Alles Gute zum 85. Geburtstag, Detlev Ganten!
Der Campus war von Stacheldraht umzäunt, etwas grau, „noch so richtig DDR“. Als Professor Detlev Ganten 1991 von Heidelberg nach Berlin-Buch kam, war es keineswegs selbstverständlich, dass hier innerhalb weniger Jahre ein international anerkanntes biomedizinisches Forschungszentrum entstehen würde. Im Gegenteil: Für die rund 2000 Mitarbeiter*innen der ehemaligen Akademie-Zentralinstitute für Molekularbiologie, Krebs- und Herz-Kreislauf-Forschung war es eine Zeit der völligen Unsicherheit.
Eröffung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin 1992. Erste Reihe von links nach rechts: Bundesforschungsminister Prof. Dr. Heinz Riesenhuber, Bundespräsident Dr. Richard von Weizsäcker, Prof. Dr. Detlev Ganten, Dr. Ursula Ganten, Dr. Erwin Jost, Dr. Peter Luther, Senator für Gesundheit, Prof. Dr. Harald zur Hausen, Direktor des Deutschen Krebsforschungszentrums
Nur 350 von ihnen sollten am 1992 neu gegründeten Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin eine Anstellung finden. Aus dieser Situation „etwas menschlich Akzeptables, wissenschaftlich Gutes in kurzer Zeit zu schaffen, das war die große Herausforderung“, erzählte Gründungsdirektor Ganten in einem Zeitzeugeninterview. Es ist ihm meisterhaft gelungen. Für seine Weitsicht sowie sein Engagement für das Zentrum bedanken wir uns aufrichtig und gratulieren ihm herzlich zum 85. Geburtstag!
Ruf nach Berlin
Prof. Dr. Detlev Ganten, Gründungsdirektor des Max Delbrück Center, in seinem Büro.
Detlev Ganten wurde am 28. März 1941 in Lüneburg geboren. Er wuchs in Bremen auf und studierte Medizin in Würzburg, Montpellier und Tübingen. Im Anschluss an einen Forschungsaufenthalt im kanadischen Montréal habilitierte er an der Universität Heidelberg. Dort spezialisierte er sich auch als Facharzt für Pharmakologie.
Nach dem Mauerfall und der Wiedervereinigung Deutschlands tauschte er die Bluthochdruckforschung am Neckar gegen eine Pionieraufgabe auf dem Campus Berlin-Buch. Der Bundesforschungsminister ernannte Ganten am 1. Januar 1992 zum Gründungsdirektor und Wissenschaftlichem Vorstand des „Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin“. Ein Jahr später folgte ein Ruf an den Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie der Freien Universität Berlin.
Aufbruchstimmung
Detlev Ganten mit Jonathan Delbrück und Nicola Salmon, zwei Kindern von Max Delbrück.
Statt Tabula rasa zu machen, führte Ganten in Berlin-Buch möglichst viel Erhaltenswertes weiter. Dazu gehörte insbesondere die Verbindung zwischen Forschung und Klinik. Er verbreitete Aufbruchstimmung, schaffte ein Zusammengehörigkeitsgefühl. „Er sagte: Das ist ja großartig, was hier früher alles gewesen ist! Diese Tradition, diesen Geist wollen wir aufgreifen! Er hat flammende Reden gehalten“, erinnerte sich Professor Jens Reich später.
Und Ganten war zugänglich. Er pendelte nicht, sondern bezog mit seiner Frau eine kleine Wohnung im Gästehaus auf dem Campus. Er hörte zu, wollte ein Höchstmaß an Gemeinsamkeit herstellen und gleichzeitig zukunftsweisende Forschung etablieren. Das Thema, das alle Forschenden gemein hatten, war „molekulare Medizin“. Dazu passte Max Delbrück als Namensgeber. Schließlich gilt der Berliner Nobelpreisträger als Mitbegründer der Molekularbiologie.
Ein Vordenker von Anfang an
Von Anfang an war es Ganten ein Anliegen, dass Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung möglichst rasch in die Anwendung kommen sollen. Neben den Klinik-Kooperationen förderte er daher den Technologietransfer. Die 1995 gegründete „Berlin-Buch Biotechnologie“ entwickelte sich zu einem der wichtigsten Biotech-Parks in Deutschland: dem Campus Berlin-Buch. Von 1997 bis 2001 war Ganten zudem Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.
Im Jahr 2004 ging der Wissenschaftler eine weitere große Herausforderung an: Als Vorstandsvorsitzender der „Charité – Universitätsmedizin Berlin“ führte er die universitäre Medizin in Ost- und in West-Berlin zusammen. Parallel dazu gründete er gemeinsam mit der Stifterin Johanna Quandt die „Stiftung Charité“, die auch viele neue Kooperationen mit dem heutigen Max Delbrück Center ermöglichte. 2009 rief Ganten anlässlich der 300-Jahr-Feier der Charité den World Health Summit ins Leben, der seither jährlich in Berlin stattfindet und sich zu einer der weltweit führenden Global-Health-Konferenzen entwickelt hat.
Prof. Detlev Ganten neben seiner Büste
Geht man heute über den stets offenen Bucher Campus, trifft man auf Spaziergänger*innen aus den anliegenden Wohngebieten und auf eine beeindruckende Sammlung an Kunstwerken und Skulpturen. Beides ist Detlev Gantens Initiative zu verdanken. Dem Max Delbrück Center hält er bis heute die Treue. Noch immer ist er aktives Mitglied des Freundeskreises, ist Ideengeber und freundschaftlicher Ansprechpartner für viele seiner Kolleg*innen.
Wir freuen uns auf viele weitere gemeinsame Jahre!