Herz-Kreislauf-Erkrankungen — oft vererbt
Familiäres Risiko wird häufig unterschätzt — Wissenschaftler informieren auf der Hannover Messe
Etwa ein Drittel aller Herzinfarktpatienten leidet an einer erblichen Fettstoffwechselstörung, zum Beispiel der sogenannten familiären Hypercholesterinämie. Schätzungsweise zwei Drittel aller Fälle von Blut-hochdruck entstehen aufgrund erblicher Faktoren. Die frühzeitige Diagnose dieser genetischen Faktoren bei Fettstoffwechselstörung oder Bluthochdruck bietet die Chance, das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten gezielt und effektiv zu senken.
“Wir haben die Werkzeuge, um diese Risiken zu erkennen”, sagt Prof. Herbert Schuster vom Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch. Prof. Schuster ist medizinischer Genetiker und Gründer des Instituts für Familienuntersuchungen der Infogen Medizinische Genetik GmbH auf dem Campus Berlin-Buch.
Jedem, in dessen Familie bereits Schlaganfall, Herzinfarkt oder auch erhöhte Cholesterinwerte aufgetreten sind, empfiehlt Prof. Schuster eine gezielte Untersuchung. Anhand von Fragebögen erstellt das Infogen-Team einen medizinischen Stammbaum und analysiert das individuelle Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Das Ergebnis erfährt der Ratsuchende entweder direkt von dem Bucher Institut oder — auf Wunsch — von seinem Hausarzt. Dieser kann dann, so erforderlich, die notwendigen Behandlungsmaßnahmen einleiten.
Bisher haben rund 3 500 Familien mit insgesamt 40 000 Personen an dem Programm teilgenommen. Bei etwa 5 000 Personen entdeckten die Genetiker behandelbare Riskofaktoren, über deren Existenz viele der Betroffenen nichts gewußt hatten. Über die Möglichkeiten von Familienuntersuchungen zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen informieren Mitarbeiter des MDC und von Infogen auf der diesjährigen Hannover-Messe (19. — 24. April 1999, Halle 18, E12).
Barbara Bachtler
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