Teaserbild Ingo Curdt

SPOT: Vom Anschub bis zum Start-up

Der Name verspricht Konzentration und Dynamik zugleich. Mit SPOT – „Spin-Off Support am MDC“ – unterstützt das MDC Teams, die ein Unternehmen gründen wollen. Drei vielversprechende Projekte wurden jetzt ausgewählt. Für „Wir am MDC“ sprachen wir mit Dr. Ingo Curdt, dem Koordinator des Förderprogramms.
Das SPOT-Programm fördert Teams, die ein kommerziell vielversprechendes Produkt in reproduzierbarer Qualität herstellen können.
Ingo Curdt Portrait
Ingo Curdt Koordinator des Programms SPOT am MDC

Im Herbst 2020 hat eine unabhängige Jury aus sechs Sachverständigen, darunter Investor*innen und Forschende, drei Teams des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) ausgewählt, die vor der Ausgründung gefördert werden sollen. Entscheidend war dabei, ob die Machbarkeit der Transfer-Idee nachgewiesen ist. Schließlich beurteilte die Jury auch die Neuheit der Entwicklung, etwa ob es bereits Unternehmen mit ähnlichen Ideen gibt und ob das Konzept patentfähig ist. Die Sieger*innen der ersten Förderrunde erhalten für maximal anderthalb Jahre bis zu 250.000 Euro. Das MDC organisiert für sie Trainings, in denen erfahrene Gründer*innen Knowhow beispielsweise zur Erstellung eines Businessplans vermitteln.

Dr. Ingo Curdt, Sie sind Koordinator des SPOT-Förderprogramms in der Abteilung Technologietransfer am MDC. Wer soll gefördert werden? Was ist das Besondere an der neuen Förderung?

Curdt: Das SPOT-Programm fördert Teams, die ein kommerziell vielversprechendes Produkt in reproduzierbarer Qualität herstellen können. Wir haben in der Vergangenheit bereits diverse Projekte gefördert, jedoch nur in Ausnahmefällen auf den letzten Metern bis zur Ausgründung. Nun finanzieren wir erstmals diese herausfordernde Phase mit Mitteln, die das MDC vom Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) eingeworben hat. 

Wofür können Teams die Förderung von bis zu 250.000 Euro verwenden?

Der Betrag kann für die Vorbereitung der Ausgründung verwendet werden, beispielsweise für Personal, um Geräte anzuschaffen, für Werbematerialien und auch für Patentanträge. Sobald das Unternehmen gegründet ist, dürfen wir es jedoch aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht mehr finanzieren.

In der ersten Bewerbungsrunde haben sich bis August 2020 acht Teams beworben. Wird es eine weitere Förderrunde geben?

Wir wollen auch im kommenden Jahr Projekte fördern, die ausgründen wollen. Wir freuen uns über qualitativ hochwertige Bewerbungen und schon jetzt über das rege Interesse am SPOT-Programm. Grundsätzlich ist die Förderung für das derzeitige Programm seitens des Berliner Senats zunächst bis 2022 befristet.

Was erhofft sich das MDC von der Ausgründungsförderung? Warum ist Technologietransfer so wichtig?

Es haben sich bereits einige Start-ups in Nachbarschaft zum Campus Buch angesiedelt. Mit diesen arbeiten wir rege und erfolgreich zusammen. Wenn mehr Ausgründungen aus dem MDC hervorgehen, schafft das eine sehr positive Atmosphäre für die Forschung und für Innovationen. Es entstehen Arbeitsplätze in unmittelbarer Nähe. Das MDC ist außerdem an Lizenzeinnahmen beteiligt, sobald die Start-ups sich am Markt etabliert haben.

Mit der Abteilung Technologietransfer hat das MDC eine eigenständige Abteilung, die unter anderem bei der Patentierung, Verwertung von Forschungsergebnissen und Ausgründungen unterstützt. Es ist uns ein Anliegen, dass die hochwertige Grundlagenforschung auch in Anwendungen zum Tragen kommt.

