Stock Photo newspapers

Astrozyten spielen offenbar wichtige Rolle bei Hirntumoren

Bei der Entstehung und Ausbreitung von Hirntumoren spielt offenbar eine Gruppe von Gliazellen eine wichtige Rolle, die wegen ihres sternförmigen Aussehens als Astrogliazellen oder auch Astrozyten bezeichnet werden. Darauf hat Dr. Florian Siebzehnrubl (University of Florida, Gainesville, USA) auf der Tagung Brain Tumor 2011“, am Freitag, den 17. Juni 2011, im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch hingewiesen.

In seinem Vortrag beleuchtete
Dr. Siebzehnrubl aus dem Labor von Prof. Dennis Steindler das Wechselspiel zwischen Tumorstammzellen und
extrazellulärer Matrix (EZM). Letztere hält das Gewebe zusammen und bietet zum
Beispiel der Invasion von Tumorzellen Einhalt. Astrozyten bilden während der Entwicklung des
Nervensystems Barrieren, die durch die Vermittlung der EZM zustande kommt.
Diese unreifen Astrozyten haben Ähnlichkeiten mit
neuralen Stammzellen.

Zellen, die diesen
unreifen Astrozyten ähneln, könnten ebenfalls bei
Hirntumoren eine Rolle spielen“, vermutet Dr. Siebzehnrubl.
Der Grund — diese unreifen Astrozyten sind
Stammzellen sehr ähnlich. Das Steindler-Labor hatte vor
einigen Jahren als erstes in Glioblastomen, den
häufigsten und aggressivsten Hirntumoren, Krebsstammzellen entdeckt. Die
Wissenschaft vermutet, dass solche stammzellähnlichen Tumorzellen Krebs
auslösen und auch daran schuld sind, dass Tumore trotz Behandlung wieder
auftreten können.

Bei der Entstehung
und Ausbreitung von Hirntumoren kommt der EZM eine entscheidende Rolle zu“,
sagte Dr. Siebzehnrubl. Auf der Tagung präsentierte
er neue Erkenntnisse über Krebsstammzellen des Gehirns, die ein einzigartiges
molekulares Profil (ZEB1) haben. Nach Aussage des Forschers sind diese Zellen
verantwortlich dafür, dass Medikamente (Chemotherapeutika) unwirksam werden und
der Hirntumor wieder ausbricht.

Vor wenigen Jahren
hatte das Labor von Prof. Helmut Kettenmann vom Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin (MDC) zusammen mit den Neurochirurgen Dr. Darko. S.
Markovic (Helios Klinikum Berlin-Buch) und Dr. Michael Synowitz
(Charité – Universitätsmedizin Berlin) zeigen
können, dass Mikrogliazellen die EZM mit ganz bestimmten Enzymen auflösen und Glioblastomen den Weg frei machen, sich im Gehirn auszubreiten.

Jetzt fanden Prof. Steindler und seine Mitarbeiter Dr. Siebzehnrubl
und Dan Silver in Tiermodellen heraus, dass Tumorzellen,
die schnell ins Gewebe einwachsen, die molekulare Zusammensetzung der EZM anders
beeinflussen, als Tumorzellen, die wenig invasiv sind. Die Forscher vermuten, dass
das veränderte Verhalten der EZM möglicherweise auf den Einfluss der Tumorstammzellen
zurückzuführen ist. Es gebe deshalb bereits erste Versuche, die EZM und weitere
Moleküle, die im Zusammenhang mit der Krebsentwicklung stehen, so zu
modulieren, dass Hirntumore abgekapselt werden und damit verhindert wird, daß sie ins gesunde Gehirn vordringen.

Kontakt

Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
in der Helmholtz-Gemeinschaft
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 — 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 — 38 33
e‑mail: presse@​mdc-​berlin.​de
http://​www​.mdc​-berlin​.de/
 

Weitere Informationen