Stock Photo newspapers

Erstmals Genregion für Neurodermitis auf Chromosom 3 entdeckt

Die Neurodermitis ist eine der häufigsten chronischen Krankheiten im Kindesalter. Zusammen mit Asthma und Heuschnupfen gehört sie zu den allergischen Erkrankungen. Erbliche Faktoren und Umweltfaktoren bestimmen das Risiko, an Neurodermitis zu erkranken. 

Wissenschaftler der Charité-Kinderklinik (mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie) der Humboldt-Universität zu Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch haben in einer europaweiten Studie erstmals eine Genregion auf Chromosom 3 identifiziert, die ein Krankheitsgen der Neurodermitis enthält. Diese Arbeit ist jetzt in der Fachzeitschrift Nature Genetics (Vol. 26, Nr.4, pp. 470 – 473)* erschienen.

In den industrialisierten Ländern leiden zehn bis 15 Prozent aller Kinder an Neurodermitis. Die Krankheit tritt meist schon im Säuglings- und Kleinkindalter auf. Die frühkindliche Neurodermitis bedeutet für viele Kinder den Anfang eines Lebens als Allergiker. Obwohl sie mit zunehmendem Alter schwächer wird oder verschwindet, tragen die Kinder, die eine Neurodermitis hatten, ein deutlich erhöhtes Risiko, später an Heuschnupfen oder Asthma zu erkranken”, sagt Dr. Young-Ae Lee. Die Kinderärztin und Wissenschaftlerin arbeitet an der Charité und am Zentrum für Genkartierung des MDC.

In der vom Bundesforschungsministerium und vom Deutschen Humangenomprojekt geförderten und jetzt in Nature Genetics veröffentlichten Studie untersuchten Wissenschaftler aus der Bundesrepublik, Italien, Schweden und den Niederlanden drei Jahre lang fast 200 Familien mit über 800 Mitgliedern. Jede der untersuchten Familien hatte mindestens zwei Kinder, die vor dem zweiten Geburtstag an Neurodermitis erkrankt waren. Erstmals wurden in dieser Studie alle Chromosomen systematisch durchmustert, um nach solchen Genregionen zu suchen, die gemeinsam mit der Erkrankung vererbt worden sind. Es zeigte sich, dass die Neurodermitis besonders häufig mit einem bestimmten Abschnitt des Chromosoms 3 vererbt wird. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass sich in dieser Region ein Gen befindet, das ursächlich an der Entstehung der Neurodermitis beteiligt ist.

Bedeutung der Neurodermitis für Entwicklung von Allergien

Die meisten Kinder, die an Neurodermitis erkrankt sind, bilden Allergie-Antikörper” (IgE) gegen Nahrungsmittel- oder Umweltallergene. Dreiviertel der 421 in der Studie untersuchten Kinder mit Neurodermitis hatten Allergien. Eine erbliche Anlage zur Allergieneigung konnte an demselben Genort auf Chromosom 3 wie die Neurodermitis festgemacht werden. Hierbei zeigte sich, dass es insbesondere dann zur Allergie kommt, wenn dieser Genort von der Mutter ererbt worden ist, während die Vererbung vom Vater kaum eine Wirkung auf die Allergieentwicklung zeigte. In einem nächsten Schritt soll jetzt das Gen, das die Neurodermitis auslöst, identifiziert werden. Wir gehen davon aus, dass die Krankheitsneigung auf Veränderungen im Gen beruht. Wenn wir herausfinden, wie dieses Gen zur Entstehung von Neurodermitis und Allergien beiträgt, können wir in Zukunft gezielte Behandlungskonzepte entwickeln”, sagt Dr. Lee.

*A major susceptibility locus for atopic dermatitis maps to chromosome 3q21

1,2 Young-Ae Lee, 2 Ulrich Wahn, 2 Rainer Kehrt, 3 Luigi Tarani, 3 Luisa Businco, 4 Dan Gustafsson, 4 Florence Andersson, 5 Arnold P. Oranje, 5 Albert Wolkertstorfer, 6 Andrea v. Berg, 7 Ute Hoffmann, 8 Wolfgang Küster, 9 Thomas Wienker, 1,9 Franz Rüschendorf, 1 André Reis

1Max-Delbrück-Centre (MDC) for Molecular Medicine, Berlin, Germany, 2Dept. of Paediatric Pneumology and Immunology, Humboldt-University, Berlin, Germany, 3Dept. of Paediatrics, University La Sapienza”, Rome, Italy, 4Dept. of Paediatrics, Örebro Medical Center Hospital, Örebro, Sweden, 5Dept. of Dermatology and Venereology, University Hospital, Rotterdam, The Netherlands, 6Dept. of Paediatrics, Marienhospital, Wesel, Germany, 7Kinderklinik Schwabing, Technical University, Munich, Germany, 8TOMESA-Fachklinik, Bad Salzschlirf, Germany, 9Institute of Medical Biometry, Informatics and Epidemiology, University of Bonn, Germany

Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 — 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 — 38 33
e‑mail: presse@​mdc-​berlin.​de
http://​www​.mdc​-berlin​.de/​d​e​/news