Mentoring group

Verbunden auf Zeit

18 Monate Mentoringprogramm für Postdoktorandinnen am MDC gehen zu Ende: Zeit, die Erlebnisse und Eindrücke Revue passieren zu lassen.

Es ist ein sonniger Frühlingstag, und durch den Berliner Tiergarten fahren Neuroimmunologin Dr. Susanne Wolf und ihr Mentor Professor Ulrich Dirnagl, Leiter der Experimentellen Neurowissenschaften der Charité. Sie sind auf dem Weg von der Freien Universität in Steglitz zur Alten Nervenklinik in Mitte. Susanne erinnert sich: Die 40-minütige Radtour zum Büro meines Mentors gab uns die Möglichkeit, neben Wissenschaftlichem auch mal über persönliche Dinge ins Gespräch zu kommen. Herr Dirnagl erzählte mir unter anderem von seinem Skateboard-Hobby. Ich war überrascht zu hören, dass er regelmäßig an der Halfpipe trainiert und das Skateboard sogar mit auf Kongresse nimmt.“

Ausstieg aus der akademischen Karriere: Andrea Solf (rechts) macht seit Juni eine Weiterbildung zur Assistentin für Bioinformatik. Foto: Guido Rottmann, MDC 

Das Mentoring dient der individuellen Karriereentwicklung. Eine erfahrene Führungskraft (die Mentorin“ oder der Mentor“) gibt ihr Wissen und ihre Erfahrungen an eine jüngere Nachwuchskraft weiter. Gleichzeitig begleitet sie die Mentee in ihrer persönlichen Entwicklung und unterstützt ihre Einbindung in Netzwerke. Das MDC-interne Mentoringprogramm für Postdoktorandinnen hat das Ziel, eigene Potenziale zu erkennen und zu nutzen, Kompetenzen zu steigern, sowie die Entscheidung für den nächsten Karriereschritte zu treffen. Dr. Andrea Solf, eine weitere Teilnehmerin des Programms, berichtet: Uns verband alle die gleiche Frage – wie soll es nach den Postdoc-Jahren am MDC weitergehen?“

Um das zu klären, analysieren die Teilnehmerinnen zunächst, wo sie beruflich stehen und reflektieren ihre Bedürfnisse. Im weiteren Verlauf entwickeln sie individuelle Karriereoptionen und Strategien, um ihre beruflichen Ziele zu erlangen. Neben dem Kernstück des Programms, der Begleitung durch externe Mentorinnen und Mentoren aus Forschung, Industrie und Lehre, werden Workshops zu den Themen Management, Kommunikation und Karriereentwicklung angeboten.

Das MDC-interne Mentoringprogramm für Postdoktorandinnen hat das Ziel, die Mentee bei der Entscheidung für die nächsten Karriereschritte zu unterstützen. Foto: Guido Rottmann, MDC 

Gabriele Kollinger, Personalentwicklerin am MDC und gemeinsam mit der Frauenvertreterin Dr. Christiane Nolte Organisatorin des Mentoringprogramms, erklärt, wie sich das Programm seit dessen Beginn 2001 weiterentwickelt hat: Zu Beginn gab es hauptsächlich das Mentorin-Mentee-Tandem. Über die Jahre haben wir das Konzept inhaltlich professionalisiert und noch stärker an die Bedürfnisse der Mentees angepasst. Mittlerweile stützt sich das Programm auf drei Säulen: die Arbeit von Mentorin oder Mentor und Mentee, das Begleitprogramm, bestehend aus Workshops und Beratungen zum Karriereverlauf sowie Netzwerke zur gegenseitigen Unterstützung innerhalb der Gruppe der Mentees. Dazu kommt die Integration in bestehende berufliche Netzwerke der Mentorinnen und Mentoren.“

Die richtige“ Mentorin: Es darf auch ein Mann sein

Zu Beginn des Programms messen wir der Findung der passenden’ Mentorin oder des Mentors, dem Matchingprozess‘ eine bedeutende Rolle zu“, erklärt Christiane Nolte. Dabei können die Mentees selbst Vorschläge für Mentorinnen und Mentoren machen.“ Es gebe mittlerweile einen recht großen und heterogenen Pool von Expertinnen und Experten dafür. Diese – sie dürfen seit der aktuellen Runde des Programms auch männlich sein – kommen aus ganz Deutschland und decken die Bandbreite der Lebenswissenschaften ab. Darauf sind wir sehr stolz“, sie, besonders wenn man bedenkt, dass die Mentoren diese Arbeit aus reinem Engagement machen.“ Die berufliche Position der Mentoren alleine sei allerdings nicht ausschlaggebend für den Erfolg der Tandem-Beziehung. Christiane Nolte: Es steht und fällt mit der Sympathie zwischen den Beteiligten und dem hohen Engagement der Mentee.“ Wichtig sei es, zu Beginn die Rollen klar zu kommunizieren, abzustecken was sich jeder erhofft und was realistische Erwartungen sind, sowie im Verlauf der Beziehung eine von Offenheit und Verbindlichkeit geprägte Arbeitsatmosphäre herzustellen.

