFTLICHEN BEIRAT

Der Wissenschaftliche Beirat des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung ist Ende Februar 2014 zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen gekommen. Der Beirat hat die Aufgabe, den Vorstand und den Aufsichtsrat in Zukunftsthemen und bei wissenschaftlich-strategischen Fragestellungen mit externem Sachverstand zu unterstützen und tagt in der Regel halbjährlich.

Die Mitglieder des Beirats sind:

Robert C. Bast, Jr., M.D.

The University of Texas MD Anderson Cancer Center, Houston, USA

Univ.-Prof. Dr. med. Leena Bruckner-Tudermann

Universitäts-Klinik für Dermatologie und Venerologie Freiburg

Prof. Alastair Buchan

The Oxford Institute of Population Ageing, Oxford, England

Prof. Amanda Fisher

Institute of Clinical Science, Imperial College London, England

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Jörg Hacker

Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina –
Nationale Akademie der Wissenschaften, Halle

Prof. Dr. Matthias Hentze
Europäisches Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL), Heidelberg

J. Larry Jameson, M.D. Ph.D.

Perelman School of Medicine at the University of Pennsylvania, USA

Prof. Dr. Maria Leptin

EMBO, Heidelberg

Institute for Genetics, Universität zu Köln

Prof. Dame Nancy Rothwell (BSc, PhD, DSc, FMedSci, FRS)

University of Manchester, England

Prof. Dr. Sibrand Poppema

University of Groningen, Niederlande

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Günter Stock

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin

Prof. Veronica van Heyningen, DPhil FRS FRSE FMedSci

Institute of Genetics and Moleculare Medicine, University of Edinburgh, Großbritannien

Über das Berliner Institut für Gesundheitsforschung

Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung/Berlin Institute of Health wurde 2013 gegründet. Es ist ein neuer Zusammenschluss der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) mit dem Ziel, translationale Medizin basierend auf einem systemmedizinischen Ansatz voranzubringen und durch die beschleunigte Übertragung von Forschungserkenntnissen in die Klinik sowie die Rückkoppelung klinischer Befunde in die Grundlagenforschung. Das Institut wird mit neuen wissenschaftlichen und technologischen Entwicklungen in der Biomedizin neue diagnostische, therapeutische und präventive Ansätze in der Medizin und damit für die Gesundheit der Menschen schaffen.

Kontakt:
Alexandra Hensel
Leitung Kommunikation/ Presse
Berliner Institut für Gesundheitsforschung/
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