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Den genetischen Ursachen des Bluthochdrucks auf der Spur

In den Industriestaaten leidet jeder vierte an Bluthochdruck (Hypertonie). Rund 60 Prozent der Betroffenen haben ihre Anfälligkeit dafür geerbt. Die Betroffenen sind von Herzinfarkt und Hirnschlag, von Arterienverkalkung und Nierenschäden bedroht. Wissenschaftler vermuten, daß an der Entstehung des Bluthochdrucks — von Hypertonie spricht die Medizin wenn der Normalwert 14090 überschritten wird mehrere Gene (Informationseinheiten der Erbsubstanz DNA) beteiligt sind. Offenbar genügt aber auch eine einzige Genveränderung, um den Blutdruck in die Höhe zu treiben, wie jüngst eine Studie in den USA zeigte. Auf der Basis dieser neuen Erkenntnisse sind Wissenschaftler dabei, blutdrucksenkende Medikamente zu entwickeln, die in die genetischen Steuerungsmechanismen eingreifen.

Prof. Detlev Ganten, Direktor des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und seine Mitarbeiter, haben einige Kandidaten-Gene” für den Bluthochdruck ausfindig gemacht. Dazu zählt, wie Ganten auf einem Symposium über Gendiagnose und Gen-Therapie des Verbundes Klinisch-Biomedizinische Forschung am Dienstag (5. Oktober) im Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg sagte, unter anderem das Gen für das Enzym Renin. Renin wird in der Niere gebildet. Es aktiviert das Hormon Angiotensin, das den Blutdruck erhöht.

In einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten klinischen Studie mit mehreren hundert Probanden wird das Blut von Gesunden und Bluthochdruck-Kranken untersucht und dabei das Renin-Gen näher unter die Lupe genommen. Ziel ist zu klären, ob das Renin-Gen der Hypertoniker im Vergleich zu dem Renin-Gen der Gesunden verändert ist. Sollte dies der Fall sein, so könnte an Hand von Blutuntersuchungen festgestellt werden, wer bluthochdruckgefährdet ist. Dann könnten gezielt Vorbeugungsmaßnahmen empfohlen und im Krankheitsfall maßgeschneiderte Medikamente” verschrieben werden. Leiter der Studie sind die Nierenspezialisten Prof. Eberhard Ritz (Medizinische Klinik der Universität Heidelberg) und Prof. Friedrich Luft (Franz-Volhard-Herzkreislauf-Klinik Berlin-Buch der Freien Universität Berlin) . Beide Kliniken arbeiten eng mit dem MDC zusammen.

Die molekularbiologischen Untersuchungen erlauben bereits jetzt in einigen Fällen eine rechtzeitige Diagnose der genetischen Ursachen des Bluthochdrucks und eine gezielte Therapie. So haben sich beispielsweise sogenannte Konversionsenzym-Hemmer insbesondere bei der Behandlung der Herzinsuffizienz als wirksam erwiesen. Ganten und seine Mitarbeiter hatten Veränderungen (Mutationen) dieses Konversionsenzyms bei der Gen-Analyse von bluthochdruckgeplagten Ratten entdeckt und gezeigt, daß es an der Entstehung des Bluthochdrucks beteiligt ist. Das Enzym konnte auch beim Menschen nachgewiesen werden. Klinische Studien belegten, daß es beim Menschen ebenfalls den Blutdruck erhöht.

Weiter ist es jetzt erstmals möglich, die Ursache für schweren, bereits im Kindesalter auftretenden Bluthochdruck zu diagnostizieren. Damit kann die Krankheit rechtzeitig behandelt werden. Mit kleinen Gaben Cortisol wird die Ausschüttung von Streßhormonen unterdrückt und so der Blutdruck normalisiert. Unbehandelt sterben die Betroffenen häufig schon im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, meist an einem Hirnschlag. Die bisher unbekannte Ursache für diese schwere Erkrankung hatten kürzlich Richard Lifton und seine Mitarbeiter im Brigham and Women’ s Hospital in Boston und der Harvard Universität aufgespürt. Sie entdeckten in der Nebenniere ein verändertes Gen, das bei Menschen in Streßsituationen zu einer vermehrten Produktion des Hormons Aldosteron führt. Dieses Hormon steuert den Natrium‑, Kalium- und Wasserhaushalt. Die Genmutation — hier die Verschmelzung der Gene für die Hormone Aldosteron und Corticosteron (letzteres wird durch ein Streßhormon reguliert) führt zu einer vermehrten Produktion von Aldosteron und damit zu Bluthochdruck. Mit ihrer Arbeit haben Lifton und seine Mitarbeiter zudem bestätigt, was Tierversuche vermuten ließen — daß Bluthochdruck nicht immer von mehreren Genen, sondern auch von einem einzigen Gen verursacht werden kann.

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