Johanna Barnbeck und Thoralf Niendorf

Aus der Röhre in den Club

Die Klopfgeräusche des MRT in Techno zu verwandeln und das bildgebende Verfahren den Menschen so näherzubringen – das ist das Ziel von Johanna Barnbeck und Thoralf Niendorf, Forscher am Max Delbrück Center. Die Stiftung Charité fördert das Projekt als science x media Tandem“ mit rund 100.000 Euro.

Eine Untersuchung im Magnetresonanztomografen, kurz MRT, ist für die meisten Menschen keine verlockende Aussicht. Das liegt nicht nur daran, dass das bildgebende Verfahren fast immer mögliche Krankheiten oder Verletzungen aufspüren soll. Auch die Enge der Röhre, in der man mindestens eine Viertelstunde lang bewegungslos liegen muss, ist für viele unangenehm. Hinzu kommen die rhythmischen Klopfgeräusche, die das Gerät erzeugt: Sie erreichen Spitzenwerte von rund 120 Dezibel, sind somit lauter als eine stark befahrene Autobahn – und jagen so manchen Menschen Angst ein. 

Bislang gibt es vermutlich nur wenige, die bei den Geräuschen an Techno oder gar an ausgelassene Clubnächte denken. Vielleicht aber wäre genau das ein Weg, um Ängste abzubauen und sich die Vorteile des Verfahrens einmal bewusst zu machen? Johanna Barnbeck, Expertin für audiovisuelle Wissenschaftskommunikation, ist überzeugt, dass diese Strategie – zu der sie ein TikTok-Video und eigene Erfahrungen im MRT animiert hatten – aufgehen kann.

Mit ihrer Idee wandte sie sich an Professor Thoralf Niendorf, den Leiter der Arbeitsgruppe Experimentelle Ultrahochfeld-MR“ am Max Delbrück Center, und danach an die Stiftung Charité. Diese unterstützt das gemeinsame Projekt MRT-Techno – Künstlerisch-wissenschaftliche Begegnungen im k‑Raum“ nun als eines von drei science x media Tandems“ bis Ende November 2027 mit gut 100.000 Euro. Ziel des Förderprogramms ist es, neue Wege der Wissenschaftskommunikation zu erkunden und dabei Inhalte und Formate zu entwickeln, die über die Berliner Biowissenschaften hinaus wirken.

Klingeltöne und Warteschleifen

Als Tandem werden wir Strategien erkunden, um die Kluft zwischen der abstrakten medizinischen Bildgebung, der Schwellenangst und der gelebten Alltagskultur zu überbrücken“, sagt Barnbeck. Über künstlerische Zugänge möchten wir neue Perspektiven eröffnen – für Patient*innen, Mediziner*innen, Forscher*innen und Künstler*innen.“

Johanna Barnbeck und Thoralf Niendorf

Im gemeinsamen Prozess mit ihnen wollen Barnbeck und Niendorf aus den Geräuschen und Bildern von MRT-Scans Musik, Visuals und Installationen kreieren. Der k‑Raum – in der Medizin ein Datenraster mit den ursprünglichen, im Scanner gemessenen MR-Signalen – steht bei uns für einen Ort der Begegnung, der Transformation und neuer künstlerisch-wissenschaftlicher Ausdrucksmöglichkeiten, kurz gesagt für einen Kommunikationsraum“, erklärt Barnbeck den Titel ihres Projekts.

Niendorf betritt damit nicht nur musikalisches Neuland. Bisher konnte ich mit Techno wenig verbinden“, sagt er. Aber trotzdem habe ihn das Projekt sofort gereizt und er sei sehr gespannt, was sich aus ihm entwickeln werde. In die Berliner Clubs sollen die Rhythmen aus der Röhre in jedem Fall gelangen. Vielleicht auch in die Charité, als Klingeltöne oder Warteschleifenmusik“, ergänzt Barnbeck.

Clubnacht und Kunstausstellung

Drei Phasen des Projekts hat das Tandem geplant. In der ersten wollen wir die vorhin genannten Gruppen zu transdisziplinären Workshops einladen und gemeinsam Themen ausloten“, erläutert Barnbeck. In der zweiten Phase gibt es einen Open Call for Participation, über Social Media oder in Kunst- und Musiksendungen im Radio.“ Einige namhafte DJs und Komponisten hat sie bereits für ihr Vorhaben gewinnen können. Klopfgeräusche aus dem MRT wollen Barnbeck und Niendorf in einer Soundlibrary auf der Website des Max Delbrück Center frei zugänglich machen.

Dritte Phase und krönender Abschluss des Projekts sollen eine Clubnacht und eine multimediale Ausstellung mit Installationskunst werden, zum Beispiel während der Langen Nacht der Wissenschaften oder der Berlin Science Week 2027. Dort wird man zu MRT-Sounds tanzen können und die Methode besser kennenlernen.

Text: Anke Brodmerkel

Weitere Informationen

Kontakte

Professor Thoralf Niendorf
Leiter der Arbeitsgruppe Experimentelle Ultrahochfeld-MR“
Max Delbrück Center
thoralf.​niendorf@​mdc-​berlin.​de

Jana Schlütter
Stellvertretende Leiterin
Kommunikation & Marketing
Max Delbrück Center 
+49 30 9406 – 2118
jana.​schluetter@​mdc-​berlin.​de oder presse@​mdc-​berlin.​de