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Analytica Forschungspreis für Dr. Matthias Selbach vom MDC - Neue Methode zur Messung der Produktion tausender Proteine entwickelt

  Der Biologe Dr. Matthias Selbach vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch ist in München mit dem Analytica Forschungspreis 2010 ausgezeichnet worden. Dr. Selbach erhielt den mit 25 000 Euro dotierten Preis „für seine Arbeiten über den Einfluß von microRNAs auf die Proteinproduktion von Krebszellen“. Die Auszeichnung wurde dem Forscher auf der Messe „Analytica 2010“ in München am 23. März 2010 überreicht. Den Preis vergibt die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie e. V (GBM), das Preisgeld stiftet das Gesundheitsunternehmen Roche.

Proteine steuern praktisch jede Zellaktivität: Gleichgültig
ob sie Sauerstoff transportieren, Muskeln bewegen oder Nahrung verdauen -
Proteine führen fast alle biologischen Prozesse aus. Der Bauplan für Proteine
ist in den Genen gespeichert. Doch obwohl alle Körperzellen dieselben Gene
haben bilden sie ganz unterschiedliche Proteine. Wie wird die Herstellung
spezieller Proteine reguliert? Das mussten Forscher bisher mühsam für jedes
Protein einzeln untersuchen.

Jetzt haben Dr. Selbach und seine Mitarbeiter in ihrem
Berliner Labor eine neue Methode entwickelt, mit der sie die Produktion von
tausenden Proteinen gleichzeitig messen können. Sie markieren dazu Aminosäuren,
die Bausteine der Proteine, mit stabilen Isotopen. Die Zellen bauen die markierten
Aminosäuren in die Proteine ein. Anschließend quantifizieren die
Wissenschaftler die Proteinsynthese mithilfe eines Massenspektrometers.

Erst seit wenigen Jahren ist bekannt, dass sogenannte
microRNAs bei der Regulation von Genen eine wichtige Rolle spielen. MicroRNAs
sind kleine Bruchstücke von Ribonukleinsäure (englisch abgekürzt RNA), einer
chemischen Verwandten der DNA. Sie bestimmen damit auch mit, welche Proteine
die verschiedenen Zellen produzieren. Schlägt
die Regulation fehl, können viele Krankheiten entstehen. Forscher versuchen deshalb
weltweit Methoden zu entwickeln, um zu erkennen, welche microRNAs in
Körperzellen aktiv sind und welche Proteine sie steuern.

Aber welche Proteine
steuert nun eine microRNA? Um das herauszufinden haben sich die Forschergruppen
von Dr. Selbach und Prof. Nikolaus Rajewsky am Max-Delbrück-Centrum
zusammengetan. Mit Hilfe der neuen analytischen Methode konnten die Forscher
erstmals systematisch den Einfluss der microRNAs auf die Produktion von
Proteinen messen.

Sie fanden heraus, dass eine einzige microRNA die Bildung
von hunderten von Proteinen steuern kann. Auf diese Weise können microRNAs das
Verhalten menschlicher Zellen programmieren. Da in Krebszellen andere microRNAs
aktiv sind als in gesunden Zellen, gelten microRNAs als aussichtsreiche Kandidaten für Diagnostik und Therapie. Die
Erkenntnisse könnten daher möglicherweise in Zukunft von großer Bedeutung sein.

Matthias Selbach, geboren 1971 in Düsseldorf, studierte in
Münster, machte seine Doktorarbeit im Max-Planck-Institut (MPI) für
Infektionsbiologie in Berlin und promovierte an der Humboldt-Universität zu
Berlin. Anschließend arbeitete er im „Center for Experimental Bioinformatics“
der Universität von Süddänemark in Odense sowie am MPI für Biochemie in Martinsried.
Seit 2007 leitet er im MDC in Berlin-Buch die Arbeitsgruppe „Zelluläre
Signalwege und Massenspektrometrie“.

Analytica Forschungspreis 2010 für Dr. Matthias Selbach vom Max-Delbrück-Centrum (Photo: David Ausserhofer/Copyright: MDC)

Barbara Bachtler

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