Beim Shadowing-Tag begleiten die Mentees ihre Mentoren bei der Arbeit

Gutes Team auf Zeit: Mentee Susanne Wolf begleitet ihren Mentor Ulrich Dirnagl am Shadowing-Tag an seinen Arbeitsplatz in der alten Nervenklinik der Charité. Bild: Maimona Id, MDC 

Susanne Wolf erklärt: Es war von immenser Bedeutung für mich, meinen Wunschmentor vorschlagen zu können. Ich wollte durch das Programm die Neuro-Forschungslandschaft Berlins von einer anderen Seite kennenlernen.“ Die neurowissenschaftlichen Forschungen am MDC waren ihr durch ihre mehrjährige Postdoc-Zeit in der AG Kettenmann gut vertraut. Jetzt wollte ich einen Einblick in die Neurowissenschaften der Charité, speziell die des Exzellenzclusters NeuroCure, erhalten und mein Netzwerk dahingehend erweitern. Letzteres ist besonders wichtig, da ich mich habilitieren will und eine Professur in Berlin anstrebe“, sagt Susanne Wolf. Die Zusammenarbeit mit Ulrich Dirnagl habe ihre Erwartungen übertroffen. Ich konnte meine beruflichen Ziele präzisieren und erweitern. So denke ich aktuell an die Ausgründung einer eigenen Firma neben der akademischen Laufbahn.“ Noch vor dem Mentoring-Programm hätte sie sich das nicht getraut. Wolf: Prof. Dirnagl hat es geschafft, mir die Angst vor der eigenen Courage zu nehmen.“ Ein besonderes Highlight für die Wissenschaftlerin war der Shadowing-Tag: Da durfte ich ihn von früh bis abends in seinem Alltag begleiten. An diesem Tag sind wir dann auch vom Henry-Ford-Bau nach Mitte geradelt.“ Ulrich Dirnagl ergänzt: Ich bin froh, dass Frau Wolf unsere Zusammenarbeit so positiv einschätzt. Zu Beginn eines solchen Programms erhofft man sich als Mentor natürlich, dass man dem Gegenüber etwas bieten kann. Mir werden unsere wissenschaftlichen Diskussionen über Frau Wolfs spannende Befunde zum Thema Zusammenhang von Darmbakterien und Gehirn in Erinnerung bleiben. Das Thema ist hoch aktuell.“

Wie sich Karriereziele verändern können…

Manchmal kommt es während des Mentorings zu einem beruflichen Perspektivwechsel. Zu Beginn des Programms war ich relativ frisch Postdoktorandin und wollte in der Wissenschaft bleiben“, erzählt Andrea Solf. Sogar eine Position als Arbeitsgruppenleiterin hätte ich mir vorstellen können. Da ich aber von Anfang an realistisch bezüglich meiner begrenzten Publikationsliste sowie den damit verbundenen akademischen Chancen war, interessierte ich mich auch für alternative Berufswege.“ Geholfen haben ihr die Beratungen zum Erkennen der eigenen Potenziale, die damit verbundenen Impulse zur Selbstreflektion, sowie die Erhebung ihrer Karriereanker (individuelle berufliche Grundorientierung). Die Kenntnis der Karriereanker ist elementar für die bewusste Gestaltung der Karriere und unerlässlich für gute berufliche Entscheidungen. Dadurch habe ich begonnen, mir Gedanken darüber zu machen, wie meine Karrierewünsche zu meiner Persönlichkeit passen“, sagt Andrea. Eine wichtige Rolle spielte, neben der Zusammenarbeit mit der Mentorin, Prof. Dr. Jaqueline Franke von der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), der Gedankenaustausch und Vergleich mit den anderen Mentees: Ich fand es hochinteressant, wie andere ihre Ressourcen einschätzen, ihre Karriere planen und aktiv angehen. Ich habe mich im Rahmen des Programms zu einem Ausstieg aus der akademischen Wissenschaft entschlossen. Seit Juni mache ich eine Weiterbildung zur Assistentin für Bioinformatik.“ Andrea Solf erhofft sich dadurch Chancen im Bereich bioinformatische Dienstleistungen für Wissenschaftler. Eine weitere Option für mich wäre ein Zweitstudium zum Master of Bioinformatics“, sagt sie.

Gabriele Kollinger fasst zusammen: Es ist immer wieder spannend zu erleben, wie die Mentees in diesem konzentrierten Zeitraum ihre beruflichen Zielen konkretisieren, und sich auch oft auf persönlicher Ebene weiterentwickeln. Wenn jede Mentee am Ende des Programms den nächsten Karriereschritt entschieden hat und dadurch klarer und zuversichtlicher in die Zukunft sieht, haben wir unser Ziel erreicht.“

Im Herbst 2014 wird eine neue Runde des Mentoringprogramms für Postdoktorandinnen am MDC ausgeschrieben.

Programm-Organisatorinnen Gabriele Kollinger (3. von links) und Christiane Nolte (6. von links) mit dem sechsten Jahrgang des MDC-Mentoringprogramms. Foto: Guido Rottmann, MDC 

Kontakt:

Gabriele Kollinger

Tel.-Nr: 030.94063715

Email: gabriele.​kollinger@​mdc-​berlin.​de

Dr. Christiane Nolte

Tel. 030.94062222

Email: cnolte@​mdc-​berlin.​de