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Nachruf auf Peer Bork

Wir trauern um den plötzlichen und unerwarteten Verlust von Peer Bork. Als prägende Persönlichkeit des Max Delbrück Center formte er dessen Einsatz für innovative Lebenswissenschaften maßgeblich mit. In seiner außergewöhnlichen Karriere beeinflusste Bork die moderne Biologie weit über Berlin hinaus.

Im Folgenden blickt Detlev Ganten, Gründungsdirektor des Max Delbrück Centers und einer der frühesten Mentoren von Peer Bork, auf ihren gemeinsamen wissenschaftlichen Weg und ihre Freundschaft zurück.

In Erinnerung an Peer Bork

Peer Bork ist am 16. Januar plötzlich und völlig unerwartet verstorben. Ich lernte Peer erstmals als jungen Wissenschaftler an den Akademie-Instituten in Berlin-Buch kennen, als ich 1991 aus Heidelberg nach Berlin kam, um die Aufgabe als Gründungsdirektor des Max Delbrück Center zu übernehmen. Von Anfang an beeindruckte mich Peer als außerordentlich ehrgeizig, intellektuell mutig, stets freundlich und als Kollege, der von allen bewundert und geschätzt wurde.

Peer begann seine wissenschaftliche Laufbahn in der Bioinformatik-Gruppe von Jens Reich in Berlin-Buch – zu einer Zeit, als Genetik und Bioinformatik noch junge, sich entwickelnde Disziplinen waren. Nach seiner Promotion in Leipzig und einem entscheidenden Beitrag zur wissenschaftlichen Erneuerung nach der deutschen Wiedervereinigung wurde er Projektleiter am Max Delbrück Center und zugleich Gastwissenschaftler am EMBL in Heidelberg. 1995 wechselte er vollständig zum EMBL, wo er vom Gruppenleiter über die Positionen des Senior Scientist, Unit Head und Strategischen Direktors der Bioinformatik schließlich zum Interimsdirektor des EMBL Heidelberg aufstieg. Trotz zahlreicher renommierter Angebote führender Institutionen aus aller Welt blieb er Heidelberg stets verbunden. Seine wegweisenden Arbeiten zur Proteinevolution, Genomanalyse, Systembiologie und zum menschlichen Mikrobiom prägten die modernen Lebenswissenschaften weltweit.

Für mich war Peer weit mehr als ein außergewöhnlicher Wissenschaftler. Er war ein enger Kollege und ein lieber Freund. Sein plötzlicher Verlust erfüllt mich mit tiefer Trauer und zugleich mit bleibender Dankbarkeit dafür, dass ich sowohl Wissenschaft als auch Freundschaft mit ihm teilen durfte.

Text: Detlev Ganten