Eleonora Adami exhibition opening

Bilder der Verwandlung

In ihrer Ausstellung „Metamorphosis“ präsentiert Eleonora Adami digitale Illustrationen und Cyanotypien. Die Werke, mit denen sie die Betrachtenden einladen möchte, über die Konzepte von Veränderung und Transformation nachzudenken, sind noch bis Ende Januar am MDC-BIMSB zu sehen.

Alles fließt, nichts bleibt. Um diese Erkenntnis des griechischen Philosophen Heraklit, um Themen wie Vergänglichkeit und Wandel, geht es in einer Ausstellung, die derzeit am MDC-BIMSB in Berlin-Mitte zu sehen ist. Unter dem Titel „Metamorphosis“ zeigt die italienische Wissenschaftlerin Dr. Eleonora Adami aus der Arbeitsgruppe „Genetik und Genomik von Herz-Kreislauferkrankungen“ einige ihrer künstlerischen Werke.

Es sind zum einen farbenfrohe digitale Illustrationen, die von der dadaistischen und surrealistischen Kunst inspiriert sind, zum anderen Cyanotypie-Drucke abstrakter Formen und botanischer Elemente, die in Blautönen daherkommen. „Die Bilder unterscheiden sich in Technik und Herangehensweise, sind aber durch das Thema der Verwandlung miteinander verbunden“, sagt Adami. Der Titel „Metamorphose“ stehe für beide Konzepte: für die Abkehr vom Gewöhnlichen bei den surrealistischen Werken sowie für den chemischen Übergang und die konzeptionelle Transformation bei den abstrakteren Cyanotypien.

Am Himmel scheint ein Virus

Als Postdoc untersucht die Forscherin in der Arbeitsgruppe von Professor Norbert Hübner auf dem Campus Berlin-Buch molekulare Veränderungen im Herzgewebe, die durch Kardiomyopathien verursacht werden. Das Herz, aber auch die Coronapandemie sind in den ausgewählten Illustrationen ein wiederkehrendes Thema. Auf einem Bild etwa schwimmt eine Gummiente in einem Gewässer, das scheinbar von der Sonne beschienen wird. Schaut man genauer hin, erkennt man am Himmel das kugelige Virus SARS-CoV2 mit seinen Spike-Proteinen.

Die Ausstellung ist noch bis Ende Januar am MDC-BIMSB zu sehen.

Auch eine digitale Collage mit der 1820 in Italien geborenen Krankenpflegerin und Statistikerin Florence Nightingale vor einer Grafik des Coronavirus, die schon im UNESCO-Hauptquartier in Paris ausgestellt war, ist noch mindestens bis Ende Januar am MDC-BIMSB zu sehen. „In meinen Illustrationen verwende ich Methoden der surrealistischen Kunst: das Spiel mit Größenordnungen, Wiederholungen und unmöglichen Handlungen“, erläutert Adami. „Sie sollen die Wahrnehmung der Betrachtenden herausfordern.“

Ein Spiel mit Assoziationen

Die Cyanotypien greifen emotionale Themen wie Verstrickung, Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit auf. Auf Adamis Webseite sind sie begleitet von Assoziationsnetzen, die die Forscherin während der Konzeption der Werke gebildet hat. „Dieser Prozess des Brainstormings führt oft zu unerwarteten Verbindungen zwischen Ideen, die ich dann visuell umsetze“, sagt sie. 

Eleonora Adami und Norbert Hübner bei der Ausstellungseröffnung am 2. Dezember 2024 im MDC-BIMSB.

Viel Lob erhält Adami unter anderem von ihrem Gruppenleiter: „Eleonora hat die besondere Fähigkeit, komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge in visuell fesselnde Geschichten zu verwandeln und so ihre Wissenschaft mit neuen Zielgruppen zu teilen und aus einer anderen Sichtweise und Relevanz heraus zu erzählen“, sagte Hübner bei der Eröffnung der Vernissage. Entsprechend habe man ihre Illustrationen nicht nur bei der UNESCO, sondern auch auf der Expo in Dubai und den Titelseiten wissenschaftlicher Magazine bewundern können. „Eleonoras Kunst und Wissenschaft bereichern einander und sie bereichert damit die Menschen in ihrer Umgebung“, fügte Hübner hinzu.

Die Schnittmenge von Kunst und Wissenschaft habe sie immer fasziniert, sagt Adami. Beide Disziplinen würden von dem Wunsch angetrieben, die Welt zu verstehen und zu interpretieren. „Ich finde, dass sie sich wunderbar ergänzen: Während die Wissenschaft nach Strukturen und Erklärungen sucht, setzt die Kunst auf Emotionen und Fantasie.“ Von den Menschen, die ihre Ausstellung besuchen, wünscht sich Adami vor allem eins: „Ich möchte, dass sie sich auf die gezeigten Werke einlassen, sich fragen, wie sie entstanden sind, was sie bedeuten – und dann ihre eigenen Interpretationen formulieren.“

Text: Anke Brodmerkel

 

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