Alzheimer-Enzym für Überraschungen gut
Forscher arbeiten deshalb an Medikamenten, die das Enzym blockieren, um die Erkrankung zu stoppen. Doch Bace1, wie die Forscher das Enzym kurz nennen, ist für Überraschungen gut. Es ist zusammen mit einem Wachstumsfaktor (Neuregulin‑1) für die Bildung und Funktion von Muskelspindeln nötig, die für einen konstanten Muskeltonus sorgen und Muskeln davor schützen, sich zu überdehnen. Das hat jetzt der Entwicklungsbiologe Dr. Cyril Cheret aus der Forschungsgruppe von Prof. Carmen Birchmeier am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch an Mäusen gezeigt. Danach bilden sich die Muskelspindeln nicht richtig aus, wenn Bace1 während der Entwicklung fehlt. Ist das Enzym im ausgewachsenen Organismus blockiert, sind die Muskelspindeln in ihrer Funktion stark beeinträchtigt (EMBO Journal, doi:10.1038/emboj.2013.146)*.
Mit Blick auf die Entwicklung von Bace1-Hemmern für die Behandlung der Alzheimer-Krankheit, kommt den Ergebnissen des jungen Forschers eine besondere Bedeutung zu. Denn es ist möglich, so befürchten Cyril Cheret, Carmen Birchmeier und ihre Kollegen, dass Bace1-Inhibitoren auch die Funktion von Muskelspindeln bei Patienten beeinträchtigen und zu Schwierigkeiten bei der Bewegungskoordination führen könnten.
In den vergangenen Jahren hatte das Labor von Prof. Birchmeier in Zusammenarbeit mit Dr. Alistair Garratt (Institut für Zell- und Neurobiologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin) und Prof. Christian Haass (Ludwig-Maximilians-Universität München) verschiedene Funktionen von Bace1 entschlüsselt. Dabei hat sich immer wieder gezeigt, dass das Abschalten von Bace1 ein zweischneidiges Schwert sein kann.
*Bace1 and Neuregulin‑1 cooperate to control formation and maintenance of muscle spindles
Cyril Cheret1, Michael Willem2, Florence R Fricker3, Hagen Wende1, Annika Wulf-Goldenberg4, Sabina Tahirovic5, Klaus-Armin Nave6, Paul Saftig7, Christian Haass2,5,8, Alistair N Garratt9, David L Bennett3 and Carmen Birchmeier1,*
1Entwicklungsbiologie/Signaltransduktion, Max-Delbrück-Center for Molecular Medicine, Berlin, Germany, 2Adolf-Butenandt-Institute — Biochemistry, Ludwig-Maximilians-University Munich, Munich, Germany, 3Wolfson Centre for Age-Related Diseases, King’s College London, London, UK, 4Experimental Pharmacology & Oncology Berlin-Buch GmbH, Berlin, Germany, 5German Center for Neurodegenerative Diseases (DZNE) Munich, Munich, Germany, 6Max Planck Institute of Experimental Medicine, Göttingen, Germany, 7Biochemical Institute, Christian-Albrechts University Kiel, Kiel, Germany, 8Munich Cluster for Systems Neurology (SyNergy), Munich, Germany and 9Center for Anatomy, Institute of Cell Biology and Neurobiology, Charité — Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Germany
Muskelspindeln sind spezialisierte Fasern, die im gesamten Muskel vorkommen. Sie erfassen, ob sich ein Muskel dehnt oder zusammenzieht und können dann dabei helfen Muskelbewegungen zu koordinieren. Die Information erhält die Spindel (rot) von einem um sie gewickelten Nerv (grün). Umhüllt ist die Spindel von Bindegewebe (blau). (Photo/Copyright: Cyril Cheret)
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