Wenhan Luo

Die mentale Landkarte von Nacktmullen erforschen

Mit einem Stipendium der Humboldt-Stiftung kann Wenhan Luo seine Forschung in der Arbeitsgruppe für Molekulare Physiologie der somatosensorischen Wahrnehmung von Gary Lewin zwei weitere Jahre fortsetzen. Gemeinsam wollen sie verstehen, wie sich Nacktmulle orientieren.

Zwei Jahre lang die Orientierungsfähigkeit von Nacktmullen ergründen, ist schön und gut. Aber was diese ungewöhnlichen Tiere angeht, gibt es noch viel zu entdecken. Dr. Wenhan Luo, Postdoktorand in der Arbeitsgruppe von Professor Gary Lewin, kann weiter am Max Delbrück Center forschen, nachdem er kürzlich ein Humboldt-Forschungsstipendium erhalten hat. „Nacktmulle haben ein sehr empfindliches Tastsystem und fast keine Sehkraft. Daher gehen wir davon aus, dass sie sich auf der Grundlage von Berührungen fortbewegen. Das macht sie zu etwas ganz Besonderem“, sagt Luo.

Als Neurowissenschaftler interessiert sich Wenhan Luo dafür, wie sich das räumliche Gedächtnis bildet, wie Menschen und Tiere mentale Landkarten erstellen und sich Orientierungspunkte einprägen, um sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden. In seiner Doktorarbeit an der Universität Peking untersuchte er dieses Phänomen bei Mäusen. Jetzt erforscht er zusammen mit Lewin, wie die beinahe blinden Nacktmulle so geschickt durch unterirdische Tunnelsysteme rasen können. Wie schaffen es die Tiere, den Raum zu kartieren und sich möglichst schnell von Punkt A nach Punkt B zu bewegen?

Mit einer Hochgeschwindigkeitskamera, die 500 Bilder pro Sekunde aufnimmt, beobachtet Luo wie sich die Nacktmulle bewegen. Mit funktionellen Ultraschallbildern will er herausfinden, welche Gehirnregionen aktiv sind, wenn die Schnurr- und Körperhaare der Nacktmulle stimuliert werden. Indem er Beobachtungsdaten mit mechanistischen Untersuchungen kombiniert, möchte er künftig die Orientierungsfähigkeit von Nacktmullen dokumentieren.

Wenhan Luo freut sich nicht nur darüber, seine Forschung hier weiterführen zu können, sondern auch auf die Möglichkeit, sich mit anderen Humboldt-Stipendiat*innen aus verschiedenen Fachrichtungen auszutauschen. „Ich möchte der deutschen Regierung danken, weil sie uns jungen Wissenschaftler*innen eine sehr gute Plattform für unsere Arbeit bietet“, sagt Wenhan Luo. „Aus diesem Grund kommen viele Menschen aus aller Welt nach Deutschland, um hier ihre wissenschaftliche Karriere zu starten.“

Text: Laura Petersen

 

Weiterführende Informationen