Polypharmazie bei 200 000 Teilnehmenden im Alter von 19-74 Jahren: Baseline-Analyse von Daten der Deutschen Nationalen Kohorte (NAKO)
Autor/innen
- Jonas Peltner
- Miriam Degen
- Tom Berger
- Nina Ebert
- Beate Fischer
- Kathrin Guenther
- Manuela Harries
- Volker Harth
- Ulrike Haug
- Margit Heier
- André Karch
- Verena Katzke
- Thomas Keil
- Jasmin Kiekert
- Lilian Krist
- Berit Lange
- Michael Leitzmann
- Jakob Linseisen
- Claudia Meinke-Franze
- Rafael Mikolajczyk
- Ilais Moreno Velásquez
- Nadia Obi
- Phil Pendt
- Anette Peters
- Tobias Pischon
- Thomas Reinhold
- Oliver Riedel
- Börge Schmidt
- Ben Schöttker
- Stefan Willich
- Kerstin Wirkner
- Matthias Wuttke
- Britta Haenisch
Journal
- Deutsches Aerzteblatt
Quellenangabe
- Dtsch Arztebl 123 (18)
Zusammenfassung
HINTERGRUND: Polypharmazie ist mit unerwünschten Ereignissen, verminderter Lebensqualität und erhöhter Mortalität assoziiert, jedoch sind populationsbasierte Studien, die sowohl verschreibungspflichtige als auch rezeptfreie Medikamente einschließen, selten. METHODE: Analysiert wurden die Baseline-Daten der Deutschen Nationalen Kohorte (NAKO), Deutschlands größter populationsbasierter Kohortenstudie (Rekrutierung: 2014–2019; Teilnehmende im Alter von 19–74 Jahren zum Baseline-Zeitpunkt). Geschätzt wurde der Anteil der Teilnehmenden mit Polypharmazie (definiert als Angabe der regelmäßigen Einnahme von ≥ 5 verschreibungspflichtigen und rezeptfreien Medikamenten) und Hyperpolypharmazie (≥ 10 Medikamente), stratifiziert nach Geschlecht und Alter. Determinanten der Polypharmazie wurden mittels logistischer Regression geschätzt. ERGEBNISSE: Unter 203 765 Teilnehmenden (Durchschnittsalter: 49,8 Jahre; 50,4 % weiblich) gaben 6 869 Frauen (6,7 %; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI]: [6,5; 6,8]) und 8 126 Männer (8,0 % [7,9; 8,2]) eine regelmäßige Einnahme von ≥ 5 Medikamenten an. Eine regelmäßige Einnahme von ≥ 10 Medikamenten wurde von 505 Frauen (0,5 % [0,45; 0,54]) und 722 Männern (0,7% [0,67; 0,77]) berichtet. Polypharmazie und Hyperpolypharmazie nahmen mit dem Alter zu. Diabetes und chronische kardiovaskuläre Erkrankungen waren starke Determinanten. Eine Nutzung kardiovaskulärer Medikamente wurde am häufigsten berichtet. SCHLUSSFOLGERUNG: Polypharmazie war in der NAKO häufig, insbesondere bei älteren Teilnehmenden, Männern und Personen mit kardiovaskulären Erkrankungen. Da die Angemessenheit der Polymedikation nicht beurteilt werden konnte, sollten zukünftige Studien unangemessene Polypharmazie untersuchen sowie Risikofaktoren und Strategien zum sogenannten Deprescribing evaluieren.