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Herzschwäche durch ein überaktives Protein

Die eigentliche Ursache der RBM20-Kardiomyopathie, einer schweren, genetisch bedingten Form der Herzschwäche, ist nicht der namensgebende Gendefekt selbst, sondern ein überaktives Protein. Das berichtet ein Team um den HI-TAC-Forscher Maarten van den Hoogenhof in Nature Cardiovascular Research“.

Die RBM20-Kardiomyopathie ist eine seltene, sehr aggressive Form der angeborenen Herzschwäche, bei der sich der Herzmuskel weitet und seine Pumpkraft verliert. In der Fachzeitschrift Nature Cardiovascular Research“ berichten Heidelberger Forschende, dass die Krankheit nicht allein aus den unmittelbaren Folgen eines Defekts des namensgebenden RBM20-Gens resultiert. Vielmehr führt die Mutation auch zu einer Überaktivität des Signalproteins CAMK2D.

Das Eiweißmolekül steuert unter anderem den Kalziumhaushalt im Herzmuskel und beeinflusst dadurch den Herzschlag. In Mausmodellen führte die Überaktivität von CAMK2D zu einer ausgeprägten Herzschwäche. Schalteten die Forschenden das Protein aus, blieb die Herzfunktion trotz des bestehenden RBM20-Defekts weitgehend erhalten.

Mikroskopische Aufnahme von Herzmuskelgewebe, in der RBM20 grün leuchtet. Die Zellkerne sind blau gefärbt. Rot sind die Sarkomere, die kleinsten kontraktilen Einheiten der Muskelfasern.

Unsere Studie zeigt, dass nicht der Gendefekt an sich, sondern die übermäßige Aktivität des CAMK2D-Proteins der krankmachende Aspekt ist“, sagt der Erstautor der Studie, Dr. Maarten van den Hoogenhof von der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und Junior Research Group Leader am Institut für Experimentelle Kardiologie und am Helmholtz-Institut für translationale AngioCardioScience (HI-TAC) – einer Außenstelle des Max Delbrück Center, die auf dem Campus der Universität Heidelberg in Mannheim und Heidelberg angesiedelt ist.

Ein möglicher Therapieansatz

Aus diesen Beobachtungen ergibt sich ein möglicher Therapieansatz, bei dem CAMK2D gezielt blockiert wird. Für andere Herzkrankheiten sind entsprechende Wirkstoffe bereits in der Entwicklung. Bisher werden alle Patientinnen und Patienten mit Kardiomyopathien mit den gleichen Wirkstoffen behandelt“, sagt der Letztautor der Studie, Professor Johannes Backs, W3-Professor an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg, Direktor des Instituts für Experimentelle Kardiologie und HI-TAC-Interimsdirektor. 

Unsere Forschungen deuten aber darauf hin, dass bestimmte genetische Veränderungen beeinflussen könnten, wie gut ein Medikament wirkt“, erläutert Backs. Wenn sich das bestätigt, ist das ein großer Schritt in Richtung Präzisionsmedizin: Dann sollten künftig alle Kardiomyopathie-Patientinnen und ‑Patienten genetisch untersucht werden, damit die Behandlung individuell angepasst werden kann.“ 

Die vorliegende Arbeit ist eine Kooperation des Sonderforschungsbereichs (SFB) 1550 Molekulare Schaltkreise von Herzerkrankungen“, der von der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg koordiniert wird, und des HI-TAC. Beteiligt waren außerdem Projektteams des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Die zweite Förderperiode des SFB 1550 hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gerade bewilligt.

Weitere Informationen

Literatur

Martin van den Hoogenhof, Javier Duran, Thiago Britto-Borges, et al. (2026): CAMK2D causes heart failure in mice with RBM20 cardiomyopathy“. Nature Cardiovascular Research, DOI: 10.1038/s44161-026 – 008182

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Mikroskopische Aufnahme von Herzmuskelgewebe, in der RBM20 grün leuchtet. Die Zellkerne sind blau gefärbt. Rot sind die Sarkomere, die kleinsten kontraktilen Einheiten der Muskelfasern.

© The van den Hoogenhof lab, HI-TAC

Kontakte

Maarten van den Hoogenhof
Gruppenleiter am HI-TAC und an der
Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg
maarten.​vandenhoogenhof@​med.​uni-​heidelberg.​de

Jana Schlütter
Stellvertretende Leiterin
Kommunikation & Marketing
Max Delbrück Center
+49 30 9406 – 2118
Jana.​Schluetter@​mdc-​berlin.​de oder presse@​mdc-​berlin.​de

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