Pizza

Pizza ist die vierte Lebensform

Pizza ist ein vernachlässigtes Forschungsobjekt. In einer europäischen Feldstudie haben Wissenschaftler des MDC und der Universität Mainz nun umfangreiche Daten zu ihrer Evolutionsgeschichte erhoben. Ihre Ergebnisse und den weltweit ersten Stammbaum der Spezies Pizza veröffentlichen sie im Journal of Improbable Research”.

Die Evolution von Pizza aus einer Urform war lange Zeit eines der großen Rätsel der wissenschaftlichen Welt. Nun haben Wissenschaftler des MDC und der Universität Mainz erstmals Daten zu der als vierten Lebensform“ bezeichneten Spezies veröffentlicht. In einer europaweiten Feldstudie kommen sie zu dem Schluss, dass sich die früheste Form nicht grundlegend weiterentwickelt hat: Bis zum heutigen Tage dominiert das Drei-Schichten-Modell aus Teig, Tomate und Käse. Spezielle Zutaten wie Salami haben nun genauere Spezifizierungen ermöglicht. Die Ergebnisse der Forschungsgruppe, darunter der weltweit erste Stammbaum der Spezies Pizza, sind jetzt im Annals of Improbable Research“ (Vol. 24, No.1, pp 8 – 14) veröffentlich worden. 

Pizza ist vergleichbar einer einfachen Zelle: Ihre Membran ist die Kruste, ihre Ausstattung mit Organellen ist heterogen“, schreiben die Wissenschaftler. Der Pizza fehlt ein Skelettsystem. Fossilien wurden deshalb so gut wie nie gefunden. Dies erklärt auch das bedauerliche Desinteresse der Paläontologie an diesem Forschungsobjekt. Unsere Untersuchungen haben bestätigt, dass es sich bei Pizza um eine vierte Lebensdomäne handelt, die irgendwo zwischen einer Zelle, einem symbiotischen Zellverband und einer Ökosphäre angesiedelt ist“, so Russ Hodge, Erstautor der Publikation. Er wies auf einmalige Charakteristika hin, die eine Differenzierung von bekannten Formen wie Archaeen, Eukaryoten und Bakterien erlauben. 

Exposition zu extremen Umwelteinflüssen 

Warum wurde Pizza bislang von den Forschern so wenig beachtet? Die Autoren vermuten, dass dahinter kommerzielle Interessen stecken könnten, die eine Überregulierung sowie ethische Vorbehalte für den Umgang mit Pizza verhindern wollen. Außerdem habe es sich als sehr schwierig erwiesen, Pizza im Labor zu züchten, da sie meist auf unerklärliche Weise verschwinde. 

Für die Erstellung des weltweit ersten Pizza-Stammbaums“, der von einer Ur-Pizza ausgeht, machten sich die Wissenschaftler moderne Computertechnik zunutze. Miguel Andrade, früher MDC-Gruppenleiter, und sein Postdoc-Kollege Pablo Pier Munoz, beide heute an der Universität Mainz, sammelten in einer groß angelegten Feldstudie Daten von 58 verschiedenen Pizza-Sorten in 100 italienischen Restaurants in fünf europäischen Ländern. 

Trotz des evolutionären Drucks ist die Urform der Pizza, so stellten die Forscher fest, weitgehend unverändert erhalten geblieben. Sie besteht nach wie vor aus den drei einfachen Schichten Teig, Tomatensoße und Mozzarella Käse. Spätere Formen der Pizza wie die Calzone konnten sich nicht in größerem Umfang durchsetzen. In ihrer exponierten Form wird Pizza während der Embryonalentwicklung starken Umwelteinflüssen ausgesetzt, z.B. extrem unterschiedlichen Temperaturen, von Temperaturen unter Null bis zu 220 Grad Celsius. 

Wesentliche Rolle bei evolutionärer Intelligenzbildung 

Die Bedeutung der Pizza für die Evolution ist noch längst nicht abschließend behandelt; viele Fragen sind offen. Die Wissenschaftler weisen zum Beispiel darauf hin, dass die Evolution der Pizza im Wechselspiel mit der von Vordenkern wie Richard Dawkins postulierten menschlichen Intelligenzentwicklung als letztem evolutionären Schritt zu sehen ist. Außerdem spekulieren sie: Vieles wäre wohl möglich gewesen. Wer weiß, vielleicht hätte sich Pizza sogar gegen die Eukaryoten durchsetzen können und wäre heute die dominierende intelligente Spezies.“

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Am 19. März um 13 Uhr ist der Herausgeber des Journal of Improbable Research”, Marc Abrahams, zu Gast im MDC. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen zum Vortrag und vorher zur Pizza!