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Abnehmen senkt Risiko für Folgekrankheiten von Fettsucht

Fettzellen regulieren Blutdruck — Wie wirksam sind Medikamente gegen Bluthochdruck und Diabetes?
Fettsucht (Adipositas) und ihre Folgeerkrankungen Bluthochdruck und Typ 2 Diabetes schädigen die Blutgefäße, das Herz und die Nieren. Viele adipöse Menschen entwickeln deshalb Herzgefäßerkrankungen, die häufig einen Herzinfarkt oder Schlaganfall nach sich ziehen. 

Der einzige Weg, diese Folgen zu verhindern, ist abzunehmen. Doch wer jemals versucht hat, schlanker zu werden, weiss, dass das kein Zuckerschlecken ist. Zumeist ist der Erfolg auch nicht von Dauer. Dem Patienten allein die Schuld für den mangelnden Erfolg zu geben, ist jedoch in der Regel zu einfach.” Das sagte Prof. Arya Sharma, Internist und Nephrologe (Franz-Volhard-Klinik der Charité, Humboldt-Universität zu Berlin, Campus Berlin-Buch) vor der Presse beim 2. Internationalen Symposium über Adipositas und Bluthochdruck” am 25. Oktober 2001 im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch. Er verwies in diesem Zusammenhang auf neueste Forschungserkenntnisse über die Bedeutung von genetischen Faktoren für die Regulation des Körpergewichts. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass Fettzellen selbst zu der Entstehung von Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen beitragen können. Zudem erschwert offenbar auch die medikamentöse Behandlung des Bluthochdrucks und des Diabetes oft das Abnehmen. Prof. Sharma sprach die Hoffnung aus, dass auf der Basis dieser Erkenntnisse neue Strategien sowie neuere und wirksamere Medikamnete zur Vermeidung von Adipositas und ihren Folgen entwickelt werden können.

Wann und weshalb macht Übergewicht Bluthochdruck? Neue Befunde zeigen, dass Fettzellen eine Vielzahl von Molekülen bilden können, die direkt in die Blutdruckregulation oder in den Stoffwechsel eingreifen. So wird beispielsweise das in Fettzellen gebildete Hormon Leptin angeschuldigt, die Aktivität des sympathischen Nervensystems, ein wichtiger Regulator des Blutdrucks, zu erhöhen.

Prof. Sharma und Mitarbeiter konnten auch zeigen, dass Fettzellen in der Lage sind, alle Komponenten des Renin-Angiotensin-Systems (RAS) zu bilden, ein weiteres System, das für die Blutdruckregulation von großer Bedeutung ist. Eine gesteigerte Aktivität dieses Systems im Fettgewebe könnte nicht nur zum Bluthochdruck, sondern auch zur Entstehung des Typ 2 Diabetes beitragen”, erläuterte Prof. Sharma.

Wir können derzeit nur spekulieren”

Diese Erkenntnisse liefern wohl auch mit den Grund dafür, dass sich die Behandlung des Bluthochdrucks in der Praxis als äußerst schwierig erweist. Wir können derzeit nur darüber spekulieren, mit welchen Medikamenten der Bluthochdruck bei adipösen Patienten am besten behandelt werden soll. Denn für die medikamentöse Hochdruckbehandlung des adipösen Patienten gibt es bis heute keine offiziellen Richtlinien”, sagte Prof. Sharma. Er forderte in diesem Zusammenhang dringend, die Durchführung von klinischen Studien mit adipösen Bluthochdruckpatienten. Nur durch klinische Studien lassen sich Wirksamkeit und Nutzen der Bluthochdruckbehandlung bei adipösen Patienten einschätzen”, sagte er.

Barbara Bachtler
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