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Offener Brief von EU-LIFE: Budget für „Horizon Europe“ verdoppeln

EU-LIFE, das Bündnis 13 führender lebenswissenschaftlicher Forschungszentren in Europa, fordert den Rat der Europäischen Union und das Europäische Parlament auf, das Budget von „Horizon Europe“ im Vergleich zu „Horizon 2020“ (H2020) auf 150 Milliarden Euro zu verdoppeln – und gleichzeitig das darin enthaltene Budget für Grundlagenforschung und den bewährten European Research Council ebenfalls zu verdoppeln.

Außerdem unterstützt EU-LIFE nachdrücklich die Position von EU-Parlamentspräsident David Sassoli zur Notwendigkeit, das Wort „Forschung“ der Ressortbezeichnung der EU-Kommissarin für Innovation und Jugend hinzuzufügen.

Europa steht an einem wichtigen Scheideweg. Vor dem Hintergrund großer gesellschaftlicher Herausforderungen wird die EU einerseits aufgerufen, sich ihrer Gründungswerte zu besinnen, andererseits wird ihre Rolle in Europa und der Welt hinterfragt. Es ist daher notwendig, sich auf die wahren Leuchttürme des EU-Ideals zu konzentrieren, um den Mehrwert der EU für ihre Bürger*innen zu sichern und zu pflegen. In diesem Zusammenhang wird die europäische Forschung nicht nur zu einem wahren Erfolg, sondern auch zu einer echten Säule des EU-Ideals. Nur wenige andere Bereiche illustrieren so deutlich, wie wichtig eine starke EU ist, die zugleich lokales Potenzial wirksam unterstützt sowie nationale und regionale Politik lenkt.

Aus Analysen zu vorangegangenen Rahmenprogrammen geht klar hervor, dass jeder in Forschung und Innovation (R&I) investierte Euro volkwirtschaftlich rund fünfmal soviel einbringt und außerdem Sozial-, Gesundheits- sowie Umwelt-Standards anhebt. R&I erhält jedoch weniger als 10 Prozent des Gesamtbudgets der EU.

Daher ist es Zeit, dass die EU R&I auf ihrer Prioritätenliste weiter oben platziert. Dies muss sich im mehrjährigen Finanzrahmen der EU in einer Anhebung des Budgets für Horizon Europe niederschlagen, wie im Lamy Report und in einem früheren EU-LIFE-Positionspapier bereits empfohlen.

Wir fordern deshalb das Europäische Parlament und den Rat der Europäischen Union auf, Horizon Europe mit fünf Schlüssel-Assets auszustatten:

1. Angemessenes Budget: Für starke Wirkung benötig Horizon Europe ein entsprechendes

Budget. Als erste Organisation haben wir öffentlich die Empfehlungen des Lamy Reports unterstützt, das Budget von Horizon Europe im Vergleich zu H2020 auf 150 Milliarden Euro zu verdoppeln. Dies ist weiterhin unsere Position: Wir halten unsere Empfehlung aufrecht, das Budget des europäischen Rahmenprogramms für R&I zu verdoppeln, um seine Wirkungsmacht (Impact) zu entfalten und die heutigen globalen Herausforderungen anzugehen.

2. Ausgewogenes Programm: Was Wissenschaft morgen bewirken kann, hängt von heutigen Entdeckungen ab. Am meisten zahlt sich im Laufe der Zeit exzellente Forschung aus, die ein hohes Risiko eingeht und deren Ausgang offen ist. Sie sollte die höchste Priorität bei öffentlicher Finanzierung wie Horizon Europe haben. Investitionen in Stadien nahe der Marktreife werden dann vom Privatsektor kommen. Wir empfehlen deshalb eine Verdopplung des Budgets für Grundlagenforschung (Säule 1), einschließlich erprobter Instrumente wie dem European Research Council und Marie Skłodowska-Curie-Förderungen (MSCA).

3. Aus der European Research Area (ERA) soll Realität werden: Die ERA umzusetzen und Open Science sowie Geschlechtergleichstellung voranzutreiben, kann nicht auf den Schultern einzelner Forscher*innen, Innovator*innen oder Projekte lasten. Exzellente R&I braucht ein gesundes R&I-Ökosystem, das wiederum starke Institutionen benötigt, die internationalen Standards folgen. EU-LIFE ist ein starker Verfechter der politischen Linie, dass europäische Rahmenprogramme nationale oder regionale Investitionen nicht ersetzen sollten. Damit die Mitgliedsstaaten einen Anreiz haben, R&I in ihren Budgets vorrangig zu behandeln, sollten Maßnahmen, die auf wenigstens 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts abzielen, verabschiedet werden. Nationale Anreize allein reichen jedoch nicht aus, um internationale Standards flächendeckend herbeizuführen. Ein pan-europäischer Anstoß durch Horizon Europe ist notwendig.

4. Aufgabe Wissenstransfer: Da der Weg zu Innovation nicht linear ist und einige Feedbackschleifen mit sich bringt, besteht eine wesentlich Aufgabe darin, ein geeignetes Forschungs-Ökosystem aufzubauen, das effizient die Translation von Wissen katalysiert. Die wahre Herausforderung besteht darin, Forschende aktiv zu unterstützen, den kommerziellen und/oder gesellschaftlichen Nutzen ihrer Erkenntnisse zu identifizieren.

5. Realistischer Impact und gemeinsame Herangehensweise: Innovation bietet Lösungen auf der Basis von Wissen. Lösungen ohne neues Wissen sind keine Innovation, sondern lediglich Anwendung. Die Position von Forschung mit ungewissem Ausgang muss innerhalb sektorübergreifender Zusammenarbeit gefördert werden. Wann der Impact von Forschungsergebnissen, die im Rahmen von Horizon Europe entstehen, zu erwarten ist, sollte realistisch einem weiter gefassten Zeitrahmen angepasst werden. Die Definition von Impact sollte über wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit hinaus auf gesellschaftliche Auswirkungen hin erweitert werden.

Da Namen Prioritäten schaffen, fordern wir außerdem, das Wort „Forschung“ zur Ressortbezeichnung des unlängst geschaffenen EU-Kommissariats für Innovation und Jugend hinzuzufügen.

Barcelona, 23. September 2019

Über EU-Life

 

EU-LIFE ist ein Bündnis von Forschungszentren, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Forschungsexzellenz im europäischen Raum zu unterstützen und zu stärken (www.eu-life.eu). EU-LIFE-Mitglieder sind nicht nur führende Forschungsinstitute in ihren Ländern, sondern auch international für exzellente Forschung, umfassenden Wissenstransfer und die Förderung von Talenten bekannt. Seit der Gründung 2013 ist EU-LIFE eine Interessenvertretung in der europäischen Politiklandschaft, die sich regelmäßig an politischem Dialog in der EU beteiligt.

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