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Krebsforscher Prof. Arnold Graffi wird 95 Jahre alt

Entdecker von Krebsviren und krebserregender chemischer Substanzen: Der Mediziner und Krebsforscher Prof. Dr. Arnold Graffi wird am 19. Juni 2005 in Berlin 95 Jahre alt. Seine Entdeckungen haben maßgeblich zum heutigen Verständnis der Krebsentstehung beigetragen.

Prof. Arnold Graffi (privat)

Prof. Graffi gelang es aufzuzeigen, wodurch verschiedene chemische Substanzen krebserregend werden und durch welche biologischen Prozesse aus einer gesunden Zelle eine Krebszelle wird. Weiter entdeckte er mehrere krebsauslösende Viren, von denen zwei nach ihm benannt sind. Das Gebiet der Onko-Virologie hat durch ihn wesentliche neue Impulse erhalten. Ein Großteil seiner Arbeiten fällt in die Jahre 1948 bis 1975. In dieser Zeit war er Abteilungsleiter am damaligen Akademieinstitut für Medizin und Biologie in Berlin-Buch und später Direktor des dortigen Instituts für Experimentelle Krebsforschung, das in das 1992 gegründete Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch eingegliedert wurde.

Arnold Graffi wurde 1910 in Bistritz (Siebenbürgen) geboren. Von 1930 – 1935 studierte er Medizin in Marburg, Leipzig und Tübingen und promovierte an der Berliner Charité. Dort schloss er sich von 1937 – 1939 dem Chirurgen Ferdinand Sauerbruch an. Danach setzte Graffi seine Arbeiten in der Krebsforschung am Paul-Ehrlich-Institut in Frankfurt/Main bis 1940 fort. Nach Stationen in Prag und Budapest kehrte er 1943 nach Berlin zurück. Dort arbeitete er in einem Forschungslabor der Schering AG sowie bei Nobelpreisträger Otto Warburg am Kaiser-Wilhelm-Institut für Zellphysiologie. Nach seiner Habilitation an der Berliner Humboldt-Universität 1948 erhielt er einen Ruf nach Berlin-Buch an das Akademie-Institut für Medizin und Biologie. Dort war er bis zu seiner Emeritierung 1975 tätig.

Als einer der ersten Molekularbiologen hatte Graffi bereits Anfang der 60er Jahre über die Möglichkeit nachgedacht, einzelne krankheitsverursachende Gene oder deren Boten-RNA, die dafür sorgt, dass die in den Genen enthaltenen Baupläne in Proteine umgesetzt werden, gezielt abzuschalten. Damals hatte die moderne Gentechnik noch nicht ihren Einzug in die Forschungslabore gehalten. Inzwischen hat sich diese Technik des „Stillegens“ (Stichwort: short interfering RNA oder siRNA) zu einem wichtigen Werkzeug in der Molekularbiologie und Biotechnologie entwickelt. Prof. Graffi erhielt zahlreiche Ehrungen im In- und Ausland. 1964 wurde er in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt. 1979 erhielt er in Frankfurt/Main den Paul-Ehrlich-Preis und 1995 wurde er mit dem Großen Verdienstkreuz der
Bundesrepublik Deutschland geehrt. Prof. Graffi`s außerwissenschaftliche Interessen gelten der Malerei und dem Klavierspiel.

Barbara Bachtler

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