Gemeinsam Wissenshorizonte erweitern: DNA-Reparatur in Berlin
Wissenschaft ist mehr als die Arbeit im Labor. Auch die Kommunikation ist ein ganz zentraler Teil des wissenschaftlichen Schaffens. Während wissenschaftliche Veröffentlichungen dem formalen Austausch dienen, treffen sich Forscher auf Tagungen und Symposien, um Pläne für gemeinsame Projekte zu schmieden und sich persönlich kennenzulernen.
„Ich wollte mit meiner Konferenz erreichen, dass sich Forscher aus Berlin und anderswo treffen und sich für ihre Arbeit inspirieren lassen. Gerade auch, wenn sie auf ganz anderen Forschungsfeldern arbeiten,“ sagt die Gruppenleiterin Dr. Michela Di Virgilio am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC). Sie organisierte das Symposium „Frontiers in DNA Repair“, das am 12. September in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften stattfand.
Die Reparatur von Brüchen im DNA-Doppelstrang
Di Virgilio leitet die Gruppe „DNA-Reparatur und Erhalt der Genom-Stabilität“ und ist Expertin für das Thema. Besonders interessiert sie sich dafür, wie Brüche in beiden Strängen der DNA-Doppelhelix unseres Erbguts wiederinstandgesetzt werden.
„Doppelstrangbrüche der DNA entstehen etwa durch ionisierende Strahlung oder bestimmte Chemikalien, aber auch während der ganz normalen Stoffwechselvorgänge der Zelle. Wichtig ist, dass diese Schäden akkurat behoben werden, sonst kann das Genom instabil werden – und das führt zu einem höheren Risiko für Krebserkrankungen“, erläutert die Forscherin.
Andererseits lassen sich Defekte in den DNA-Reparaturmechanismen auch gezielt für die Chemotherapie gegen Krebs ausnutzen, denn die Reparaturmaschinerie ist in vielen Tumorarten nicht funktionsfähig. „Bei der konventionellen Chemotherapie gibt es starke Nebenwirkungen, denn auch gesunde Zellen werden abgetötet“, sagt Di Virgilio. „Die Forschung an der DNA-Reparatur hat nun neue Wirkstoffe zutage gebracht, die nur noch auf die Krebszellen wirken, in denen die Reparatur von Doppelstrangbrüchen nicht mehr funktioniert. Das ist etwa bei bestimmten Arten von Eierstock- und Brustkrebs der Fall, bei denen die Gene BRCA1 oder BRCA2 defekt sind. Diese beiden Gene sind für die Reparatur von Doppelstrangbrüchen wichtig.“
Mehr Austausch zwischen den Fachbereichen
DNA-Reparatur hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Di Virgilio sagt, wenn man über DNA-Reparatur spricht, solle man künftig auch an Berlin denken. Berlin hätte das Zeug dazu, sich international einen Namen zu machen. Die Forscherin lud einige international führenden Forscher des Fachgebiets ein, die in ihren Vorträgen eine bemerkenswert große Vielfalt an Modellorganismen und ein breites Spektrum an Themen diskutierten. Neben den anerkannten Größen des Fachgebiets stellten auch Nachwuchsforscher ihre Ideen in Vorträgen vor. So bot sich ein umfassender Überblick von der Grundlagenforschung auf molekularer und zellulärer Ebene bis hin zu klinischen Anwendungen.
Was eine Tagung erfolgreich macht
Einige Wissenschaftler des MDC, darunter Gruppenleiter, Postdoktoranden und Doktoranden besuchten die Veranstaltung und zogen eine positive Bilanz.
Viele Teilnehmer hätten die Tagung gern noch um einen weiteren Tag verlängert. Einige baten Di Virgilio um eine Fortsetzung des Events. „Mir wurde häufig gesagt, mach doch eine Serie daraus,“ sagt Di Virgilio. Konkrete Pläne gäbe es noch nicht, aber in zwei Jahren könnte es die zweite Ausgabe der „Frontiers in DNA Repair“ geben.
Bilder vom Symposium
Beitragsbild: Keynote-Sprecherin Titia de Lange von der Rockefeller University, New York, präsentiert vor einem vollen Saal in der BBAW. Bild: Christoph Große.