Sara De Vincentiis

Marie-Curie-Stipendium für Sara De Vincentiis

Die Postdoctoral Fellowships“ der Marie Skłodowska-Curie Actions sollen die Karriere promovierter Wissenschaftler*innen fördern, indem sie deren internationale und interdisziplinäre Mobilität unterstützen. Sara De Vincentiis aus dem Labor von Mina Gouti hat eines der begehrten Stipendien erhalten.

Herzlichen Glückwunsch an Dr. Sara De Vincentiis, die eines der renommierten Postdoctoral Fellowships“ der Marie Skłodowska-Curie Actions (MSCA) erhalten hat! 

Die Wissenschaftlerin forscht seit September 2024 in der Arbeitsgruppe Stammzell-Modellierung der Entwicklung und Erkrankung“ von Professorin Mina Gouti am Max Delbrück Center. Im September 2025 erhielt De Vincentiis bereits ein Postdoctoral Fellowship der European Molecular Biology Organization (EMBO). Ab dem 1. September 2026 kann sie ihre Forschung mit einem weiteren zweijährigen Stipendium der MSCA fortsetzen.

De Vincentiis möchte die Pionierarbeit von Goutis Gruppe, die erstmals dreidimensionale neuromuskuläre Organoide aus humanen induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) gezüchtet hat, weiterführen. Diese Organoide bilden wesentliche Merkmale von Rückenmarksneuronen und Skelettmuskeln sowie deren funktionelles Zusammenspiel nach – und bieten damit leistungsstarke Plattformen, um neuromuskuläre Erkrankungen zu erforschen und neue Medikamente gegen sie zu testen. Die Organoide lassen sich auch aus Stammzellen erkrankter Menschen züchten, um patientenspezifische Krankheitsmerkmale zu modellieren.

Wir arbeiten daran, diese Organoide physiologisch noch aussagekräftiger zu machen“, erklärt De Vincentiis. Derzeit reifen sie beispielsweise nicht vollständig zu adulten Gewebezuständen heran, weshalb wir sie nur begrenzt dazu nutzen können, spät auftretende neuromuskuläre Erkrankungen zu erforschen.“

Ein Grund, dass die Organoide nicht gänzlich ausreifen, besteht darin, dass sie in der Regel in Petrischalen gezüchtet werden. Dort sind sie nicht den gleichen mechanischen Kräften wie Druck, Reibung oder Spannung ausgesetzt, die im Körper wirken. Zudem fehlen ihnen biologische Signale aus anderen Geweben.

Mit Bioengineering zu besseren Modellen

De Vincentiis nutzt Methoden des Bioengineering, um wichtige Merkmale der physiologischen Umgebung nachzubilden, die den jetzigen Organoiden bislang fehlen. Zum Beispiel übt sie auf neuromuskuläre Organoide mechanische Kräfte aus, um deren weitere Reifung zu fördern. Darüber hinaus plant die Forscherin, sie mit zerebralen Organoiden zu kombinieren, um Assembloide zu bilden – zwei oder mehr Organoide aus unterschiedlichen Geweben, die gemeinsam kultiviert werden und auf natürliche Weise Verbindungen eingehen. Zerebrale Organoide würden gehirnähnliche Impulse in das neuromuskuläre System einbringen.

Beide Aufgaben seien anspruchsvoll und erfordern sorgfältig kontrollierte Methoden des Bioengineering, sagt De Vincentiis. Dies sei nach wie vor der Schwerpunkt ihrer Forschung. So züchtet sie beispielsweise neuromuskuläre Organoide in Kolben, wo diese frei schweben. Wir müssen untersuchen, wie wir physiologisch relevante Kräfte aus verschiedenen Richtungen auf frei schwebende Organoide ausüben können, die sich ständig dreidimensional bewegen“, erklärt die Wissenschaftlerin.

Ich freue mich sehr, dass mir beide Stipendien gewährt wurden. Damit kann ich nun erforschen, wie sich Bioengineering mit Organoidmodellen kombinieren lässt, um die Umgebung des menschlichen neuromuskulären Systems noch genauer nachzubilden“, fügt sie hinzu. Das ultimative Ziel ist es, präzisere Modelle für neuromuskuläre Erkrankungen zu entwickeln, die erst im Erwachsenenalter auftreten.“

Text: Gunjan Sinha

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