Berlins beste Biologielaborantin
Im August 2022 begann Lena Fürst, nach einem abgebrochenen Medizinstudium in Hamburg, eine Ausbildung als Biologielaborantin am Max Delbrück Center. Sie hat diese im Dezember 2024 als Jahrgangsbeste mit der Note „sehr gut“ abgeschlossen und wird dafür am 28. November von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin ausgezeichnet. Mittlerweile arbeitet die 29-Jährige als Technische Assistentin in der Arbeitsgruppe „Molekulare Signalwege in der kortikalen Entwicklung“ von Professorin Annette Hammes-Lewin. Was Lena Fürst in ihrer Ausbildung zu schätzen gelernt hat und was sie im Nachhinein vielleicht trotzdem anders machen würde, berichtet sie hier.
Lena, du bist in Hamburg geboren und aufgewachsen. Was hat dich nach Berlin gelockt?
Die Möglichkeit, meine Ausbildung an einem so großen Forschungsinstitut wie dem Max Delbrück Center zu machen, wo man verschiedene Arbeitsgruppen kennenlernen und wirklich viele unterschiedliche Techniken erlernen kann, war für mich sehr reizvoll. Tatsächlich hatte ich auch in Hamburg einen Ausbildungsplatz als Biologielaborantin angeboten bekommen. Das wäre allerdings bei einer recht kleinen Firma gewesen, die sich fast ausschließlich mit Zellkulturen beschäftigt. Daher fand ich das Angebot aus Berlin deutlich attraktiver – obwohl ich inzwischen wahnsinnig gern mit Zellkulturen arbeite und vor allem die Forschung mit Stammzellen extrem spannend finde.
Warst du überrascht, dass du Jahrgangsbeste geworden bist?
Ein bisschen schon. Ich bin zwar ehrgeizig und wollte natürlich einen guten Abschluss erzielen. Mir hat das Lernen während der Ausbildung auch wirklich Spaß gemacht. Aber dass ich sie als Beste meines Jahrgangs abschließe, hätte ich trotzdem nicht unbedingt erwartet.
Was war die größte Herausforderung für dich?
Ich glaube, es war der Wechsel der Arbeitsgruppe nach dem ersten Lehrjahr. Ich hatte mich in meiner damaligen Gruppe, der Technologie-Plattform „Proteinproduktion & Charakterisierung“ von Dr. Anja Schütz, gerade so gut eingefunden. Plötzlich musste ich wieder so viel Neues lernen – und es war wirklich alles ganz anders: die Menschen, die Themen, die Techniken, die Abläufe. Das ist mir am Anfang etwas schwer gefallen. Aber mittlerweile fühle ich mich in meiner neuen Gruppe, in der ich ja zum Glück noch immer bin, natürlich auch sehr wohl.
Inwiefern haben sich die Abläufe voneinander unterschieden?
In der Protein-Plattform waren sie sehr strukturiert und geregelt. Es gab immer wieder die gleichen Protokolle, an die wir uns halten mussten. Ich habe dort zum Beispiel Bakterien gezüchtet, die bestimmte Proteine produzieren, und dann geholfen, diese zu isolieren und aufzureinigen. Wir waren außerdem ein sehr kleines Team, das sich untereinander rasch gut kannte. In der neuen Gruppe fand dann auf einmal richtige Forschung statt. Alles war irgendwie viel offener und unvorhersehbarer, wir waren mehr Menschen und alle unterhielten sich auf Englisch miteinander. Ich hatte plötzlich auch viel mehr Kontakt zu den Wissenschaftler*innen als in meinem ersten Jahr am Max Delbrück Center.
Ein gutes Gespür für die Stammzellen
Was hat dir in den zweieinhalb Jahren deiner Ausbildung am meisten Freude gemacht?
Die Arbeit mit den Stammzellen. Ich komme jeden Morgen, oft sogar am Wochenende, gespannt ins Labor und freue mich darauf, nach meinen Stammzellen zu sehen: wie sie gewachsen sind, wie sie aussehen, was man vielleicht noch besser machen könnte, damit sie sich optimal entwickeln. Ich darf da inzwischen auch eigene Ideen einbringen oder sogar selbstständig Experimente entwickeln – und ich glaube, ich habe mittlerweile ein ganz gutes Gespür für die Zellen entwickelt. Für mich fühlt es sich jedenfalls so an, als hätte ich meinen Traumberuf gefunden.
Welchen Tipp würdest du anderen Auszubildenden am Max Delbrück Center gerne mit auf den Weg geben?
Sie sollten von Beginn an möglichst viele Fragen stellen und darum bitten, Sachen gezeigt zu bekommen. Denn manchmal gehen die Wissenschaftler*innen so sehr in ihrem Projekt auf, dass sie vergessen, dass es um sie herum noch Auszubildende gibt, die etwas lernen wollen und sollen. Bekundet man aber sein Interesse, stößt man fast immer auf offene Ohren und Hilfsbereitschaft.
War es für dich immer leicht, auf die Forschenden zuzugehen?
Nein, im Gegenteil: Mir selbst ist das anfangs richtig schwer gefallen. Aber ich glaube, es hätte mir Vieles noch mehr erleichtert – deshalb betone ich das hier so. Und mir ist aufgefallen, unter anderem in der Berufsschule, dass die Ausbildungsqualität hier am Max Delbrück Center wirklich hervorragend ist. Von meinem Ausbildungsteam habe ich mich immer unterstützt gefühlt. Ohne Maren Wellner und Christina Krüger, die uns auch auf die Prüfung richtig gut vorbereitet haben, hätte ich sicherlich keinen so guten Abschluss erzielt. Bei beiden möchte ich mich daher auch an dieser Stelle noch einmal bedanken.
Wie wohl fühlst du dich in Berlin?
Ich hätte mir für mich, ehrlich gesagt, auch eine etwas ländlichere Umgebung vorstellen können. Aber was das betrifft, bin ich in Berlin-Buch eigentlich ganz gut aufgehoben: So am Rande der Großstadt ist man ja schnell im Grünen. Ich kann die Ausbildung hier also eigentlich in jeder Hinsicht empfehlen.
Interview: Anke Brodmerkel
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