Die drei geförderten Forschungsprogramme im Steckbrief:

Neue Muskeln gegen Muskelschwund

 

Das Myopax-Team: Janine Kieshauer, Simone Spuler, Verena Schöwel und Andreas Marg (v.l.n.r.)

Ein hochinnovatives Team aus Muskelforscher*innen um Dr. Verena Schöwel entwickelt patientenspezifische Muskelzellen, die bei Muskelverletzungen oder Muskelschwund transplantiert werden können. Letzterer tritt bei Muskeldystrophie und vielen anderen Erkrankungen auf, von denen alleine in der Europäischen Union (EU) mehr als sechs Millionen Menschen betroffen sind. Da es bisher keine erfolgreichen Therapien gibt, sind die Patient*innen mitunter auf einen Rollstuhl angewiesen oder müssen beatmet werden. Die Gruppe ist in der Lage, die patientenspezifischen Muskelzellen nach guter Herstellungspraxis (Good Manufacturing Practice) zu erzeugen. Dies ist eine Voraussetzung für erste Studien am Menschen. Das Regenerationspotenzial der Transplantate konnte bereits in Experimenten mit Tieren erfolgreich gezeigt werden. Die Wissenschaftler*innen bereiten nun eine erste klinische Studie der Phase 1/2a an den Studienzentren der Universitäten Ulm und Regensburg vor, die Charité – Universitätsmedizin Berlin ist Sponsor. Dank der SPOT-Finanzierung soll der Herstellungsprozess weiter optimiert werden und das Team rüstet sich nun für die Ausgründung der Firma MyoPax.

Immunzellen gegen Krebs

 

Planen eine Ausgründung mit Forschung zu zellbasierter Immuntherapie: Mario Bunse, Uta Höpken, Jara Joedicke and Armin Rehm (von links nach rechts).

Immuntherapien gelten als eine der wichtigsten neuen Säulen der Krebstherapie. Mit einer Innovation in diesem jungen Feld plant die Forschungsgruppe um Dr. Uta Höpken, Dr. Armin Rehm und Dr. Jara Joedicke, sich am Markt zu positionieren. Sie arbeiten an zellbasierten Immuntherapien und nutzen dafür so genannte CAR-T-Zellen. Das sind bestimmte patienteneigene Immunzellen, die außerhalb des Körpers genetisch so verändert werden, dass sie Krebszellen erkennen und zerstören können. Diese CAR-T-Zelltherapie hat in internationalen Studien beachtliche Erfolge bei Leukämien und Lymphomen erzielt. Die MDC-Forscher*innen entwickeln jedoch neuartige CAR-T-Zellen, die insbesondere für Krebserkrankungen des blutbildenden Systems geeignet sind. Die dafür nötigen CAR-Rezeptoren hat die Gruppe bereits in verschiedenen Varianten erzeugt. Sie verfügt zudem über einen Bioreaktor, der die Zelltherapeutika nach guter Herstellungspraxis (Good Manufacturing Practice) herstellen kann.  

Kleines Molekül mit großer Wirkung

 

SPOT unterstützt Radoslaw Wesolowski (links) und Michael Bader (rechts) bei der Entwicklung eines potenziellen Therapeutikums, das den Serotonspiegel beeinflusst.

Die Arbeitsgruppe um Professor Michael Bader und Kolleg*innen hat eine potenzielle Arznei entwickelt, die den Serotoninspiegel im Körper absenken kann. Serotonin ist ein wichtiger Botenstoff, der bei einigen Krankheiten im Körper in zu großen Mengen bereitgestellt wird. Damit gilt die Substanz als aussichtsreicher Kandidat gegen Krankheiten wie Lungenhochdruck, gegen entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und dem Carcinoid-Syndrom, bei dem Tumorzellen Serotonin im Übermaß produzieren. Die Forschungsgruppe konnte die potenzielle Arznei bereits patentieren und zeigen, dass sie wirkt. Aktuell arbeitet sie daran, nachzuweisen, dass die Substanz die Blut-Hirnschranke nicht passieren kann. Um anschließend die Sicherheit und Wirksamkeit in Tierexperimenten zu testen, planen die Forschenden eine Ausgründung.

Text and Interview: Susanne Donner